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Uwe Schwabe im Porträt"Wir bleiben hier!"

Stand: 13. Dezember 2019, 10:43 Uhr

Für Uwe Schwabe ist der 4. September 1989 einer der entscheidenden Tage auf dem Weg zur Friedlichen Revolution. Damals forderten Leipziger Bürgerrechtler erstmals mit Plakaten Reformen im Land.

Anfang September 1989 war gerade Herbstmesse in Leipzig und wie gewöhnlich hielten sich zahlreiche Journalisten aus dem Westen in der Stadt auf. Im Anschluss an das Friedensgebet versammelten sich am Montag, dem 4. September, etwa 1.000 Demonstranten vor der Nikolaikirche. Vor allem Ausreisewillige ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Aber auch Oppositionelle wie Uwe Schwabe und seine Freunde nutzten die Gunst der Stunde und hielten Transparente mit Aufschriften wie "Reisefreiheit statt Massenflucht" und "Für ein offenes Land mit freien Menschen" in die Westkameras und riefen "Wir bleiben hier!".

Uns war es wichtig zu zeigen, dass nicht alle einfach nur raus wollten, sondern dass es auch Leute gibt, die in diesem Land etwas ändern wollen.

Uwe Schwabe

Nach wenigen Sekunden rissen Stasi-Mitarbeiter den Demonstranten die Spruchbänder aus der Hand. Aber die Bilder vom Leipziger Protest gingen um die Welt. Am folgenden Montag rächte sich die Volkspolizei für die öffentliche Blamage mit einem brutalen Einsatz an den Demonstranten. Dennoch fanden in den kommenden Wochen immer mehr Menschen den Mut, auf die Straße zu gehen. Am 9. Oktober besiegelten schließlich 70.000 mit der entscheidenden Montagsdemonstration um den Leipziger Ring den Erfolg der "Friedlichen Revolution".

Zur Person

Seine Enttäuschung über die Demütigung und den ideologischen Drill während seines Armeedienstes führten Uwe Schwabe (Jahrgang 1962) zur Jungen Gemeinde der Leipziger Nikolaikirche. Dort engagierte sich der gelernte Maschinenbauschlosser zunächst in der Arbeitsgruppe Umweltschutz, bis ihm bewusst wird, dass politische Veränderungen die Voraussetzung für den Umweltschutz sind. Deshalb gründete er 1987 die "Initiativgruppe Leben", die die Bevölkerung mobilisieren soll. 1989 wurde Schwabe Mitbegründer des Neuen Forums Leipzig. Danach Gründer und bis 1993 Leiter des "Archiv für Bürgerbewegung". Seit 1994 ist er Mitarbeiter des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig und publiziert zur Geschichte der Friedlichen Revolution, "damit das, was im Herbst 1989 in Leipzig geschehen ist, nicht so schnell in Vergessenheit gerät".