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Bild von der Raffinerie in Leuna. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Grüne EnergiePilotanlage für grünes Methanol aus Leuna geht in Betrieb

20. November 2023, 05:00 Uhr

Die Chemieindustrie will nachhaltiger werden – mit grünem Wasserstoff, Flugbenzin oder Methanol. All diese Produkte aus Ökostrom und natürlichen Ressourcen haben einen Nachteil: Sie sind in der Herstellung viel teurer als bei herkömmlicher Produktion aus Erdöl, Kohle oder Erdgas. In Leuna startet nun eine Versuchsanlage, in der grünes Methanol ähnlich günstig produziert werden soll wie herkömmliches. Es wäre ein Meilenstein.

Christian Vollmann hatte mit Chemie bislang wenig zu tun. Der Unternehmer hat das Dating-Portal eDarling gegründet, war bei der Videoplattform MyVideo beteiligt und beim Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de. Nun managt Vollmann das Chemie-Start-up C1, das heute in Leuna eine Pilotanlage für grünes Methanol startet.

Vollmann bewirbt die Idee selbstbewusst: "Wir erfinden den Herstellungsprozess von Methanol von Grund auf neu. Wir machen ihn effizienter, skalierbarer. Und das wiederum ermöglicht es quasi, grünes Methanol in den notwendigen Mengen und auch zum notwendigen Preis herzustellen."

Methanol ist wichtiger chemischer Grundstoff

Tatsächlich ist Methanol für die Chemieindustrie eine sehr wichtige Grundzutat zum Beispiel für Kunststoffe, Lacke oder Farben. Der weltweite Bedarf liegt bei jährlich 100 Millionen Tonnen. Bislang wird Methanol vor allem aus Erdöl und Kohle gewonnen. Die erste kommerzielle Produktion startete in Leuna vor 100 Jahren. Seitdem hat sich am Verfahren wenig geändert. Und so sieht auch Chemieparkmanager Christof Günther in der neuen Anlage eine große Chance.

Er erklärt, dieses neuartige Katalyse-Verfahren komme mit wesentlich niedrigeren Temperaturen und niedrigeren Drücken aus. Der Energiebedarf für die Erzeugung von Methanol sei also deutlich niedriger als bei herkömmlichen Verfahren. Die Reaktionsgeschwindigkeiten seien schneller, also der Umsatz erfolge zügiger als bei herkömmlichen Verfahren. Und deswegen sei das neue Verfahren besonders effizient.

Methanol aus Ökostrom, grünem Kohlen- sowie Wasserstoff

Grün wird das Methanol aber vor allem durch die eingesetzten Ausgangsstoffe: Ökostrom, grüner Wasserstoff und Kohlenstoff aus Biomasse oder der Luft entzogenem Kohlendioxid. Am Anfang wird die Anlage nur 100 Liter am Tag prduzieren. Es geht darum, das Verfahren erstmals außerhalb des Labors zu testen – überwacht von einem Fraunhofer Institut.

Wenn es gelingt, die Produktion groß zu machen, wäre das tatsächlich ein bedeutsamer Schritt, sagt Institutsleiter Andreas Reuter. Denn gegenüber grünem Wasserstoff habe das weiterentwickelte grüne Methanol einige Vorteile wie die einfachere Handhabbarkeit im Vergleich zu Wasserstoff. Methanol habe die Eigenschaft, dass man es gut speichern könne, es flüssig gut zu leiten und zu transportieren sei, so wie bisher die klassischen Treibstoffe.

Grünes Methanol wäre auch eine Kraftstoff-Alternative

Tatsächlich dient Methanol nicht nur als Ausgangsstoff in der Chemie, sondern man kann es direkt als Kraftstoff nutzen. Die Frachtschiffreederei Maersk tue das bereits, sagt C1-Manager Vollmann.

Maersk habe gerade das erste Schiff erhalten, 23 weitere seien bestellt. Die fahren Vollmann zufolge direkt mit grünem Methanol. Da müsse man nichts mehr umwandeln. In der Luftfahrt sei das anders, weil die Energiedichte von Methanol nur halb so hoch ist wie die von Kerosin. Das heißt, dort sei ein Zwischenschritt nötig. Aus dem Methanol entstehe dann quasi grünes Kerosin.

Weil grünes Methanol Ausgangsstoff verschiedener synthetischer Kraftstoffe sein kann, reist zum Start der Pilotanlage heute auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing an. Er hatte sich immer für den Erhalt von Verbrennungsmotoren und synthetische Kraftstoffe stark gemacht. Das Ministerium fördert die Pilotanlage mit reichlich zehn Millionen Euro.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2023 | 06:17 Uhr

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