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Wirtschaftliche ProblemeVerdi wirft Galeria soziale Verantwortungslosigkeit vor

11. Oktober 2022, 09:08 Uhr

Durch die Konsumflaute in der Corona-Pandemie wurden viele Filialen des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen und die Kette überlebte nur durch Hilfen der Bundesregierung. Nun steckt das Warenhaus wieder in Schwierigkeiten: Am Freitag kündigte der Konzern den Sondertarifvertrag mit den Mitarbeitenden. Verdi wirft den Eigentümern deshalb soziale Verantwortungslosigkeit vor.

Galeria Kaufhof in der Leipziger Innenstadt: Für einen normalen Nachmittag in der Woche ist die Filiale eher mittelmäßig besucht. Stress haben die Mitarbeiterinnen nicht. Reden über die erneuten wirtschaftlichen Probleme der Warenhaus-Kette will hier allerdings niemand.

Das übernimmt die Gewerkschaft Verdi. Sprecher Günther Isemeyer wirft Galeria und dem Eigentümer des Konzerns soziale Verantwortungslosigkeit vor: "Es waren in der Vergangenheit die Beschäftigten, die das Überleben der Kaufhäuser möglich gemacht haben, durch Verzicht auf Entgelterhöhungen und Zusatzleistungen in Höhe von zig Millionen Euro. Die Rettung des Unternehmens liegt jetzt in der Hand des Eigentümers und des Managements."

Vergütung der Beschäftigten eingefroren

Der Hauptgesellschafter ist René Benko – ein österreichischer Milliardär. Er hatte Galeria Kaufhof 2018 gekauft und mit Karstadt zusammengelegt. Seither passierte viel: Der Konzern meldete Insolvenz an, wurde mit Krediten in Höhen von fast 700 Millionen Euro von der Bundesregierung gerettet und schloss Filialen.

Nun belasten Inflation und Energiepreiskrise Galeria erneut. Das Management sprach von einer wirtschaftlich angespannten Situation und fror die Vergütungen der Beschäftigten ein. Und nicht nur das: Auch der Erhalt von eigentlich sicher geglaubten Standorten ist damit wieder in Frage gestellt.

Kann Galeria Karstadt Kaufhof überleben? Prof. Martin Fassnacht von der Wirtschaftsuniversität WHU in Düsseldorf hält das für unwahrscheinlich: "Der Galeria-Konzern ist stark auf das Konzept des Warenhauses ausgelegt: alles unter einem Dach. Ich sehe hier keinen Wettbewerbsvorteil mehr. Es gibt für mich aus Verbrauchersicht keine überzeugenden Argumente, dorthin zu gehen."

Konzept von Galeria nicht zukunftsfähig

Auch im Online-Geschäft dürfte Galeria kaum eine Chance haben, sagt Martin Fassnacht. Andere Wettbewerber seien dort längst besser aufgestellt und haben den Online-Markt längst unter sich aufgeteilt.

Von einer weiteren Finanzspritze durch die Bundesregierung hält Martin Fassnacht nichts, denn das Format des Warenhauses ist aus seiner Sicht nicht mehr überzeugend: "Deswegen würde ich dem Staat dringend davon abraten, noch weiteres Geld als Kredit zur Verfügung zu stellen. Es tut mir auch leid, das so sagen zu müssen, dass das Konzept des Galeria-Konzerns nicht überlebensfähig ist. Ich gehe davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren der Galeria-Konzern nicht mehr vorhanden ist. Mir tut es wirklich leid für die Beschäftigten, das muss ich ganz offen sagen."

Wie stark Galeria jetzt schon in der Krise steckt, zeigten interne Dokumente, über die das Manager Magazin kürzlich berichtete. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte die Kette bis Ende September demnach einen Verlust von 622 Millionen Euro.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 11. Oktober 2022 | 06:46 Uhr

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