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Ungewöhnliche EntdeckungExotische Schildkrötenart breitet sich an der Saale aus

26. Mai 2023, 04:33 Uhr

In Halle sind Schildkröten an der Saale entdeckt worden, die in Deutschland als invasive Art gelten. Der Unteren Naturschutzbehörde zufolge leben schon seit vielen Jahren exotischen Schildkröten an der Saale und in umliegenden Gewässern. Es handelt sich dabei vor allem um ausgesetzte Gelb- oder Rotwangenschildkröten, die ursprünglich aus Nordamerika stammen.

In Halle werden am Saaleufer immer wieder Schildkröten gesichtet, die nicht in Deutschland heimisch sind. Wie die Untere Naturschutzbehörde in Halle auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, könnte es sich dabei um exotische Gelb- oder Rotwangenschildkröten handeln. Einige Tiere dieser Art seien vor ein paar Jahren ausgesetzt worden und lebten nun an der Saale. Wie viele Schildkröten insgesamt in den Gewässern in Halle wohnten, ließe sich aber nicht sagen.

Rotwangenschildkröten kommen ursprünglich aus Nordamerika und leben mittlerweile auch an der Saale. Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke

Der Behörde sei aber schon länger bekannt, dass vereinzelt Schildkröten an der Saale und in anderen Gewässern in der Umgebung vorkommen. Seit mindestens zwanzig Jahren entdecken Menschen demnach immer wieder Schildkröten an und in der Saale.

Schildkröten bedrohen Fisch- und Amphibiennachwuchs

Meistens handele es sich dabei um ausgesetzte Zierschildkröten, die vorher in Terrarien oder Gartenteichen gehalten worden sind. Die Tiere stellen nach Aussage der Naturschutzbehörde eine Bedrohung für Fisch- und Amphibienlaich und -larven dar – besonders in kleineren Gewässern. Auch Insekten wie Libellen, deren Larven im Wasser leben, würden von den Schildkröten gefressen.

Insgesamt seien die freilebenden Schildkröten zwar kein großes Problem, trotzdem müsse man die Entwicklung im Blick behalten, so die Behörde.

Die Europäische Sumpfschildkröte lebt vor allem in flachen, stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Bildrechte: picture alliance/dpa | Jens Büttner

Die einzige in Deutschland heimische Schildkrötenart ist die sogenannte Europäische Sumpfschildkröte. Sie landete früher häufig als Delikatesse auf dem Teller und ist heute vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum immer mehr zerstört wird.

Ausgesetzte Schildkröten sind invasive Tierart

Sogenannte Buchstaben-Schmuckschildkröten, zu denen auch die in Halle ausgesetzten Rot- und Gelbwangenschildkröten gehören, gelten hierzulande als invasive Tierart. Sie stammen ursprünglich aus Nordamerika und sind beliebte Terrarientiere. Allerdings werden sie häufig abgegeben oder ausgesetzt, weil ihre Besitzer unterschätzen, wie aufwändig die Haltung sein kann. Invasive Arten auszusetzen, ist in Deutschland nach Paragraph 40 des Naturschutzgesetzes verboten. Gleichzeitig ist das Aussetzen eines Haustiers auch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe zur Folge haben kann.

Stichwort: Invasive ArtenTier- und Pflanzenarten gelten als invasiv, wenn sie sich in einem fremden Gebiet ausbreiten und dort die einheimischen Ökosysteme gefährden. Sie können unter anderem Krankheiten übertragen oder zu Verlusten in der Landwirtschaft führen. Viele als invasiv geltende Arten sind bewusst eingeschleppt worden – zum Beispiel zur Jagd, zur Gewinnung von Pelz oder für Zoos und den Heimtierhandel. Durch die Globalisierung werden manche Tiere aber auch unbewusst in andere Länder eingeschleppt.

Aktuell werden in der EU 88 Tier- und Pflanzenarten als invasiv eingestuft. Sie dürfen nicht absichtlich in die EU gebracht, gehalten, gezüchtet oder befördert werden. Allerdings werden in bestimmten Fällen auch Ausnahmen zugelassen.

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MDR (Annekathrin Queck)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Mai 2023 | 08:30 Uhr

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