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Digitales LernenMedienkompetenz im Unterricht: Was an Sachsen-Anhalts Schulen fehlt

von Maximilian Fürstenberg, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 08. Dezember 2021, 15:09 Uhr

Digitale Medien kommen im Unterricht in Sachsen-Anhalts Schulen oft zu kurz: Es mangelt an Technik, an Zeit und oft auch an der Medienkompetenz im Kollegium. Für einen Schwerpunkt zum Thema Medienbildung erzählen zwei Lehrkräfte, wie der Stand an ihren Schulen ist.

Ein Blick ins Kinderzimmer reicht schon, um festzustellen: Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien täglich. Doch das Kinderzimmer ist nicht alles. Schließlich verbringen Kinder und Jugendliche die andere Hälfte ihres Tages an einem Ort, an dem Medien oft noch nicht die Rolle spielen, die sie spielen sollten. Es sind die Schulen.

Sachsen-Anhalt steht laut Studie gut da

Erst einmal: Laut der Studie "Schule digital – der Länderindikator 2021" steht Sachsen-Anhalt im Bundesländervergleich zusammen mit Bremen, Berlin, Bayern und Schleswig-Holstein prinzipiell gar nicht so schlecht da.

Von insgesamt 26 Bereichen, die sich um Medienkompetenzen von Schülern und Lehrkräften und das Nutzen von Medien im Unterricht drehen, stimmen die befragten Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt bei mindestens neun Bereichen positiv zu.

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Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) zeigte sich in einer Pressmitteilung vom 4. November 2021 äußerst zufrieden mit dem Ergebnis der Studie: "Die Studie zeigt, dass wir in Sachen Digitalisierung der Schulen auf dem richtigen Weg sind." In der Mitteilung betonte sie aber auch, dass in Sachen Medienbildung und Digitalisierung an Schulen noch viel Luft nach oben ist.

Digitale Ausstattung an Sachsen-Anhalts Schulen könnte besser sein

Das sehen auch Lehrkräfte aus Sachsen-Anhalt so. Ava L. (Name geändert) arbeitet an einer Förderschule in Magdeburg und weiß, wie wichtig Digitalisierung für zukünftige Generationen ist. Sie sagt MDR SACHSEN-ANHALT:

Wir müssen gucken, dass wir unsere Schüler gut vorbereiten. Dementsprechend müssen wir auch gewisse Skills erlernen, verbessern, ausführen und nutzen.

Ava L. | Förderschullehrerin aus Magdeburg

An der Schule von Ole D. (Name geändert) ist die Digitalisierung aktuell "voranschreitend, aber sehr gering". Er ist Lehrer an einer Sekundarschule in der Börde. Seine Schule ist noch nicht ans Glasfasernetz angeschlossen und es hängen nur in wenigen Räumen festinstallierte Beamer, so der Lehrer. Einen transportablen Beamer gibt es zwar, nur: Den müsse sich die ganze Schule teilen, so D. weiter.

An der Schule von Ava L. gibt es mittlerweile schon digitale Tafeln, die laut ihr einen Haken haben: "Die digitalen Tafeln funktionieren manchmal nicht. Dann muss erst ein technisches Team kommen und das dauert. Denn wir dürfen die nicht selbst reparieren."

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Digitale Endgeräte für Lehrkräfte lassen auf sich warten

Dann lieber doch Technik von zu Hause? Wer für seinen Unterricht Power Point und Co. vorbereiten will, braucht ebenfalls ein entsprechendes Gerät dafür. Daher ist es Lehrkräften mittlerweile möglich, sogenannte Dienstendgeräte, wie Laptop oder Tablet vom Land gestellt zu bekommen.

Möglich macht das der "Digitalpakt 2019-2024". Für knapp 14 Millionen Euro sollen in Sachsen-Anhalt Leihgeräte für Lehrkräfte bereitgestellt werden. Problem ist auch hier: Noch sind die Geräte noch nicht überall angekommen.

Ole D. sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe noch keinen Laptop erhalten. Diese liegen noch beim Amt und werden voraussichtlich erst nächstes Jahr zugeschickt. Momentan nutzt er seinen privaten Laptop zum Vorbereiten des Unterrichts.

Dienstlaptops ohne Programme

Lehrerin Ava L. hatte da mehr Glück, sie besitzt schon einen der begehrten Laptops. Nur wirklich benutzen kann sie ihn nicht, denn es fehlen sämtliche Programme.

Alles was man für den Unterricht braucht, muss man sich dann doch wieder selbst besorgen. Wenn dann aber etwas kaputtgeht, hafte ich dafür.

Ava L. | Förderschullehrerin in Magdeburg

Durch die gestellten Endgeräte sind zwar alle Lehrkräfte auf dem neuesten Stand, sagt sie, aber erleichtert würde einem die Arbeit dennoch nicht. Laut der Lehrerin sollen entsprechende Programme zwar nachgerüstet werden Wann das passieren soll, weiß sie noch nicht.

Lehrpläne: digitale Medien erst seit 2019 verankert

Dass die Lehrpläne Sachsen-Anhalts digitale Medien im Unterricht aufgreifen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch die Lehrpläne Sachsen-Anhalts sind erst 2019 überarbeitet worden.

Wo vor drei Jahren noch hauptsächlich von analogen Medien die Rede war, sind nun in Rot digitale Medien und zu förderne Medienkompetenzen in den einzelnen Fächern ergänzt worden. Sehr zur Freude von Ole D.:

Den klassischen Unterricht gibt es nicht mehr. Ich bin der Meinung, dass Medien unbedingt in verschiedener und vielfältiger Art eingesetzt werden müssen, um einen interessanten und für die Schüler nachvollziehbaren Unterricht zu gestalten.

Ole D. | Sekundarschullehrer aus der Börde

Bildrechte: MDR/Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA)

Es fehlt an Medienkompetenz im Kollegium

Technik im Unterricht benutzen, ist eine Sache. Doch den Lehrkräften fehlt es oft an entsprechender Kompetenz, den Schülern den richtigen Umgang mit Medien beizubringen. Der Sekundarschullehrer Ole D. sagt MDR SACHSEN-ANHALT, dass seine Medienkompetenz ausreicht, um seinen Schülern digitale Medien entsprechend zu vermitteln.

Er wünsche sich dennoch regelmäßige Schulungen und Bildungsangebote, um die Medienkompetenz zu fördern:

Es reicht nicht aus, wenn sich ein Lehrer kompetent fühlt, sondern es muss im Kollektiv passieren.

Ole D. | Sekundarschullehrer aus der Börde

Ava L. sieht sich hingegen nur bedingt dazu im Stande, den Schülern den "richtigen" Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Sie versuche aber, die medialen Lehrinhalte soweit es ihr möglich ist in den Unterricht einzubeziehen, und diese kritisch mit den Schülern zu beäugen, so die Lehrerin.

Was ist Medienkompetenz?

Zum Thema Medienkompetenz gibt es verschiedene Modelle. Eines stammt von Dieter Baacke und beschäftigt sich mit den "vier Dimensionen". Ein weiteres Modell ist das sogenannte Dagstuhldreieck.

Die meisten Modelle haben im Grunde den selben Kern: Sie drehen sich um Wissen über Medien, ihre Funktionsweise, um ein kompetentes, selbstbestimmtes Handeln mit Medien und einen kritischen Umgang.

Der Begriff ist aber ständig im Wandel, denn die Welt und Gesellschaft werden durch und mit Medien gestaltet, so die Bundeszentrale für politische Bildung.

Keine Zeit zum Fortbilden

Die Technik allein ist aber oft nicht das Problem. Ines Bieler arbeitet am Zentrum für Lehrerbildung der Martin-Luther-Universität Halle im Projekt DikoLa (Digitalkompetenz im Lehramt) und hat zuvor über 20 Jahre als Lehrerin am Gymnasium unterrichtet.

Sie erklärt MDR SACHSEN-ANHALT, dass das Problem mit der fehlenden Medienkompetenz auch daran liegt, dass die Zeit fehlt, sich weiterzubilden. Sie erklärt, dass es momentan nämlich Angebote in vielen Facetten gibt.

Die Lehrkräfte brauchen aber Zeit zum Fortbilden im digitalen Bereich und vor allem Zeit zum Erstellen für didaktisch-pädagogische Konzepte für den eigenen Schulkontext, so Bieler.

Wer laut Bieler keine Zeit zum Fortbilden hat, soll sich aber unbedingt selbst ins Internet begeben. Dort sollen sich Lehrkräfte vor allem mit anderen vernetzen und austauschen. Als Beispiel nennt sie hier das #twitterlehrerzimmer. "Dort bekommt man eine kritische, aktuelle und kompetente Beratung", so Bieler.

Bildungsministerium: Digitalpakt soll mehr ermöglichen

Und was sagt Sachsen-Anhalts Bildungsministerium zu alledem? Zunächst einmal gibt das Haus von Ministerin Feußner ein Versprechen: Bis Ende 2022 sollen die Schulen in Sachsen-Anhalt ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Das sei, so ein Sprecher der Ministerin zu MDR SACHSEN-ANHALT, neben W-LAN, IT-Administration und der Nutzung digitaler Endgeräte das Fundament für eine digitale Ausstattung an Schulen.

Darauf aufbauen soll in der Praxis eine kompetenzorientierte Arbeit mit digitalen Medien, so das Ministerium. Als weitere Hilfe für eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz sollen demnach die kostenlosen Lernplattformen "emuCLOUD" und "Moodle" dienen. Beide Plattformen werden schon jetzt an Schulen genutzt – in Zeiten von Homeschooling unter anderem, um in Kontakt zu bleiben und Aufgaben zu übermitteln.

Für den Unterricht habe das Land ein vielfältiges "Contentpaket" angeschafft, heißt es. Es soll das Nutzen digitaler Medien durch die Medienplattform "emuTUBE" ergänzen und bei Fortbildungen von Lehrkräften aufgegriffen werden. Denn für das Ministerium ist klar: Schwerpunkt bei der Digitalisierung soll sein, die Medienkompetenz bei Lehrkräften auszubauen. Das soll dann auch Lehrkräften wie Ole D. und Ava L. zugute kommen. Und über sie wiederum den Schülerinnen und Schülern.

Mehr zum Thema: Medienkompetenz

MDR (Maximilian Fürstenberg)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Dezember 2021 | 13:40 Uhr

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