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Im Tierheim in Sömmerda leben fast 200 Tiere. Darunter Schafe, Hunde und Katzen. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Neue GebührenordnungSteigende Tierarztkosten bereiten Tierheim Sömmerda Sorgen

von Nicole Franz, MDR THÜRINGEN

Stand: 22. November 2022, 16:39 Uhr

Seit Dienstag gilt eine neue Gebührenordnung für Tierarztpraxen. Die Folge: Viele Behandlungen werden teurer. Das Tierheim in Sömmerda befürchtet, priorisieren zu müssen. Außerdem werden weniger Tiere vermittelt als abgegeben oder ausgesetzt.

Neugierig, kuschelig, schnurrend. So wirken die meisten Katzen im Tierheim Sömmerda. Allerdings sind viele der Katzen krank, wenn sie ins Tierheim kommen. Sie leiden unter Katzenschnupfen oder Problemen mit den Augen. Auch Amputationen und Kastrationen stehen auf der Tagesordnung.

All das kostet viel Geld - nun steigen die Tierarztkosten durch die neue Gebührenordnung an. "Das sind alles Kosten, die schon so immens sind und wenn die Tierarztkosten jetzt noch angehoben werden, dann müssen wir wirklich überlegen: Was hat jetzt Priorität und was kann noch warten." Hinzu kommen die gestiegenen Kosten für Heizung und Tiernahrung.

Tierheim: Es kommen mehr Tiere als vermittelt werden

Birgit Schneider leitet das Tierheim ehrenamtlich. Finanziert werden die Behandlungen und weiteren Kosten vor allem durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, eine Tierpension, wenn die Besitzerinnen oder Besitzer in den Urlaub fahren, und durch die Tiervermittlung.

Doch gerade die läuft aktuell eher schlecht. "Es kommen mehr Tiere rein, als ich vermitteln kann. Ich habe jetzt oft erlebt, bei Hunden zum Beispiel, dass sich Leute in einen Hund verliebt haben, sie kommen auch mehrfach und gehen Gassi. Letztendlich, wenn dann die Entscheidungsfrage kommt, sagen sie dann nein, wir lassen das doch lieber, weil wir nicht wissen, wohin die Entwicklung geht und welche Kosten auf uns zukommen."

Birgit Schneider arbeitet seit über 20 Jahren ehrenamtlich im Tierheim Sömmerda. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Steigende Kosten auch für Privathaushalte

Neben den Tierheimen steigen die Tierarztkosten auch für Privathaushalte. Eine Impfung von Hund oder Katze kostet statt bisher knapp sechs Euro nun mindestens 11,50 Euro. Eine allgemeine Untersuchung des Hundes mit Beratungsgespräch steigt um zehn Euro auf knapp 24 Euro. Wer seinen Kater kastrieren lassen will, muss ebenfalls mit höheren Kosten rechnen. Der Preis steigt von fast 20 auf 30 Euro. Dazu kommen dann noch die Behandlungsgebühr und das Narkosemittel.

Günstiger wird es beim Röntgen: Da sinkt der Preis von 32 auf 26,50 Euro. Die Preise sind allerdings keine Festpreise, sondern stellen einen Rahmen dar. Wenn die Behandlung beispielsweise am Wochenende oder in der Nacht durchgeführt wird oder während der Behandlung Komplikationen auftreten, kann der Satz erhöht werden.

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Thüringer Tierärztekammer für neue Gebührenordnung

Lothar Hoffmann, Präsident der Landestierärztekammer Thüringen, sieht die neue Gebührenordnung als notwendig an. Zum einen müsse sich der medizinische Fortschritt der vergangenen 20 Jahre in der Gebührenordnung zeigen. Außerdem könne durch die neuen Preise ein leistungsgerechter Lohn in den Tierarztpraxen und Kliniken sichergestellt werden.

Lothar Hoffmann ist Tierarzt und Präsident der Landestierärztekammer Thüringen. Bildrechte: MDR/Nicole Franz

Zudem solle durch einheitliche Kosten ein fairer Wettbewerb zwischen den Praxen und Kliniken garantiert werden. Hoffmann hofft, dass auch Tierarztpraxen auf dem Land durch die höheren Gebühren rentabel und attraktiv bleiben.

Mehr Informationen zu Tierarztkosten

MDR (je)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 22. November 2022 | 19:00 Uhr

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