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Im Bromacker Lab auf Schloss Friedenstein in Gotha kann man den Dinosuriern sehr nah kommen. Bildrechte: Lutz Ebhardt/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

ÜbersichtWelche Naturkundemuseen es in Thüringen zu entdecken gibt

Stand: 20. Juni 2022, 21:30 Uhr

Ob giftige Tiere, Schmetterlinge oder Fossilien – all das und noch vieles mehr lässt sich im Naturkundemuseum erkunden. Welche es in Thüringer Städten wie Gera, Erfurt oder Altenburg zu entdecken gibt, haben wir für Sie hier zusammengetragen.

Altenburg: Naturkundemuseum Mauritianum

Die Ursprünge des Altenburger Mauritianums gehen auf die 1817 gegründete Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes mit ihrer naturwissenschaftlichen Sammlung und Bibliothek zurück. 1908 bezog das Mauritianum das Museumsgebäude in dem es noch heute seinen Sitz hat.

Das Mauritianum ist eine kleine Einrichtung mit einem besonderen Konzept. Da es sich seit 2007 in Trägerschaft der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg befindet, kann es frei über sein Wirken entscheiden.

Das Mauritianum residiert seit über hundert Jahren in diesem prachtvollen Gebäude. Bildrechte: Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg

So hat sich das Museum in den vergangenen Jahren vom Bewahrer zum Aktivisten entwickelt: Das Artensterben etwa wird nicht mehr nur mittels Ausstellungen begleitet, vielmehr suchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst nach Lösungsansätzen, um gegenzusteuern: Sie renaturieren Gewässer, sichern Flächen und haben gar einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb gegründet, um damit europäisch relevanten Arten eine Zukunft zu geben. Dieses Wirken wiederum wird im Museum dokumentiert, beispielsweise in Sonderausstellungen.

Die Sammlung des Hauses umfasst etwa 40.000 Objekte, darunter das weltweit größte Exemplar eines 32-köpfigen Rattenkönigs, bei dem sich zahlreiche Ratten mit ihren Schwänzen dermaßen ineinander verknoten, dass sie nicht mehr auseinanderkommen – und ihr Leben fortan gemeinsam bestreiten. Weitere Ausstellungsstücke sind eine eindrucksvolle Japanische Riesenkrabbe, schillernde südamerikanische Insekten, prächtige Mineralien sowie Fossilien aus Braunkohletagebauen des Leipziger Tieflandes.

Der Altenburger Rattenkönig ist schaurig-faszinierend anzusehen Bildrechte: dpa

Das Museum hat außerdem ein großes Angebot für Kinder: Ein Kinderkolleg ist angegliedert, an dem Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre Kurse am Museum besuchen und mehr über drängende Themen der Zeit lernen können, etwa über Biodiversität, Artenvielfalt und Klimawandel. Denn das erklärte Ziel des Hauses ist es, die Forscherinnen und Forscher von morgen zu begeistern.

Weitere InformationenNaturkundemuseum Mauritianum Altenburg
Parkstraße 10, 04600 Altenburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 13 bis 17 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage: 10 bis 17 Uhr
Montag geschlossen (auch an Feiertagen)

Erfurt: Naturkundemuseum

Das Ausstellungs-Highlight dieses Museums liegt im Keller. Dort ist ein riesiges Schiff aufgebaut worden, das Besucherinnen und Besucher betreten dürfen. Auf dieser Arche Noah, die authentisch hin- und herschwankt, reiht sich eine beeindruckende Auswahl an Tieren aus der ganzen Welt aneinander: Die Giraffe blickt den Eisbären an, ein Braunbär klettert eine Querstrebe hoch, während ein Esel im Hintergrund genüsslich aus einem Eimer frisst. Keines der Tiere steht hinter Glas oder einer anderen Art von Absperrung – ein tolles Erlebnis gerade für Kinder.

Auge in Auge mit einem Löwen. Bildrechte: dpa

Gleichzeitig regen die Ausstellungsstücke aber auch zum Nachdenken an: In einer kleinen Kammer werden Mitbringsel von Urlauberinnen und Urlaubern ausgestellt, die zum Artensterben beitragen, zum Beispiel Schlangenlederschuhe oder Schildkrötenpanzer. Auch die Vitrinen in den Obergeschossen laden dazu ein, innezuhalten. Falter und Schmetterlinge sind an einer Wand so durchdacht nebeneinander positioniert, dass man den Eindruck bekommt, vor einem riesigen Schwarm zu stehen.

Seit 1995 ist das Naturkundemuseum am jetzigen Standort in Erfurt. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Im Erfurter Naturkundemuseum kann man viel über die Naturvielfalt Thüringens lernen, heimische Arten sehen, außerdem lockt ein Quiz, bei dem man Vogelstimmen den entsprechenden Tieren zuordnen muss. An verschiedenen Stellen wird reflektiert, wie vielfältig der Mensch in die Natur eingreift. Für Familien definitiv einen Besuch wert.

Weitere InformationenNaturkundemuseum Erfurt
Große Arche 14, 99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Montags geschlossen

Gera: Museum für Naturkunde

Das Naturkundemuseum in Gera richtet sich mit seinen Angeboten bewusst nicht nur ans Bildungsbürgertum, sondern an die breite Bevölkerung: Vor allem in den Sonderausstellungen zieht es mit einfach zugänglichen Überschriften Besucher an, wie etwa mit der vergangenen Schau "Ich leb nicht gern allein – tierisch sozial" oder der Ausstellung "Tödliche Schönheiten" zu Giften in der Natur. Die zwei Dauerausstellungen widmen sich zum einen Mineralen aus aller Welt, zum anderen zeigen sie die Landschaftsräume Ostthüringens so, wie sie ohne Eingriffe des Menschen aussehen würden. Die Plothener Teichlandschaft mit ihren Tieren und Pflanzen wird hier genauso im Modell dargestellt wie die Saale-Sandsteinplatte oder die Saale-Orla-Senke mit ihren Zechsteinriffen.

Die Sammlung des Museums hat weniger einen wissenschaftlichen, sondern vielmehr einen kulturhistorischen Wert, da sich hier die Hinterlassenschaften bedeutender Sammler aus der Region wiederfinden. Der letzte Auerhahn Thüringens ist ebenso zu finden wie die letzte Großtrappe. Es gibt auch Sonderausstellungen zu "Tödlichen Schönheiten" wie giftigen Tieren, Pflanzen, Mineralen und Pilzen oder dem Topas als Mineral des Jahres

Das Naturkundemuseum zählt jährlich mehr Besucher als alle anderen Museen in Gera zusammen. Bildrechte: dpa

Die letzte komplette Überarbeitung der Ausstellung fand noch zu DDR-Zeiten statt, nun wird das Haus nach und nach an heutige Museumsansprüche angepasst. Weil die finanzielle Situation der Stadt Gera aber schon lange schlecht ist, kann das Museum keine großen Sprünge machen. Für Fördergelder vom Land fehlen die Eigenanteile der Kommune. So versucht das Haus, auf kostengünstigen Wegen attraktiv zu bleiben, etwa mit Taschenlampenführungen durch die dunklen Ausstellungen oder mit der Öffnung seiner Depots zur Museumsnacht. Auch der botanische Garten der Stadt Gera gehört zum Naturkundemuseum.

Weitere InformationenMuseum für Naturkunde Gera
Nicolaiberg 3, 07545 Gera

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 11 bis 17 Uhr

Goldisthal: Haus der Natur

Ein Geheimtipp ist das Haus der Natur in Goldisthal zwischen Sonneberg und Ilmenau. Hier kann man den Wald kennenlernen, das grüne Markenzeichen von Thüringen. Welche Geräusche gibt es beispielsweise nachts im Wald und wer erzeugt sie? Wie nimmt ein Jäger diese Geräusche wahr?

Auch die kleine Welt des Waldes wird nahegebracht, so die vielfältige Lebenswelt, die sich in einem umgestürzten, vermeintlich toten Baum bildet. Denn hier ist auf kleiner Fläche eine enorme Anzahl von Kleintieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen versammelt, um diesen Baum mit Leben zu füllen und aus seinen Resten den Fortbestand des Waldes zu sichern.

Ein weiterer Bestandteil des Museums ist die Erinnerung an den Goldbergbau in dieser Region. Es werden einzigartige Funde aus der Gegend gezeigt. Übrigens stammt der Ortsname Goldisthal nicht vom Wort "Gold" ab, sondern vom Kolitschberg, an dem sich einst eine Goldmühle befand.

Einen solchen Goldfund wünscht sich wohl jeder – tatsächlich war der Goldabbau in Goldisthal relativ erfolglos. Bildrechte: IMAGO/YAY Images

Spannend wird es auch nochmal außerhalb des Gebäudes, denn hier können die nach der Ausstellung goldgierig gewordenen Kleinen selber Gold waschen. Ein miniaturisiertes Pumpspeicherwerk mit Generator zeigt zudem, wie sich nachhaltig aus vorhandenen Quellen Energie erzeugen lässt, das Gold der heutigen Zeit.

Weitere InformationenHaus der Natur
Goldberg 2, 98746 Goldisthal

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Gotha: Museum der Natur auf Schloss Friedenstein

Die naturkundlichen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein genießen einen exzellenten Ruf: Sie reichen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Über 300 Jahre alte Stücke aus den Anfängen des Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinetts gehören heute zu den wertvollsten Sammlungsobjekten.

Dieser kleine Tiger wartet auf die Besucherinnen und Besucher in Gotha. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Aber es gibt auch neue Erkundungsmöglichkeiten, so das Bromacker-Lab, in dem sich Forscherinnen und Forscher auf die Spuren von Fossilien begeben können. Mit modernen Darstellungsformen erscheinen über den versteinerten Abdrücken von Fußspuren die Hologramme der Tiere, die sie einst hinterließen. Es locken Attraktionen für Familien: Etwa ein dunkler Raum, der den Tieren der Nacht gewidmet ist. Verschiedene Tierstimmen sind hier zu vernehmen, passend zu den ausgestellten Arten. Zudem laden verschiedene Mitmachstationen dazu ein, selbst aktiv zu werden.

Die Nachbildung eines Dimetrodon ist in der Ausstellung "Bromacker Lab" zu sehen. Bildrechte: dpa

Das "Bromacker Lab" ist eine interaktive Ausstellungsfläche, auf der große und kleine Besucherinnen und Besucher den Forschenden sozusagen über die Schulter schauen können. Und die Sonderausstellung "Saurier – Die Erfindung der Urzeit" führt durch 200 Jahre Saurierforschung.

Weitere InformationenSchloss Friedenstein
Schlossplatz 1, 99867 Gotha

Öffnungszeiten Schloss Friedenstein und Herzogliches Museum:
Dienstag bis Sonntag
April bis Oktober: 10 bis 17 Uhr
November bis März: 10 bis 16 Uhr
Montags geschlossen

Jena: Phyletisches Museum

Das Phyletische Museum trägt den Fokus des Hauses im Namen: Hier dreht sich alles um die Stammesgeschichte (Phylogenese), ein Begriff, der vom Gründer Ernst Haeckel geprägt wurde. Haeckel schenkte das Gebäude 1908 der Universität Jena, heute ist es Teil des Institutes für Zoologie und Evolutionsforschung.

Quallen haben keinen guten Ruf, sind aber faszinierende Lebensformen Bildrechte: MDR/Jan Dörre

Ein Höhepunkt des Hauses ist der Medusensaal, an dessen Decke sich großformatige, farbige Medusendarstellungen befinden. Hier werden häufig wechselnde Sonderausstellungen präsentiert. In der Dauerausstellung können Besucherinnen und Besucher das gesamte Tierreich entdecken, vom Badeschwamm über die Ohrenqualle bis hin zum Tiger. Themensäle informieren außerdem über die Evolution und die Menschwerdung. Auch die Evolution des AIDS-Virus wird erklärt.

Seit 1908 befindet sich das Phyletische Museum hier in Jena. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Insgesamt ist dieses recht kleine Museum etwas in die Jahre gekommen, interaktive oder multimediale Präsentationsformen finden sich hier nicht. Dennoch – wer mehr über die Evolution der Tiere lernen möchte, ist hier genau richtig.

Weitere InformationenPhyletisches Museum Jena
Vor dem Neutor 1, 07743 Jena

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 16 Uhr

Geschlossen am 20. August, 24., 25., 31. Dezember und am 1. Januar

Schleusingen: Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg

Seit DDR-Zeiten versammelt das Naturhistorische Museum Schleusingen alle naturkundlichen Sammlungen Südthüringens: Insgesamt besitzt es rund 100.000 Objekte. In den Bereichen Geologie, Mineralogie und Paläontologie sieht sich das Haus als einzigartig in Thüringen an.

In der Dauerausstellung wird vor die eigene Haustür geschaut: Im Fokus liegen 300 Millionen Jahre Thüringen, auf rund 800 Quadratmetern werden hiesige Landschaften von ihren erdgeschichtlichen Wurzeln bis in unsere Tage hinein präsentiert. Faszinierend ist die Minerale-Ausstellung, in der es glitzert und funkelt. Hier wird eine wertvolle Edelsteinsammlung präsentiert, zudem kann man einiges über die Entstehung der Objekte lernen.

Der lebensgroße Kopf eines Tyrannosaurus rex scheint diese junge Besucherin nicht zu erschrecken Bildrechte: dpa

Auch wenn es ein paar Touch-Screens gibt: Das Museum präsentiert seine Objekte weitgehend traditionell. Die Räume indes wirken für sich, ist das Museum doch im frühneuzeitlichen Schloss Bertholdsburg untergebracht.

Wenn man schon einmal vor Ort ist, lohnt sich auch der Aufstieg zum Aussichtsturm, denn von oben hat man einen tollen Blick auf den Thüringer Wald. So kann man gleich das erdgeschichtliche Thüringen mit dem heutigen vergleichen.

Weitere InformationenNaturhistorisches Museum
Schloss Bertholdsburg Schleusingen
Burgstraße 6
98553 Schleusingen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag: 10 bis 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 21. Februar 2020 | 18:50 Uhr