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Wie viel sind Pflastersteine wert? Im Prozess um den Pflasterdieb von Zittau muss diese Frage jetzt ein Gutachten klären. Bildrechte: Colourbox.de

Noch kein UrteilAnwälte streiten über Wert von Zittauer Pflastersteinen

30. Juni 2023, 12:07 Uhr

Der Diebstahl von mehr als 100 Tonnen altem Granitpflaster im Dezember 2021 in Zittau hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der mutmaßliche Dieb wurde ein Jahr später gefasst und stand jetzt vor Gericht. Nach drei Verhandlungstagen sollte am Donnerstag eigentlich das Urteil fallen. Doch dazu kam es nicht. Denn Staatsanwaltschaft und Verteidiger stritten am Ende um den Wert des Diebesgutes. Denn Pflasterstein ist nicht gleich Pflasterstein.

Eigentlich sollte der Prozess um den Diebstahl von mehr als 100 Tonnen altem Granitpflaster in Zittau ein schnelles Ende finden. Vor dem Amtsgericht in Görlitz hatten sich Staatsanwalt und Verteidiger schon darauf geeinigt, dass der Angeklagte eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren erhält.

Ins Gefängnis sollte er also nicht. Schließlich war der Mann schon ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, außerdem wollte man einen langen Prozess und teure Gutachten vermeiden. Für das richtige Strafmaß musste am Donnerstag aber erst noch der Wert des Diebesgutes geklärt werden. Damit wurde es dann kompliziert.

"Goldstaub" unter den Pflastersteinen

Denn der 56-jährige Angeklagte soll vor eineinhalb Jahren mehr als 100 Tonnen Granitpflaster am Bahnhof in Zittau gestohlen haben, das bereits in einer Straße verbaut war. Die Steine waren allerdings für Bauarbeiten wieder herausgenommen worden und lagerten daneben auf einem Haufen. Damit waren sie gebraucht und für den Staatsanwalt mehr wert als ein neuer Pflasterstein aus dem Baumarkt. Der kostet etwa ein Euro pro Stein, rechnete er dem Richter vor. Alte und über Jahre abgefahrene Pflastersteine seien aber so etwas wie der "Goldstaub" unter den Pflastersteinen. Auf dem Schwarzmarkt bekäme man dafür sehr viel mehr.

Rechenstunde vor Gericht

Der Verteidiger sah das allerdings anders und griff zum Taschenrechner. Auch der Staatsanwalt schloss sich der Mathestunde vor Gericht an und rechnete nochmal nach. Am Ende kamen sie zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Der Staatsanwalt schrieb dem alten Pflaster einen Wert von weit über 10.000 Euro zu, der Verteidiger hatte nur ein paar Hundert Euro ausgerechnet.

Wer richtig liegt, soll nun ein Gutachten klären. Allerdings ist das keine leichte Aufgabe, denn das Pflaster ist nicht mehr auffindbar. Der mutmaßliche Dieb hat es wahrscheinlich längst über das Internet verkauft. In frühestens drei Monaten soll der Prozess weitergehen.

MDR (rh/vis)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 29. Juni 2023 | 16:30 Uhr

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