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Der Präsident wollte in Begleitung seiner Frau Brigitte nach Deutschland reisen und die meiste Zeit in Dresden verbringen. Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ben Stansall

Wegen KrawallenAbgesagt: Französischer Präsident Macron kommt nicht nach Sachsen

01. Juli 2023, 16:09 Uhr

Mit Emmanuel Macron sollte zum ersten Mal seit 23 Jahren wieder ein französischer Präsident zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Deutschland kommen. Fast die Hälfte seiner Besuchszeit wollte er in Dresden verbringen. Doch daraus wird jetzt leider nichts.

Nach mehreren Nächten mit Krawallen hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinen Staatsbesuch in Deutschland abgesagt. Macron habe am Sonnabend mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefoniert und diesen über die Situation in seinem Land unterrichtet, teilte das Bundespräsidialamt mit. "Der Besuch soll baldmöglichst nachgeholt werden", hieß es in der schriftlichen Mitteilung. Auch der Elysée-Palast bestätigte dies.

Besuche in Dresden und Moritzburg geplant

Frankreichs Präsident Macron wollte eigentlich am 4. Juli im Rahmen seines Staatsbesuchs in Deutschland nach Dresden kommen. Nach Angaben des Bundespräsidialamtes war es sein ausdrücklicher Wunsch, dass Ostdeutschland ein Schwerpunkt seiner Reise ist. Macron wollte aus diesem Grund in Dresden an der Frauenkirche eine Ansprache an die europäische Jugend halten.

Sachsens Ministerpäsident Michael Kretschmer drückte sein Bedauern über die Absage in den Sozialen Netzwerken aus, äußerte aber auch Verständnis. "Es ist richtig und nachvollziehbar, der innere und soziale Frieden in Frankreich hat Priorität", heißt es im Tweet.

Gewaltsame Proteste nach Tod eines Jugendlichen

In Frankreich steigt der politische Druck auf Macron: Straßenkämpfe in mehreren Städten nach dem Tod eines Jugendlichen durch einen Polizeischuss halten das Land derzeit in Atem. Wie das Innenministerium in Paris mitteilte, wurden bislang mehr als 1.300 Menschen festgenommen. 79 Polizisten seien verletzt worden. Landesweit waren allein in der Nacht zum Sonnabend 45.000 Polizisten im Einsatz, etwa 5.000 mehr als in der Nacht zuvor.

Auslöser der gewaltsamen Proteste war der Tod eines 17-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle am Dienstag in der Pariser Vorstadt Nanterre. Der Jugendliche war erschossen worden, als er den Wagen nach dem Stopp plötzlich beschleunigte. Er soll am Sonnabend in Naterre bestattet werden. Gegen den mutmaßlichen Schützen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ihm wird laut Staatsanwaltschaft "vorsätzliche Tötung" vorgeworfen.

Warum wollte der französische Präsident ausgerechnet nach Dresden kommen?

Wie die Sprecherin des Bundespräsidenten, Cerstin Gammelin, MDR SACHSEN sagte, wurden auch andere ostdeutsche Städte vorgeschlagen. Aus Frankreich sei aber explizit Dresden als Wunschziel genannt worden. Grund sei demnach zum einen die hohe Symbolkraft der Frauenkirche. Zudem stehe Dresden exemplarisch für die Verbindung von kultureller Geschichte und wirtschaftlicher Moderne. Nicht zuletzt hätten viele Menschen in Frankreich eine Affinität zu Dresden.

StaatsbesuchBei einem Staatsbesuch wird der Gast mit den höchsten protokollarischen Ehren empfangen. Das sind bestimmte Regeln und Gebräuche, die international verstanden werden.

In Deutschland gehört zu einem Staatsbesuch, dass die beiden Staatsoberhäupter eine "Ehrenformation des Militärs" abschreiten. Das heißt, dass sie an Soldaten vorbeigehen, die mit Fahne und Musik den Respekt des Landes gegenüber dem Gast zum Ausdruck bringen. Gespielt werden die beiden Nationalhymnen.Quelle: bpb

MDR (stt/ben)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | 29. Juni 2023 | 17:45 Uhr