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Verkehr3.000 Baustellen: Wo in Erfurt in diesem Jahr gebaut wird

17. Februar 2023, 13:15 Uhr

Auf Erfurts Straßen wird in diesem Jahr wieder kräftig gebaut. Einige Baustellen wird der Autofahrer (fast) nicht spüren, andere werden vermutlich den rollenden Verkehr zum Stehen bringen. Das schreit nach Homeoffice und "Das Auto in der Garage" lassen. Wer das nicht kann, sollte sich vor der Fahrt in die Landeshauptstadt den aktuellen Baustellenplan genau ansehen.

von Antje Kirsten, MDR THÜRINGEN

Stop and Go. Das ist das Erfurter Schrittmaß seit vielen Jahren. Auf den Straßen wird gebaut, als gäbe es kein Morgen mehr. Im Jahresdurchschnitt werden im gesamten Stadtgebiet rund 3.000 Baustellen bearbeitet - oder eben auch nicht. "Es wird immer schwieriger, das, was wir planen, auch umzusetzen", räumt der Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes Alexander Reintjes ein. "Es fehlt an Material, aber es fehlen auch die Bauleute, die Firmen."

Das sei schon spektakulär, dass das Amt auf der einen Seite immer weniger Leute habe, auf der anderen Seite die Bauvorhaben immer komplexer werden, sagte Reintjes MDR THÜRINGEN. "Zu dem, was wir seit Jahren vor uns herschieben, kommen immer neue Brocken hinzu."

Es fehlt an Material, aber es fehlen auch die Bauleute, die Firmen.

Alexander Reintjes, Leiter des Erfurter Tiefbau- und Verkehrsamtes

So ist der Erfurter Straßenbaukalender für 2023 prall gefüllt. 400 neue Baustellen kommen zu den bereits bestehenden hinzu und einige werden wieder für lange Pausenzeiten hinterm Lenkrad sorgen oder haben weite Umleitungen zur Folge. "Bauen ohne Einschränkungen, ohne Dreck und ohne Lärm hat noch keiner erfunden", meint der zuständige Dezernent Matthias Bärwolff (Linke).

Neue Ampeln und Laternen am Juri-Gagarin-Ring

Beginnen wir mit der Hauptschlagader der Stadt: dem Juri-Gagarin-Ring. Über ihn rollen nicht nur täglich über 20.000 Fahrzeuge, neben ihm wächst die Stadt auch in die Höhe. Am Löbertor entstehen gerade ein Hotel, Supermarkt und ein Parkhaus. Für die Zufahrten muss die Kreuzung davor umgebaut werden.

Dafür muss der Bereich am Stadtring gesperrt werden. Voraussichtlich Ende Februar starten die Bauarbeiten und dauern Monate. Fuß- und Radweg werden ebenso erneut wie die Ampeln und Laternen.

Bauen ohne Einschränkungen, ohne Dreck und ohne Lärm hat noch keiner erfunden.

Baudezernent Matthias Bärwolff (Linke)

Arndtstraße für 18 Monate gesperrt

Für Pendler interessant werden auch die Bauarbeiten in der Arndtstraße. Der holprige "Schleichweg" von der Arnstädter Chaussee zur Thüringenhalle wird vor allem von jenen genutzt, die von der Autobahn kommend in die Ministerien oder ins Arbeitsamt wollen. Doch ab Mitte des Jahres ist es vorbei mit dem schnellen und direkten Weg.

Etwa 18 Monate wird die Straße zwischen Arnstädter Chaussee und Kreisel Werner-Seelenbinder-Straße grundhaft ausgebaut. Dazu gehören auch die Sanierung des Schindleichgrabens sowie das Erneuern aller Versorgungsleitungen. Für die Zeit der Bauarbeiten wird die Arndtstraße komplett gesperrt.

Der Verkehr wird über die Martin-Andersen-Nexö-Straße umgeleitet. Die Arndtstraße wird künftig von den Anwohnern des gerade neu entstehenden Wohnviertels auf der ehemaligen Lingle-Fläche als Zufahrt zu ihrem Zuhause genutzt werden und muss laut Stadt schon deshalb ausgebaut werden.

Bushaltestellen in Daberstedt werden barrierefrei

Daberstedt ist ein ziemlich zentrumsnaher Erfurter Stadtteil, beliebte Wohnadresse und mit rund 13.500 Einwohnern einer der größeren. Dort werden in diesem Jahr drei Bushaltestellen barrierefrei umgebaut. "Was erst einmal nach nicht viel klingt, ist eine ziemlich große Nummer", erklärt Verkehrsamtschef Frank Helbing. An der Bushaltestelle am Spielbergtor wird die gesamte Straße ausgeräumt. Da bleiben von der Straße nur die Bäume stehen. Die Umleitung führt über das TEC zum Herrenberg, betroffen ist auch die Buslinie 9, die im Sieben-Minuten-Takt fährt. "Das wird spürbar sein - auch für Pendler", kündigt Helbing an.

Auch wenn das Baugerät im Stadtzentrum einen Tick kleiner ausfällt, die Baustellen sind es nicht. Im Andreasviertel und an der Großen Arche sind die Arbeiten "unheimlich kompliziert", so der Verkehrsamtschef Helbing. Enge Gassen, Enges Baufeld und doch müssen Feuerwehr und Müllautos durchkommen.

An der Großen Arche wird die Straße erneuert samt Untergrund mit Telekom- und Wasserleitungen. Es sind zwar nur noch 80 Meter, die aber betreffen einen wichtigen Fußweg mitten in der Altstadt von der Markstraße bis zum Hochzeitshaus.

Neue Elektroleitungen an Krämerbrücke

Auch Erfurts Wahrzeichen wird in diesem Jahr unter die (Bagger-)Räder kommen. Die veralteten Elektroleitungen, die noch über Putz liegen, müssen allein schon wegen des Brandschutzes erneuert werden. "Wir arbeiten uns an der Wand entlang", sagt dazu Tiefbauamtsleiter Reintjes. "Hier wird in kleinen Happen gebaut."

Da gibt es immer wieder mal einen Bauzaun auf zehn, 15 Metern Länge. Rund ums Krämerbrückenfest kann der Bau auch mal ruhen. An den Wochenenden wird das für Touristen und Anwohner aber schon anstrengend", sagt Reintjes. Die Straßenbeleuchtung für die Krämerbrücke soll zwar neu werden, sich optisch aber auch an die denkmalgeschützte Umgebung angleichen.

Jede zweite Erfurter Brücke ist marode

Erfurt wird wegen seiner vielen Brücken auch mit Venedig verglichen, nur ohne Gondeln und Gondoliere. Rund 250 Brücken gibt es im gesamten Stadtgebiet und jede zweite gilt als marode. Saniert wird in diesem Jahr: eine. Für mehr reicht das Geld nicht, reichen aber auch die Bauleute, die Planer nicht.

Der Brückenbau in der Warschauer Straße ist ein Mega-Projekt, viele Jahre geplant worden. Die Brücke ist über 50 Jahre alt, über sie rollt die Straßenbahn und ihr Sanieren wird rund sieben Millionen Euro kosten. Zunächst müssen zwei Behelfsbrücken errichtet werden. Über eine soll dann ab Ende 2023 die Straßenbahn rollen. Begonnen wird in diesem Jahr mit den Vorbereitungen, gebaut wird im nächsten Jahr.

Arbeiten nur außerhalb der Laichzeit der Bachforelle

Dem Bau ging ein Vorbereitungsmarathon voraus, hierfür brauchte das Tiefbauamt unter anderem wasserrechtliche Genehmigungen - dort fließt ja die Gera. "Wir dürfen nur ins Wasser rein, wenn die Bachforelle nicht laicht. Wir haben dort auch Radwege und Bäume", erklärt Dezernent Bärwolf. "Jetzt sind wir so weit, dass wir bauen können. Alle haben ihren Stempel gesetzt".

Die Brücke ist von Spannungsriss-Korrossion betroffen, wie gut zwei Dutzend weitere Brücken in Erfurt. Wenn die Spannglieder reißen, knickt sie erst mal ein. "Dann haben wir noch eine Stunde Zeit, bis sie einbricht", skizziert Reintjes das mögliche Horror-Szenario.

Die zweite Brücke, die 2023 im Baukalender steht, ist ein Überbleibsel der Bundesgartenschau. Im April soll mit zwei Jahren Verspätung die Mauerkronenbrücke eingeweiht werden. Ist der Höhenweg am Petersberg für Publikum geöffnet, wird die Straße am Lauentor wieder für den Verkehr freigegeben, so verspricht es die Stadtverwaltung.

Insgesamt nimmt das Tiefbau- und Verkehrsamt in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro in die Hand, um Erfurts Infrastruktur zu reparieren.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Februar 2023 | 19:00 Uhr

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