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Die Al-rahma Moschee in Stendal Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Fassade besprühtSchmierereien an Stendaler Moschee: Gemeinde "unter Schock"

22. Februar 2024, 13:35 Uhr

An der Moschee in Stendal wurden Schmierereien gefunden. Die Gemeinde zeigt sich nach dem Fall schwer betroffen. Neben Hakenkreuzen wurde auch der Schriftzug "AfD" an die Fassade gesprüht. Kritik kommt von der Linken, die der AfD eine Mitschuld gibt. Die AfD weist die Vorwürfe zurück.

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Nach den verfassungsfeindlichen Schmierereien an der Stendaler Moschee zeigt sich die dortige Gemeinde betroffen. Gemeindevorstand Saleh Bin Salman sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man sei unter Schock. "Wir fragen uns, warum so etwas bei uns passiert. Unsere Gemeinde war, ist und wird auch immer offen sein für jeden", so der Vorstand. Jeder sei herzlich willkommen, in die Gemeinde zu kommen und mit den Mitgliedern zu sprechen.

Wir sind ehrlich unter Schock.

Saleh Bin Salman, Vorstand in der Islamischen Gemeinde Stendal

Salman bedauerte auch die bisher geringe Solidarität nach der Tat mit seiner Gemeinde und betonte, man habe keinen Menschen ausgegrenzt und sei ein Teil dieser Gesellschaft: "Wir haben uns vom ersten Tag an, den wir hier in Stendal gewesen sind, dafür entschieden, dass wir keine Parallelgesellschaft sind."

Linke: Schmierereien Teil einer vergifteten Debatten-Kultur

Die Linke hat die verfassungsfeindlichen Schmierereien an der Stendaler Moschee verurteilt. Der Landtagsabgeordnete Wulf Gallert und der Vorsitzende des Kreisverbandes Stendal, Mario Blasche, erklärten, sie seien "erschrocken und zutiefst besorgt". Neben Rassismus und Antisemitismus sei jeder Akt gegen die hier lebenden Muslime deutlich zu verurteilen, so Gallert und Blasche.

Antimuslimischer Rassismus stehe auf einer Stufe mit dem antisemitischen Rassismus. Nach Ansicht von Gallert und Blasche hat der "Anschlag auf die Stendaler Moschee einen sichtbaren Bezug zu den geführten Debatten und der in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuften AfD."

Die Schmierereien sind von der Polizei bereits entfernt worden. Bildrechte: MDR/Aud Merkel

Er bette sich ein in eine zunehmend vergiftete Debattenkultur in der Gesellschaft und sich einem immer mehr radikalisierenden rechtspopulistischen und -extremen Teils im Parteienspektrum, der die Grundwerte unseres Zusammenlebens in der Gesellschaft in Frage stelle.

AfD: böswillige Aktion im politischen Wettstreit

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Matthias Büttner, teilte auf schriftliche Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag mit: "Derlei Symbole und Taten macht sich die AfD nicht zu eigen. Bereits oft haben wir erlebt, dass es sich bei solch Schmierereien schlussendlich um False-Flag-Aktionen handelt." Büttner warnte davor, solche Dinge ungeprüft und ohne abschließende Ermittlung einen politischen Konkurrenten in die Schuhe schieben zu wollen. Das sei "schon mehr als nur böswillig und zeugt von absoluter Ohnmacht im politischen Wettstreit", erklärte er. Die Tat selbst bewertete Büttner in seinem Statement nicht.

An der Moschee in Stendal waren am Sonntag drei Hakenkreuze und der Schriftzug "AfD" gefunden worden. In Burg im Landkreis Jerichower Land gab es einen ähnlichen Vorfall. Dort hatten Unbekannte auf einem Gehweg einen übergroßen Davidsstern und den Schriftzug "Sieg Heil" gesprüht. Laut Polizei ermittelt der Staatsschutz wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

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