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Auf offener Straße kam es vor gut zwei Wochen in Weißenfels zu einer Schlägerei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Keine organisierte KriminalitätStreit unter Nachbarn löste offenbar Schlägerei in Weißenfels aus

26. März 2024, 17:21 Uhr

Ein Nachbarschaftsstreit hat die Schlägerei in Weißenfels vor gut zwei Wochen ausgelöst. Das hat die Stadt jetzt MDR SACHSEN-ANHALT mitgeteilt. Dieser Begriff sei verharmlosend, kritisiert der SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben aus Weißenfels. Der Oberbürgermeister der Stadt, Martin Papke (CDU), hatte zuvor auch organisierte Clan-Kriminalität als Verdacht angesprochen.

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Nach der Schlägerei im Herrmannsgarten in Weißenfels vor gut zwei Wochen sind nun die Hintergründe klar. Laut Stadt war ein Nachbarschaftsstreit der Auslöser. Zuvor war über einen Hintergrund im Bereich der organisierten Kriminalität gesprochen worden.

So hatte MDR SACHSEN-ANHALT nach Bekanntwerden des Vorfalls berichtet:

Schon erste Ermittlungen der Polizei hatten aber dort keinen Zusammenhang gesehen. Der Sprecher der Polizei Halle, Michael Ripke, sagte MDR SACHSEN-ANHALT zwei Tage nach der Tat, man habe bisher keine Erkenntnisse, dass es sich um organisierte Kriminalität handeln könne. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand seien die Beteiligten Bewohner eines Hauses.

Prügelei mit Stangen und Holzbrettern

Laut Ripke waren an der Schlägerei sieben Erwachsene im Alter zwischen 18 und 47 Jahren und ein elf Jahre altes Kind beteiligt. Ursache sei ein Streit gewesen, in dessen Folge mehrere Personen mit Stangen und Holzbrettern aufeinander losgegangen seien. Das zeigen auch Handyvideos, die im Internet kursieren, deren Echtheit die Polizei auf Nachfrage bestätigte. Laut Polizei gab es mehrere Leichtverletzte, drei von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt. Ob weitere Personen beteiligt waren, sei Gegenstand der Ermittlungen. Ein Festgenommener sei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, so Ripke.

Der Weißenfelser Oberbürgermeister Martin Papke (CDU) hatte nach der Schlägerei gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT von einem Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und der bulgarischen Mafia gesprochen. Papke sagte, Herrmannsgarten und Waltherstraße seien zwei Straßenzüge mit besonderen sozialen Herausforderungen, man habe auf einzelne Gebäude bereits besonderes Augenmerk. Grund für die Probleme sei "die Konzentration von Prekariat". Papke verwies auf den "Weißenfelser Weg", bei dem es darum gehe, gemeinsame Sache mit Polizei, Ordnungsamt, Burgenlandkreis und Migrationsagentur zu machen, etwa bei der "Dokumentenprüfung".

Die Schlägerei hatte sich im Weißenfelser Herrmannsgarten ereignet. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

SPD-Politiker Erben: Schlägerei nicht als "Nachbarschaftsstreit" abtun

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Rüdiger Erben, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Schlägerei als Nachbarschaftsstreit abzutun, verharmlose die Problemlage. "Wenn man da den Begriff des Nachbarschaftsstreits verwendet, ist das eine Verniedlichung für das, was dort stattfindet. Hier sind Leute mit gefährlichen Gegenständen aufeinander losgegangen", erklärte Erben. Mit einem Nachbarschaftsstreit assoziiere man eher einen Streit über den Gartenzaun.

Wenn man da den Begriff des Nachbarschaftsstreits verwendet, ist das eine Verniedlichung für das, was dort stattfindet.

Rüdiger Erben (SPD) | Landtagsabgeordneter

Der SPD-Abgeordnete Rüdiger Erben will die Schlägerei in Weißenfels im Landtag thematisieren. Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Von Clan-Kriminalität würde Erben nicht sprechen. Dazu wisse er zu wenig über die Täter und die Bewohner vor Ort. Ansonsten teile er die Ansicht des Oberbürgermeisters. Kurz nach dem Vorfall sagte Erben MDR SACHSEN-ANHALT: "Es gibt in Weißenfels zweifelsohne jedenfalls nach meiner Wahrnehmung Strukturen, die Kriminalität begünstigen."

Weißenfels zählt zu Erbens Wahlkreis. Der SPD-Politiker begrüßte die Ankündigung von Oberbürgermeister Papke, härter durchgreifen zu wollen. Er sehe das Problem vor allem bei unseriösen Vermietern, die für die Zusammensetzung der Bevölkerung im Herrmannsgarten gesorgt hätten, sagte Erben MDR SACHSEN-Anhalt am Dienstag. In vergleichbar großen Städten wie Merseburg oder Halberstadt gebe es solche Probleme nicht. Er bekräftigte, dass er das Thema in den Landtag einbringen werde, um mehr über die Hintergründe des Vorfalls zu erfahren.

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MDR (Stephan Schulz, Annekathrin Queck, Maren Wilczek, Marc Weyrich, Christoph Dziedo, Sebastian Gall, Michael Rosebrock, Luca Deutschländer, Mario Köhne) | Erstmals veröffentlicht am 14.03.2024

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. März 2024 | 07:00 Uhr

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