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Mehrere Spielmannszüge musizierten am Montag für den guten Zweck. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Nach Unfall mit sieben TotenMühlhausen: Spielmannszüge musizieren für Notfallseelsorge

02. Mai 2023, 05:23 Uhr

Einen Monat nach dem schweren Unfall bei Bad Langensalza gab es in Mühlhausen ein großes Benefizkonzert. Alle Spielmannszüge aus der Gegend musizierten zu Ehren der Notfallseelsorger. Sie waren beim schweren Unfall mit sieben Toten von Bad Langensalza im Einsatz.

von Claudia Götze, MDR THÜRINGEN

In Mühlhausen haben am Montag 150 Spielleute für einen guten Zweck musiziert. Mit dabei waren aus Mühlhausen der Stadtspielmannszug, die Stadtpfeiffer, der Spielmannszug Sachsensiedlung und der 1. Spielleuteverein sowie der Ziegelröder Spielmannszug, seit vielen Jahren Gast der Mühlhäuser Stadtkirmes.

Der Erlös des Benefizkonzertes auf dem Kornmarkt kommt der Notfallseelsorge im Unstrut-Hainich-Kreis zugute: Seit mehr als 20 Jahren kümmern sich Ehrenamtliche rund um die Uhr um Angehörige von Unfallopfern. "Wir kommen immer dann zum Einsatz, wenn wir von der Leitstelle alarmiert werden", sagte Teamleiterin Kati Leist.

Mit dem Erlös aus dem Benefiz-Konzert unterstützen die Musiker die ehrenamtliche Notfallseelsorge. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Derzeit sind 16 Frauen und Männer im Alter zwischen 41 und 77 Jahren rund um die Uhr mit Bereitschaftsplan ehrenamtlich unterwegs, 2022 gab es insgesamt 72 Einsätze. Sie werden von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften angefordert. Thüringenweit sind 23 Notfallseelsorgeteams im Einsatz.

Anlass: Unfall mit sieben Toten

Auch zum schweren Unfall mit sieben Toten auf der B247 bei Bad Langensalza sind die Notfallseelsorger gerufen worden. Marco Fongern, der Vater einer dabei ums Leben gekommenen 19-Jährigen, wünschte sich deshalb, dass das bereits geplante Konzert auf dem Kornmarkt am 1. Mai trotzdem stattfindet und der Erlös der Notfallseelsorge des Unstrut-Hainich-Kreise zugute kommt.

Die Trauer ist groß, aber das, was uns die letzten Tage widerfahren ist, gibt uns viel Kraft.

Marco Fongern

Marco Fongern (vorne im schwarzen Anzug) gedachte seiner verstorbenen Tochter und der anderen Unfallopfer. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Fongern selbst nahm zu Beginn des Konzertes das Mikrofon in die Hand. "Dein Kind macht einen Ausflug mit Freunden, will abends zum Geburtstag und kommt nur bis Bad Langensalza. Sieben Familien, die einen Angehörigen verloren haben und denen die Todesnachricht überbracht werden muss, und das am besten so gefühlvoll und rücksichtsvoll wie möglich - dafür gibt es Gott sei dank eine Organisation, die uns in den Tagen unterstützt hat, Trost gespendet und Rückenhalt gegeben hat. Dass es so einen Zusammenhalt gibt - alle Spielsmannzüge spenden ihre Gage -, das gibt uns Kraft", sagte Fongern. "Die Trauer ist groß, aber das, was uns die letzten Tage widerfahren ist, gibt uns viel Kraft".

Notfallseelsorgerinnen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Mühlhäuser Spielleute ändern Plan für Platzkonzert

Die Idee, am 1. Mai ein Platzkonzert mit allen Mühlhäuser Spielmannszügen zu veranstalten, war erst im Vorjahr aus der Taufe gehoben worden. Nach der coronabedingten Zwangspause kamen damals zur Premiere hunderte Menschen. Die Neuauflage in diesem Jahr war beschlossene Sache.

Spielleute und Benefiz passen gut zusammen. Auch Spielleute sind ehrenamtlich unterwegs und betreiben das Hobby aus Spaß und Lust.

Matthias Bendrich

Dieser Plan sollte fallengelassen werden, nachdem der schwere Unfall am 1. April passiert ist. Doch das wollten die Spielleute und auch Angehörige der Unfallopfer nicht. Ein Benefizkonzert zu veranstalten, fanden dann doch alle gut. "Eine ganze Stadt trauert", sagte Organisator Matthias Bendrich.

Das Konzert auf dem Kornmarkt war schon lange geplant und wurde kurzerhand zum Benefiz-Konzert umgewandelt. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Außerdem seien auch Angehörige von Spielleuten und Freunde betroffen. "Spielleute und Benefiz passen gut zusammen. Auch Spielleute sind ehrenamtlich unterwegs und betreiben das Hobby aus Spaß und Lust."

Novum: Ein Benefizkonzert für die Notfallseelsorge

Ein Benefizkonzert für die Notfallseelsorge gab es im Unstrut-Hainich-Kreis noch nie, sagte Teamleiterin Kati Leist. Sie mache seit acht Jahren mit und könne sich nicht an so eine Aktion erinnern. Umso größer die Freude über die finanzielle Unterstützung und die Wertschätzung.

Vorne die Spendenbox der Notfallseelsorger, dahinter die "Spendentrommel". Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Sie bekämen immer wieder Spenden von Firmen und Vereinen, aber ein großes Konzert sei "etwas Neues". Das Geld können sie für Aus- und Weiterbildung, für ihre Einkleidung und für Equipment gebrauchen.

Die Spielleute haben eine Trommel zur Spendenbox umfunktioniert; die Notfallseelsorger hat ihre eigene deutlich kleinere Box daneben gestellt. Während des dreistündigen Konzertes sind beide Boxen mit vielen Geldscheinen gefüllt worden.

Laut Veranstalter Matthias Bendrich wurde ein Gesamterlös von 3.870 Euro erzielt.

MDR (dvs)

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