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Bei großflächigen Bewässerungsanlagen verdunstet sehr viel Wasser und kommt dem Boden nicht zugute. Bildrechte: IMAGO / Fotoagentur Nordlicht

Deutscher BauerntagErneute Debatten um Bewässerung der Felder

28. Juni 2023, 13:58 Uhr

Weil der Regen seit Mai in vielen Regionen knapp ist, fürchten Landwirtschaftsbetriebe um ihre Sommerernte. Deshalb hat der Präsident des Bauernverbandes vor dem Bauerntag am Mittwoch Unterstützung für Bewässerungsanlagen gefordert. Wie die Felder bewässert werden sollen, ist allerdings ein Streitpunkt.

Der Niederschlag ist knapp, also werden in Sachsen-Anhalt gerade Flächen für die Produktion von Obst, Gemüse, Kartoffeln und für die Futterversorgung von Milchkühen beregnet.

Sollten Landwirte Zuschüsse für ihre Beregnungsanlagen bekommen? Für Christian Kunz, Landesgeschäftsführer des Bundes für Naturschutz Sachsen-Anhalt und Wasserwirtschaftler von Beruf, ist das eine schwierige Frage: "Wenn ich durch die Landschaft fahre, sehe ich Bewässerung, wo die Hälfte verdunstet, weil großflächig über den Mittag bewässert wird. Eine Förderung könnte ich mir vorstellen, wenn flächendeckend mit Tröpfchenbewässerung bewässert wird und nicht so wie bisher mit großen Sprengern."

Bei der Tröpfchenbewässerung geben hochporöse Schläuche über einen langen Zeitraum tröpfchenweise Wasser ab, das direkt der Pflanze zugutekommt und wovon weniger verdunsten kann. Laut Bauernverband Sachsen-Anhalt ist die Verlegung der Schläuche jedoch sehr aufwendig und wird daher im Land bis jetzt kaum verwendet, da sich die Methode nur bei mehrjährigen Pflanzen rechne, wie etwa bei Weinreben.

Zu wenig Grundwasser zum Bewässern vorhanden

Eine Förderung von anderen Beregnungstechniken sieht Christian Kunz vom BUND problematisch, weil sie zu verschwenderisch sei: "Die Entnahme von Grundwasser kostet Landwirte kein Geld außer Investition und Energiekosten. Wenn das Wasser nichts kostet und ich noch Geld bekomme, um bewässern zu können, dann ist natürlich der Anreiz zu sparen mit der Ressource Wasser relativ gering."

In einigen Bundesländern müssen Landwirtschaftsbetriebe eine gewisse Abgabe dafür bezahlen, dass sie Wasser entnehmen. In Sachsen-Anhalt etwa einen halben Cent bis zu 2 Cent. Das ist für Kunze viel zu niedrig. In Sachsen ist der Preis ähnlich, in Thüringen ist es gar kostenlos. Hier werden Bewässerungsanlagen in der Landwirtschaft sogar schon bis zu 20 Prozent vom Land gefördert.

Dennoch werden in Thüringen gerade einmal 0,3 Prozent der Ackerfläche beregnet. In Sachsen-Anhalt sind es 2 Prozent. Falk Böttcher, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig erklärt: "Das Problem ist gerade in unserem mitteldeutschen Raum, dass das Grundwasser limitiert ist und man da erstmal Bewässerungsrechte haben muss. Die bekommt man von den Wasserbehörden zugesprochen. In den letzten Jahren sind nach unserer Erfahrung die Rechte nicht in der Form ausgereicht worden, dass sie diese Trockenheit hätten abfangen können, die wir in den letzten Jahren hatten."

Umdenken in der Landwirtschaft erforderlich

Heißt: Es gab schlichtweg einfach nicht genug Wasser, um damit ausreichend beregnen zu können. Die Lösung sei daher nur ein Umdenken in der Landwirtschaft. Erstens, indem man die Verdunstung von Wasser aus dem Boden minimiert, um trockene Phasen besser überbrücken zu können, sagt der Agrarmeteorologe: "Das erreicht man, indem man dichte Pflanzenbestände hat, indem man Mulch auf den Flächen hat, indem man relativ wenig und wenig intensiv den Boden bearbeitet und da können wir es schaffen, um unproduktive Verdunstung um 30 Prozent bis zum Teil 50 Prozent zu reduzieren."

Zweitens – da sind sich Böttcher, Bauernverband und BUND einig – müsste man bessere Möglichkeiten schaffen, um Wasser in den niederschlagsreichen Monaten zu sammeln. Ein weiterer wichtiger Schritt sei sogenanntes Wasserrecycling. Dabei würde geklärtes Abwasser in der Landwirtschaft eingesetzt. In einigen Städten wie Braunschweig werde dies bereits getan.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. Juni 2023 | 06:00 Uhr

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