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Jahrzehntelang gab es in Lichtenstein eine Kinderheilkunde- und eine Geburtshilfestation. Das ist Geschichte. Patienten müssen nun nach Zwickau oder Chemnitz fahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

GesundheitsversorgungBittere Pille: Aus für Fachabteilungen im Krankenhaus Lichtenstein

05. April 2023, 16:30 Uhr

Schlechte Nachrichten für Frauen, Eltern und Familien: die Kinder- und Frauenheilkunde und die Geburtshilfe im Krankenhaus Lichtenstein im Landkreis Zwickau bleiben geschlossen und werden auch nicht wieder geöffnet. Der Beschluss ist das Ergebnis eines langen Streits zwischen dem Krankenhausbetreiber und der Stadt. Begleitet wurden die Schließungspläne seit zwei Jahren mit vielen Protesten, Demos und Petitionen Betroffener und Ärzte. Nun müssen sie die "bittere Pille" schlucken.

  • DRK und Stadt: Schließung von drei Klinik-Stationen bleibt. Keine Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe mehr.
  • Rechtsstreit zwischen den Gesellschaftern der Klinik soll enden.
  • Krankenhaus Lichtenstein soll Gesundheitszentrum mit stationärer und ambulanter Betreuung werden.

Am Krankenhaus Lichtenstein bleiben die Kinder- und Frauenheilkunde sowie die Geburtshilfe eingestellt und werden auch nicht wieder geöffnet. Darauf haben sich das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Stadt Lichtenstein als Gesellschafter der Klinik geeinigt. Gegen die Schließungspläne hatten Einwohner in Lichtenstein seit 2021 vielfach protestiert, Mütter und Ärzte schrieben Petitionen und Briefe an die Landesregierung. Die Stadt als Minderheitsgesellschafterin hatte 2022 sogar gegen Stationsschließungen geklagt. Die stationäre Kinderklinik und die Geburtshilfe waren bereits 2022 und die Gynäkologie Anfang 2023 geschlossen worden.

Klinikstandorte: Wer bleiben will, muss sich grundlegend wandeln

Nun hieß es von den Gesellschaftern in einer gemeinsamen Mitteilung, dass "sämtliche Rechtsstreitigkeiten kurzfristig beizulegen" seien. Der Schritt der Stationsschließung sei vor allem den Stadtratsfraktionen und dem Bürgermeister schwergefallen, aber letztlich nötig, hieß es. Lichtensteins Bürgermeister Jochen Fankhänel (Freie Wähler) nannte die Entscheidung im Gespräch mit MDR SACHSEN "eine bittere Pille". Und: "Der Beschluss ist unpopulär, war aber die einzige Möglichkeit, den Krankenhausstandort zu erhalten."

Es ist eine bittere Pille für Lichtenstein. Der Beschluss ist unpopulär, war aber die einzige Möglichkeit, den Krankenhausstandort zu erhalten.

Jochen Fankhänel | Bürgermeister von Lichtenstein

Fankhänel verwies auf Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der Deutschlands Krankenhauslandschaft umbauen möchte nach wohnortnaher Grundversorgung, Regel- und Schwerpunktversorgung und Uni-Kliniken als Maximalversorger. Auch Sachsen will die 77 Klinikstandorte im Freistaat erhalten. Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hatte sich Ende März für eine bessere Verzahnung stationärer und ambulanter Versorgung ausgesprochen. Aber auch sie betonte, dass die derzeitigen 77 Standorte "nicht so bleiben können, wie sie sind".

Kritik an Bund und Land

Ob Sachsen wirklich alle Kliniken erhalten kann, bezweifelt die Landesvorsitzende der Linken in Sachsen, Susanne Schaper. Die gelernte Krankenschwester und Pflegewirtin sagte MDR SACHSEN: "In Lichtenstein haben Kommunalpolitiker, Ärzte und Einwohner viel für ihr Krankenhaus versucht, dafür gilt ihnen auch Dank." Doch die Linken-Politikerin sieht Bund und Land in der Pflicht, "Krankenhäuser so zu finanzieren und auch Fachkräfte angemessen zu bezahlen, dass sie in der Fläche erhalten bleiben".

Das bleibt im DRK-Krankenhauses

"Krankenhäuser müssen leider auch wirtschaftlich denken. Das ist eine Krux. Um Schließungen zu vermeiden, müssen sich die Häuser spezialisieren", sagte Lichtensteins Bürgermeister dazu. Die Klinik in der 11.000 Einwohner zählenden Stadt verortet Fankhänel künftig in der Grundversorgung. Mit Blick auf immer älter werdende Menschen, fehlende Fachkräfte und schwindende Einwohnerzahlen solle die DRK-Klinik umorganisiert werden. Heißt: Das Krankenhaus soll ein Gesundheitszentrum mit stationärer und ambulanter Betreuung werden, weitere Arztpraxen sollen ins Gebäude einziehen. Ebenfalls bleiben erhalten:

  • Notfallambulanz
  • Unfallchirurgie, Orthopädie
  • Allgemeinmedizin
  • Viszeralchirurgie (auch Bauchchirurgie genannt)
  • Radiologie
  • Physiotherapie

MDR (kk)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 05. April 2023 | 10:30 Uhr