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Die Energiekrise und steigende Preise besorgen Gastronomen in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MDR/André Damm

TeuerungRestaurantbesuche werden teurer

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 29. September 2022, 10:32 Uhr

Nach der Corona-Pandemie steht die Gastronomie-Branche vor dem nächsten Problem: Wegen der Energiekrise und stark gestiegener Rohstoffpreise könnte der Restaurantbesuch bald zum Luxus werden. Viele Gastronomen in Sachsen-Anhalt müssen die Preise anziehen.

Das Hotel zum Stein in Wörlitz unweit des weltberühmten Gartenreiches ist bekannt für seine gute Küche. Die Gäste wissen, dass sie hier etwas mehr bezahlen müssen. Doch es könnte in naher Zukunft deutlich teurer werden, befürchtet Hoteldirektor Michael Pirl. Da sind zum einen die Energiepreise. Noch ist das Hotel mit alten Verträgen ausgestattet, doch ab Jahresbeginn müssen neue Kontrakte abgeschlossen werden.

Das Szenario hört sich düster an. "Unser Hotel mit Badelandschaft sowie das Restaurant verbrauchen enorm viel Energie. Die Stromkosten könnten sich vervierfachen, die Gas-Tarife sogar verzehnfachen." Pirl beziffert die Mehrkosten auf mehrere hunderttausend Euro pro Jahr, wenn die schlimmsten Befürchtungen eintreten sollten. Noch spricht er im Konjunktiv.

In Zukunft könnten auf der Speisekarte im Hotel zum Stein höhere Preise stehen. Bildrechte: MDR/André Damm

Lebensmittelpreise sorgen für Probleme

Stark gestiegene Rohstoffpreise sind dagegen schon jetzt real. Und das ist der zweite Punkt, der dem Wörlitzer Hotelier erhebliche Sorgen bereitet. Die Preise für Fleisch, Fisch, Gemüse und für Back-und Molkereiprodukte seien fast astronomisch gestiegen. Pirl beziffert die Erhöhungen auf 50 bis 100 Prozent. Der Hotelchef nennt einige Beispiele. Lachs bietet er derzeit nicht an. Preislich würde sich ein Gericht mit dem beliebten Speisefisch bei etwa 30 Euro einpegeln. Zu teuer, findet der Gastronom. Deshalb ist Lachs auf der aktuellen Speisekarte nicht mehr zu finden.

Anders verhält es sich bei Gänsefleisch. Hier ging es um 80 Prozent rauf.  "Doch das Martinsfest steht bevor. Wir werden natürlich Gänsebraten anbieten. Eine Gans für vier Personen wird dann so etwa 140 Euro kosten." 35 Euro für ein Gericht - das ist schon die Schmerzgrenze nach oben, sagt Pirl. Zumal auch künftig für Getränke mehr bezahlt werden muss. Beim Fassbier haben die Brauereien ab Dezember weitere Aufschläge angekündigt, die der Gastronom weiter reichen muss. Die 5-Euro-Grenze für den halben Liter sei nicht mehr zu halten, das große Bier könnte bald sechs Euro kosten.

Brauer auch unter Druck

Doch Pirl, der als Vizepräsident auch dem Deutschen Hotel-und Gaststättenverband in Sachsen-Anhalt vorsteht, kann den Kostendruck der Brauereien verstehen. Kaum eine Branche sei von Preiserhöhungen derart betroffen gewesen. "Die Brauer haben mit stark gestiegenen Getreidekosten zu tun, auch das Glas ist viel teurer geworden. Kohlensäure ist knapp auf dem Markt. Dann haben sich die Personalkosten erhöht, auch die Logistik. Bei denen gab es immense Mehrkosten."

Hoteldirektor Michael Pirl muss wegen gestiegener Rohstoffpreise und der Energiekrise bald die Preise anheben. Bildrechte: MDR/André Damm

Doch der erfahrene Gastronom weiß auch, dass die Kunden nur begrenzt dazu bereit sind, die hohen Preise zu zahlen. Gerade in Sachsen-Anhalt. Deshalb hat er seine Speisekarte verstärkt regional ausgerichtet, damit die Lieferketten funktionieren und keine Zusatzkosten dazukommen. Um beim Beispiel Lachs zu bleiben - dieser wurde im Wörlitzer Hotelrestaurant durch Saiblinge aus Thießen ersetzt. Auch veganes Essen sei im Trend, sagt Pirl. Und das sei preislich durchaus attraktiv.

Weniger ist heutzutage mehr. Trotz der Probleme muss ein Restaurantbesuch etwas Besonderes bleiben.

Hoteldirektor Michael Pirl

Unterdessen zeichnet sich landesweit ein weiterer Trend ab. Die Speisekarten werden kleiner und übersichtlicher. "Weniger ist heutzutage mehr. Trotz der Probleme muss ein Restaurantbesuch etwas Besonderes bleiben". Michael Pirl appelliert an die gut 5.000 Gastronomen in Sachsen-Anhalt, über die Wintermonate nicht zu schließen. Danach sei es unglaublich schwer, wieder neue Mitarbeiter zu finden.

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MDR (André Damm)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. September 2022 | 12:00 Uhr

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