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Sachsen-Anhalt hat einen eigenen Luftrettungsspezialisten: Sally Henze (Symbolfoto) Bildrechte: picture alliance / dpa | Stefan Sauer

Einsatz im HubschrauberRetter aus der Luft: Sachsen-Anhalt hat ersten "Air Rescue Spezialisten"

15. Mai 2024, 10:37 Uhr

Was treibt Sally Henze aus Jessen an? Er ist bislang der erste und bisher einzige Luft-Wasser-Retter in Sachsen-Anhalt. Er kann sich aus einem Hubschrauber abseilen und Menschen aus Flüssen, Seen oder anderen Gefahrensituationen retten.

Sally Henze wusste schon früh, was er wollte. Als Grundschüler zog er das erste Mal eine Feuerwehruniform an. Die wurde dann bei der Jugendfeuerwehr ein paar Nummern größer. Später versorgte er beim Schulsanitätsdienst kleine und größere Wunden seiner Mitschüler.

Und die Motivation, anderen Menschen helfen zu wollen, blieb. "Ich wusste in der 8. Klasse, dass ich Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz werden will." Doch mit seinen 16 Jahren war er dafür noch zu jung, so absolvierte er in Brandenburg ein freiwilliges soziales Jahr in einem Krankenhaus, begann ein Jahr später seine Ausbildung. Die hat er mit Bravour bestanden, ist seitdem Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Rettungsdienst in Jessen. Mit seinen Kollegen ist er meist der Erste am Eisatzort, versorgt Verletzte oder Patienten. Viel Verantwortung, der er sich mit Leidenschaft stellt.

Wasserwacht und Katastrophenschutz

Das ist jedoch längst nicht die einzige Leidenschaft des 23 Jahre alten Mannes. Denn neben seinem Job, mit dem er seine "Brötchen" verdient, engagiert er sich beim DRK Katastrophenschutz, ist hier bereits zum Bereitschaftsleiter aufgestiegen, sorgt für Einsatzpläne, kümmert sich um die Ausrüstung, um Organisatorisches. Viel freie Zeit verbringt er zudem bei der Wasserwacht Jessen. Ach ja, bei der Feuerwehr ist er auch noch.

Da erübrigt sich die Frage nach einem Hobby: "Dieses ehrenamtliche Engagement ist mein Hobby. Andere spiele Fußball, das kann ich nicht, ich möchte gern helfen."

Tragischer Unfall als Schlüsselmoment

Und wie wird man dann Sachsen-Anhalts erster Luftrettungsspezialist? Ein tragischer Badeunfall in Jessen, bei dem er als Feuerwehrmann mit im Einsatz war, gab den Ausschlag. Damals kam auch ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. "Da habe ich mir gesagt, in solch einem Hubschrauber möchte ich auch sitzen und Menschen retten."

Wer Sally Henze kennenlernt, dem wird schnell klar, das war nicht nur so dahingesagt. Er hängte sich rein, absolvierte mehrere Qualifikationen, wurde Rettungsschwimmer, zusätzlich Fließwasserretter, hat seinen Bootsführerschein gemacht, wurde Seiltechniker. All das war notwendig, um im vergangenen Jahr bei der Bergwacht in Bad Tölz die Ausbildung zum "Air Rescue Spezialisten" machen zu können.

Luftretter Henze engagiert sich auch beim Katastrophenschutz. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

"Angst habe ich nie"

Ein richtig gutes Gefühl habe er gehabt, als er sich das erste Mal vom Hubschrauber abseilen musste, um bei einem Übungsszenario einen Menschen aus dem Wasser zu retten. "Angst habe ich nie gehabt, ich würde sagen, es ist gesunder Respekt. In dem Moment, wo man an einer Seilwinde hängend heruntergelassen wird, setzt man all das Gelernte um. Ich weiß, in dem Augenblick bin ich auf mich allein gestellt, um einem Menschen zu helfen."

Bislang wurde er als Luftretter im "richtigen Leben" noch nicht gebraucht. Um sein Wissen und Können jedoch auf dem neusten Stand zu halten, nimmt er regelmäßig an Schulungen teil, muss sein Zertifikat auch bei Praxistagen erneuern. Inzwischen ist Sally Henze Landesbeauftragter für Hubschraubergestützte Wasserrettung des DRK in Sachsen-Anhalt.

Auch beim Festival in der Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen wird der 23-Jährige im Einsatz sein. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Piper ist immer dabei

Ober auch mal abschaltet? Er lacht. Ja, zum Beispiel wenn er als Trainingseinheit zwei Stunden seine Bahnen in der Schwimmhalle im benachbarten Holzdorf zieht. Oder wenn er mit Schäferhündin Mally im Wald unterwegs ist.

Immer dabei, der Piper für die Alarmierung. Natürlich lassen sich die meisten Einsätze nicht planen. Einige wenige aber doch. Denn auch bei den bevorstehenden Festivals in der Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen wird der 23-Jährige im Einsatz sein. Ehrenamtlich versteht sich. Fast könnte man denken, die Tage von Sally Henze haben mehr als 24 Stunden.  

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MDR (Grit Lichtblau, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Mai 2024 | 06:40 Uhr

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