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Das Treffen, bei dem dieses Foto wahrscheinlich entstanden ist, könnte unter anderem der weiteren Vernetzung von Neonazi-Kampfsportlern gedient haben. Bildrechte: Twitter

RechtsextremismusKonspiratives Neonazi-Treffen in Eisenach

Stand: 18. März 2022, 06:00 Uhr

In Eisenach hat offenbar ein konspiratives Kadertreffen bekannter Neonazis aus ganz Deutschland stattgefunden. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigen die Gruppe vor einer Hakenkreuzfahne. Laut Felix Steiner von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen ist die Gruppe ein wichtiger Teil bundesweiter Neonazi-Kampfsportstrukturen.

Hitlergruß, Hakenkreuz, Neonazi-Symbole, Kämpferposen. Die Gruppenfotos, die die "antifaschistische" Rechercheplattform "exif" auf Twitter veröffentlichte, zeigen mehrere einschlägig bekannte Neonazikader bei einem Treffen, das Ende Januar im so genannten "Flieder Volkshaus" in Eisenach stattgefunden haben soll. Auf den Gruppenfotos posieren die Rechtsextremisten vor einer Hakenkreuzfahne.

Schießtrainings und Kampfsport

Auf einem der Fotos soll auch Bastian A. zu sehen sein. Der Eisenacher Neonazi hebt den Arm zum Hitlergruß. Wie militant A. offenbar ist, unterstreicht auch ein weiteres Foto aus den sozialen Netzwerken vom Januar 2021, das MDR THÜRINGEN vorliegt. Es soll Bastian A. mit einer Schusswaffe an einem Schießstand in Tschechien zeigen. Das Foto soll der Rechtsextremist selbst mit der rassistischen Parole: "Mein Finger am Trigger im Visier ein N….r" kommentiert haben. A. soll nach MDR THÜRINGEN-Informationen zum engsten Vertrauenskreis der Eisenacher Neonazi-Kampfsportgruppe "Knockout 51" gehören.

Eisenach als Anlaufpunkt für militante Kampfsport-Netzwerke

Felix Steiner von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit) sagte dem MDR, die Gruppe sei ein wichtiger Teil bundesweiter Neonazi-Kampfsportstrukturen und verfüge auch über Kontakte in die internationale Neonazi-Szene. "Knockout 51" trainiere seit Jahren im "Flieder Volkshaus".

"Personen, die wir der Gruppe zuordnen oder zugeordnet haben, sind in den letzten Jahren immer wieder durch die Verbreitung von Hass und gewalttätige Übergriffe in Erscheinung getreten", so Steiner weiter. "Die Eisenacher Szene ist seit Jahren bundesweit in die wichtigsten Neonazi-Kampfsportnetzwerke eingebunden und die Szeneprotagonisten haben durch die Immobilie mitten in Deutschland einen Aktionsraum, der eine wichtige Vernetzungsfunktion der Kampfsportszene bundesweit darstellt."

Das Treffen im Januar könnte unter anderem der weiteren Vernetzung von Neonazi-Kampfsportlern gedient haben. Es sei nicht das erste Treffen dieser Art im "Flieder Volkshaus" gewesen. Nach MDR-Informationen pflegt die Eisenacher Gruppe beste Kontakte ins bundesweite Kampfsportnetzwerk "Kampf der Nibelungen" (KdN). Bereits 2018 berichtete der linke Blog "Runter von der Matte", dass Personen aus dem Organisatorenkreis des "KdN", dem militanten Neonazi-Netzwerk "Combat 18" zuzuordnen seien.

Verbotene Neonazi-Gruppen und ihre Nachfolgestrukturen

So ist es kaum überraschend, dass die nun von "exif" veröffentlichten Fotos des Eisenacher Treffens auch Rechtsextremisten aus eben jenem Spektrum des in Deutschland seit 2020 verbotenen Neonazi-Netzwerks "Combat 18" zeigen, dem bewaffneten Arms des internationalen "Blood & Honour“-Netzwerks, das bereits seit dem Jahr 2000 in Deutschland verboten ist.

Experten vermuten allerdings schon länger, dass die Netzwerke weiterhin in Deutschland unter dem neuen Label "28 – Brothers of Honour" aktiv sind. Das Logo taucht auch auf dem Pullover eines Teilnehmers des Eisenacher Treffens auf. "Hier liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Nachfolge- bzw. Ersatzstruktur handelt, um die Aktivitäten der beiden verbotenen Organisationen fortsetzen zu können und die Netzwerke trotz Verbot zu erhalten", sagt Mobit-Sprecher Steiner. In den letzten Jahren seien Personen mit den Gruppen-Insignien immer wieder auch in Thüringen präsent gewesen.

"Flieder Volkshaus" als bundesweiter Treffpunkt

Auf den Fotos neben Bastian A. posiert auch der Eisenacher Neonazi Leon R.. R., eine zentrale Figur der Eisenacher Neonazi-Szene, soll seit Jahren zum engsten Kreis von "Knockout 51" gehören und gilt als bundesweit bestens vernetzt. Der Inhaber der Szenekneipe "Bull´s Eye" ist derzeit Zeuge im Prozess gegen eine Gruppe mutmaßlich militanter "Antifaschisten" in Dresden. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, den Eisenacher Neonazi-Kampfsportler 2019 zweimal überfallen und verletzt zu haben.

Zum so genannten "Flieder Volkshaus“ in Eisenach, das die NPD 2014 erworben hatte, heißt es vom Thüringer Amt für Verfassungsschutz, "das 'Flieder Volkshaus', in dem sich auch die Landesgeschäftsstelle der NPD Thüringer befindet, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem rechtsextremistischen Zentrum. Seit längerem finden über die Aktivitäten der NPD hinaus dort rechtsextremistische Musik-, Vortrags- und Kampfsportveranstaltungen sowie subkulturelle Treffen statt." Nach MDR THÜRINGEN-Informationen ist die Eisenacher Immobilie auch immer wieder Treffpunkt für konspirative Treffen militanter Strukturen bundesweit.

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MDR (gh)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. März 2022 | 16:00 Uhr