Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben

AutomobilindustrieDeutlich höherer Spritverbrauch als vom Autobauer angegeben – Geld zurück?

17. April 2024, 06:55 Uhr

Viele Autohersteller bewerben ihre neuen Modelle damit, dass sie besonders wenig Sprit verbrauchen. Doch Daten der Europäische Umweltagentur zeigen nun, dass der tatsächliche Verbrauch in der Regel deutlich höher ist. Demnach verbrauchen Benziner 24 Prozent und Dieselautos 18 Prozent mehr als von den Herstellern angegeben. Um Ansprüche gegenüber den Herstellern geltend zu machen, benötigen Betroffene ein Gutachten eines Sachverständigen. Dann sind Kaufpreisminderung oder Rückgabe möglich.

  • Als Verbrauchswerte geben die Autohersteller oft Idealwerte an, die in der Realität nicht einmal mit einem sehr verbrauchsarmen Fahrstil erreicht werden können.
  • Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz könnten die Testverfahren wahrscheinlich in einigen Jahren verbessert werden.
  • Um gegen die Hersteller vorzugehen, sollten sich Betroffene für eine Art Sammelklage zusammentun.

Dass Autos mehr Kraftstoff verbrauchen als vom Hersteller angegeben, ist ein altbekanntes Problem, sagt Automobilforscher Stefan Bratzel.

Ermittlung des Verbrauchs in Labortests unter Idealbedingungen

Er begründet die Abweichungen unter anderem damit, dass die Testbedingungen zur Ermittlung der Herstellerwerte zu weit von der Wirklichkeit entfernt sind. "Es ist so, dass diese Verbrauchswerte teilweise Idealwerte sind, die in der Realität nicht immer erreicht werden. Je nachdem, wie stark der jeweilige Hersteller mit seinen Modellen seine Fahrzeuge auf diesen Zyklus optimiert hat."

Auch der Fahrstil hat einen großen Einfluss auf den Verbrauch, erklärt Bratzel. "Wenn man ganz, ganz vorsichtig fährt, kann man sich diesen Idealwerten nähern. Wenn man aber ein normales oder gar dynamisches Fahrverhalten hat, wird man diese Werte schwerlich erreichen."

Künstliche Intelligenz könnte Testverfahren verbessern

Automobilexpertin Beatrix Keim sagt, dass die Hersteller nicht alle möglichen Faktoren in den Tests abbilden können. Das sei schlicht nicht möglich. Sie fordert, dass die Testverfahren besser werden müssen und schlägt vor, "dass hier zum Beispiel künstliche Intelligenz mitgenutzt werden kann, die dann diverse Gewichtsbelastung oder Belastungen von Winden mit einfließen lassen kann."

Keim fügt aber hinzu: "Das ist wahrscheinlich nichts, was in den nächsten ein bis zwei Jahren kommt, aber ich könnte mir sehr, sehr gut vorstellen, dass das hilft." Bis es soweit ist, müssen sich Betroffene weiter damit herumschlagen, dass ihre Autos mehr verbrauchen als vom Hersteller angegeben.

Was Betroffene tun können

Sie sind aber nicht wehrlos. Mercedes Benz teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL zwar mit, dass 20 Prozent Abweichung "der Erwartungshaltung der EU" entsprechen. Verbraucher können aber bereits ab 10 Prozent Abweichung Ansprüche geltend machen, erklärt Florian Wagner vom ADAC Sachsen. "Da geht es darum, dass der Hersteller Nachbesserungen liefern muss oder eine Herabsetzung des Kaufpreises, eine Rückgängigmachung des Kaufvertrages oder generell Schadenersatz leisten muss."

Aussicht auf eine dieser Leistungen haben Betroffene aber nur, wenn sie nachweisen können, dass nicht ihr Fahrverhalten für den höheren Verbrauch verantwortlich ist. "Nachweisen kann man das nur durch einen Sachverständigen, der das Ganze prüfen muss. Prüfen heißt, dass die Laborbedingungen, die der Hersteller damals beim Prüfen seines Fahrzeugs verwendet hat, erneut unter Laborbedingungen gemessen werden."

Wagner empfiehlt, sich mit dem Gutachten immer zuerst an den Hersteller oder Verkäufer zu wenden. Wer damit keinen Erfolg hat, kann im Anschluss immer noch klagen. Experten raten hier, wegen der hohen Kosten aber nicht alleine vorzugehen, sondern eine Art Sammelklage mit anderen Betroffenen aufzusetzen – ähnlich wie beim Dieselskandal.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 16. April 2024 | 06:06 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland