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Der Generalintendant des Theaters Erfurt Guy Montavon darf vorerst nicht weiterarbeiten. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

Mutmaßlicher MachtmissbrauchTheater Erfurt: Generalintendant Guy Montavon beurlaubt

19. Januar 2024, 17:08 Uhr

Am Theater Erfurt ist der Generalintendant Guy Montavon mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Auch die Verwaltungsdirektorin darf vorerst nicht arbeiten. Hintergrund sind Vorwürfe von Machtmissbrauch und Übergriffen am Theater.

  • Generalintendant und Verwaltungsdirektorin des Theaters Erfurt sind beurlaubt worden.
  • Hintergrund sind die Machtmissbrauchsvorwürfe am Theater, die im Herbst öffentlich geworden waren.
  • Über endgültige personelle Konsequenzen wird in den kommenden Wochen entschieden.

Der Generalintendant des Theaters Erfurt, Guy Montavon, ist mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Das bestätigte Tobias Knoblich, der Kulturbeigeordnete der Stadt Erfurt, am Freitag MDR KULTUR. Nach einem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadt habe man sich darauf mit dem Intendanten geeinigt. Auch die Verwaltungsdirektorin des Theaters, Angela Klepp-Pallas, sei beurlaubt worden, so Knoblich.

Er erklärte weiter, momentan sei keine Vertrauenssituation mehr gegeben. "Deshalb haben wir heute beschlossen, dass die Werkleitung beurlaubt wird, bis die Sitzung stattgefunden und der Stadtrat eine Entscheidung getroffen hat, wie es mit dem Theater leitungsseitig weitergehen soll."

Stadtrat Niklas Waßmann (CDU) sagte MDR KULTUR, damit sei eine Entscheidung getroffen worden, die längst überfällig gewesen sei. Die Beurlaubung hätte seiner Meinung nach bereits mit der Entscheidung über die Erstellung eines Gutachtens bezüglich der Machtmissbrauchsvorwürfe am Theater erfolgen müssen.

Die Gleichstellungsbeauftragte hatte Vorwürfe öffentlich gemacht

Im November hatte eine Berliner Kanzlei im Auftrag der Stadt Erfurt begonnen, Zeugen, ehemalige und jetzige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befragen, ob und welche Verfehlungen es am Theater gegeben haben könnte.

Generalintendant Guy Montavon erklärte am Freitagnachmittag in einer Mitteilung, er habe bereits im Herbst Oberbürgermeister und Kulturdezernent gebeten, eine unabhängige Untersuchung zu beauftragen, um alle Fragen aufarbeiten zu lassen. Weiter erklärte er: "Eine gründliche, fachgerechte Aufklärung ist absolut wichtig. Sie ist jedoch auch sehr sensibel, weshalb ich um Besonnenheit bitte."

Im Herbst hatte die damalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erfurt, Mary-Ellen Witzmann, die Machtmissbrauchsvorwürfe am Theater öffentlich gemacht. Weil sie damit aus Sicht der Stadt gegen Dienstanweisungen verstoßen hatte, wurde sie fristlos gekündigt. Gegen diese Entscheidung hat sie am Arbeitsgericht Erfurt Klage eingereicht, die derzeit noch verhandelt wird.

CDU-Stadtrat Waßmann sagte am Freitag MDR KULTUR, das Thema Gleichstellungsbeauftragte gehöre noch einmal auf die Tagesordnung. Sie habe etwas ins Rollen gebracht, was jetzt Menschen helfe: "Ohne ihre Aktivitäten hätten wir jetzt nicht diese Transparenz oder zumindest diese Einblicke, die wir jetzt schon haben. Und es hätte auch niemals diese Konsequenzen gegeben", so Waßmann. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass man diejenigen, die aufklären wollten, bestrafe. Von der Stadtverwaltung forderte er die Rücknahme der Kündigung.

Endgültige Entscheidungen in den kommenden Wochen

Die Beurlaubung sei zunächst eine ganz normale Distanzleistung, so Knoblich. "Es ist nur die ein Zwischenschritt, damit man in Ruhe entscheiden kann."

Sebastian Hilgenfeld von der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen sagte, personelle Konsequenzen seien unausweichlich gewesen. Die Macht- und Abhängigkeitsstrukturen im Theater müssten grundsätzlich aufgearbeitet werden. Es stelle sich die Frage, wie ein solches Ausmaß derart lang unter einem Mantel des Schweigens und Wegschauens habe bestehen können. Tina Morgenroth von der Fraktion Mehrwertstadt kritisierte, dass Bausewein so lange an dem Generalintendanten festgehalten habe. Dass die Stadt den Bericht seit 14 Tagen kenne und nicht handle, sei skandalös.

Für den 31. Januar hat der Werkausschuss eine Sondersitzung einberufen, um das Gutachten der Kanzlei zu besprechen. Der Ausschuss fungiert als Kontrollgremium des Theaters Erfurt mit Vertretern aller Stadtratsfraktionen, dem Erfurter Kulturbeigeordneten Tobias Knoblich, sachkundigen Bürgern, Steffen Präger als Vorsitzendem und Guy Montavon als Werksleiter. Über mögliche weitergreifende personelle Konsequenzen am Theater Erfurt soll laut Knoblich der Stadtrat nach seiner Sitzung am 7. Februar abschließend entscheiden.

Quellen: MDR KULTUR (Blanka Weber)
Redaktionelle Bearbeitung: hro

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 19. Januar 2024 | 14:30 Uhr