Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben

Jubiläum gefeiertAttraktion mit Geschichte: Die Brockenbahn fährt seit 125 Jahren

28. März 2024, 14:40 Uhr

Sie ist eines der wichtigsten touristischen Zugpferde in Mitteldeutschland – die Brockenbahn im Harz. Vor 125 Jahren ist sie eingeweiht worden. Damals fuhr ein kleiner Sonderzug mit einem Wagen und 50 Ehrengästen auf den Gipfel. Zum 125. Jubiläum waren es jetzt sieben Wagen mit rund 200 Gästen und zahlreichen Schmalspurbahnfans, die zur Feier auf den Brocken starteten.

Aktuelle Nachrichten des Mitteldeutschen Rundfunks finden Sie jederzeit bei mdr.de und in der MDR Aktuell-App.

Ein kurzer Pfiff ertönt. Langsam setzt sich der Zug am Hauptbahnhof in Wernigerode in Bewegung. Die Dampflok schnauft laut und kräftig. In den vier Wagen dahinter sitzen gut 200 Gäste. Auf der anderen Seite des Harzes im thüringischen Nordhausen ist bereits eineinhalb Stunden zuvor ein Sonderzug gestartet. Wie vor 125 Jahren, treffen sich beide in Drei Annen Hohne. Dort zweigt das Gleis zum Brocken ab, und von dort geht es gemeinsam auf den Gipfel. Der Unterschied: Damals fuhr eine Lok mit einem Wagen und etwa 50 Ehrengästen. Jetzt sind es zwei Dampflokomotiven mit insgesamt sieben Wagen und rund 200 Gästen, die auf den Brocken fahren.

Eine historische Aufnahme der Brockenbahn, vermutlich aus dem Jahr 1899. Bildrechte: Sammlung der Harzer Schmalspurbahnen

Der 27. März des Jahres 1899 ist ein Montag. In Nordhausen startet um 9:35 Uhr eine mit Tannengrün geschmückte Dampflok, die Lok Nummer 15 der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE), mit einem Wagen dahinter. Im Wagen sitzt ein Dutzend Stadtverordnete aus Nordhausen. Unterwegs steigen weitere Kommunalpolitiker zu. Die Bahnhöfe in Sorge und Benneckenstein sind festlich geschmückt. Der kleine Zug wird überall von Hochrufen begrüßt.

Mittags kurz nach zwölf erreicht der kleine Sonderzug Drei Annen Hohne, wo schon eine Abordnung aus Wernigerode mit dem Bürgermeister an der Spitze wartet. Festreden werden gehalten. Es wird gegessen. Dann kommt Jubel auf, denn es wird verkündet: Trotz Sturm und Eis soll es bis hinauf zum Brockengipfel gehen. Eine Stunde später kommt der kleine Zug mit seinen rund 50 Ehrengästen auf dem Gipfel an. So jedenfalls berichtet damals eine Zeitung von der Eröffnungsfahrt.

Erster Zug fuhr schon im Dezember 1898 durch den Harz

Streng genommen war es damals gar keine Eröffnungsfahrt. Denn die Bauabnahme der Brockenstrecke erfolgte bereits am 4. Oktober des Vorjahres. Und am 25. Dezember 1898 fuhr ein Sonderzug mit Fahrgästen auf den Gipfel. Das Tempo des Baus ist aus heutiger Sicht äußerst beeindruckend. Im Juni 1896 war die NWE gegründet worden. Nur ein Jahr dauerte es, bis die Konzession zum Bau der Bahnstrecke erteilt wurde. Und nur knapp drei Jahre vergingen, bis die Verbindungen von Nordhausen nach Wernigerode und zum Brocken fertiggestellt waren.

Allerdings waren dem schnellen Aufbau viele Jahre der Diskussionen und Streitigkeiten um die Streckenführung vorausgegangen. Bereits 30 Jahre zuvor habe es Ideen für eine Bahnstrecke zum Brocken gegeben, sagt der Wernigeröder Historiker Uwe Lagatz. Erste Initiativen seien von Bad Harzburg ausgegangen. Die Stadt, so Lagatz, sei damals schon eine touristische Größe gewesen mit etlichen tatkräftigen Unternehmern, und die hätten gern eine schnelle und bequeme Verbindung zum Brocken gehabt.

Der erste Personenzug der Brockenbahn fuhr im Jahr 1898. Bildrechte: Jürgen Steimecke

Eine Idee war eine Strecke über Torfhaus zum Brocken, eine andere eine Route durch das Eckertal. Diese Vorschläge seien aber immer von Wernigeröder Seite blockiert worden, so Historiker Lagatz. Die Besitzer des Brockens waren die Grafen und späteren Fürsten zu Stolberg-Wernigerode. Und die wollten verständlicherweise eine Erschließung von ihrer Seite aus. So kam es schließlich zum Bau der heute bekannten Strecke.

Vor allem Schierke profitierte von der neuen Bahnverbindung. Bildrechte: Sammlung der Harzer Schmalspurbahnen

Planung und Bau verliefen allerdings nicht reibungslos. In Wernigerode klagten Grundstückseigentümer gegen den Streckenverlauf und gegen Grundstücksenteignungen. Einige Bürger waren auch gegen die zu erwartenden Besucherströme auf dem Brocken.

Viele erfahrene Arbeiter beim Bau der Brockenbahn-Strecke im Einsatz

Der Bau selbst erfolgte durch im Eisenbahnbau erfahrene Arbeiter aus Kroatien, Südtirol, Polen und Deutschland. Die Arbeiten waren beschwerlich. Es mussten Felsdurchbrüche gesprengt werden. Im Brockenmoor musste Untergrund ausgewechselt werden. Am Ende kam sogar die Armee zu Hilfe. Die Soldaten eines Berliner Pionierbataillons übten am Brocken den Eisenbahnbau in schwierigem Terrain.

Doch der Aufwand schien sich am Ende zu lohnen. Ziel des Bahnbaus sei vom Anfang an die touristische und wirtschaftliche Erschließung des Brockens und der Orte im Oberharz gewesen, so der Historiker. Und wirklich: Obwohl der Bahnbau viel teurer wurde als geplant, statt fünf waren es am Ende mehr als acht Millionen Mark, wurde die Harzquerbahn sofort ein Erfolg. Von Anfang an wurden Gewinne erwirtschaftet. Bereits nach dem ersten Geschäftsjahr konnte die Bahngesellschaff ihren Aktionären eine Dividende zahlen.

Besonders erfolgreich war die Brockenstrecke, und das, obwohl eine Hin- und Rückfahrt 4,20 Mark kostete, was damals etwa zwei Tageslöhnen eines Arbeiters entspricht. Die Bahn wurde auch für den Postverehr genutzt. Pfingstmontag 1899 beförderte die Brockenbahn zum Beispiel 28 Kilogramm Postkarten vom Gipfel nach unten.

Die neue Harzquerbahn brachte den Orten im Oberharz einen Wirtschaftsaufschwung und mehr Touristen. Von der Strecke zum Brocken profitierte vor allem Schierke. Der Ort war zu der Zeit bereits ein gefragter und teurer Urlaubsort, ein Ort für die Sommerfrische, wie man damals sagte. Schierke sei Ende des 19. Jahrhunderts die nobelste Sommerfrische im Harzraum gewesen, so Uwe Lagatz. Diese Entwicklung sei mit dem Bahnanschluss noch einmal befeuert worden.

Der Bahnhof der Harzquerbahn in Wernigerode um das Jahr 1910: Die neue Bahn brachte mehr Touristen in den Oberharz. Bildrechte: Jürgen Steimecke

Zunächst nur sonntags auf den Brocken

Der Brockengipfel wurde zunächst nur sonntags angefahren, bald darauf täglich, aber nur im Sommerhalbjahr vom 30. April bis zum 15. Oktober. Das blieb so bis zur Einstellung des Personenzugverkehrs zum Brocken am 13. August 1961. Danach fuhren nur noch bei Bedarf Züge auf den Berg, um Materialien und Verpflegung für die dort stationierten Soldaten und Techniker zu liefern. Nach der politischen Wende wurde die Brockenstrecke saniert und am 15. September 1991 feierlich wiedereröffnet. Nach 30 Jahren Sperre verkehrten wieder Personenzüge zum Brocken.

Vor allem an Letzteres denken einige der Fahrgäste in den Jubiläumszügen zum 125. Geburtstag der Strecke. Die Wiedereröffnung der Strecke 1991 sei für ihn der emotionalste Moment seines politischen Lebens gewesen, sagt etwa der frühere Wernigeröder Landrat Michael Ermrich, der unter den Ehrengästen weilt. Er erinnert sich an Transparente und Tausende Schaulustige an der Strecke. Das ist bei der Jubiläumsfahrt zum 125. Streckengeburtstag nicht der Fall.

Der Jubiläumszug war feierlich geschmückt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Brockenbahn: Früher Transportmittel, heute Attraktion

Die Brockenbahn gehört heute zum Harz wie die Rübeländer Tropfsteinhöhlen oder das Bergtheater in Thale. Ein besonderes Erlebnis aber ist eine Fahrt mit ihr heute immer noch. Über 500.000 Menschen fuhren mit ihr allein im vergangenen Jahr auf den höchsten Harzgipfel.

Zur Eröffnung vor 125 Jahren war die Bahn vor allem das bequemere Transportmittel zum Brocken. Heute ist sie selbst die Attraktion. Die Brockenbahn ist heute Teil der Faszination Brocken als mystischer Gipfel und höchster Berg Norddeutschlands.

Mehr zur Brockenbahn und zum Harz

MDR (Carsten Reuß, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. März 2024 | 19:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen