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FreizeitangebotKrisen als Chance für Neues: So kam Limbach-Oberfrohna zur Rollschuhbahn

20. Juli 2023, 16:11 Uhr

Ein Freizeitangebot für alle Altersgruppen und am besten mitten in der Stadt: Das wollte Limbach-Oberfrohna ursprünglich im Winter mit einer Eisbahn bieten. Doch stattdessen wurde es eine Rollschuhbahn im Sommer. Bis Mitte August können die Besucher und Besucherinnen täglich durch die Innenstadt rollen.

Lotta und Louis, die Kinder von Anja Großer sind sportlich sehr aktiv und toben sich an diesem Tag auf der Rollschuhbahn in Limbach-Oberfrohna aus. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Mutter Anja Großer aus Niederfrohna ist zum ersten Mal mit ihren sieben Jahre alten Zwillingen Lotta und Louis auf der Rollschuhbahn in Limbach-Oberfrohna. "Wir waren gestern schon mal gucken. Heute probieren wir es aus", erzählt sie. Weil das Fußballtraining in den Sommerferien ausfalle, bräuchten ihre sportlich aktiven Kinder einen Ausgleich. "Wir probieren jeden Tag etwas anderes aus. Dafür ist die Rollschuhbahn super", findet Mama Großer. Sie selbst lässt aber lieber die Sandaletten an.

Von der Eislauf- zur Rollschuhbahn

Doch wie kommt man als Stadt auf die Idee, eine Rollschuhbahn auf einen zentralen Platz in der Innenstadt aufzubauen? "Die ursprüngliche Idee war eine Eislaufbahn", erzählt der Bürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Robert Volkmann (parteilos). "Wir hatten uns aber wahrscheinlich nicht den richtigen Zeitpunkt für diese Idee ausgesucht." Die Corona-Pandemie und die Energiekrise verhinderten eine Umsetzung. Aber die Idee ließ die Stadt nicht los. "Es war schnell klar: Es muss im Sommer sein, es darf nicht so viel Strom verbrauchen und muss trotzdem Spaß machen", erklärt Volkmann.

Andreas Engert betreibt die Rollschuhbahn. Er lieferte dann die passende Idee. Normalerweise ist er mit Eislaufbahnen im Winter an verschiedenen Standorten in Sachsen präsent. "Die Rollschuhbahn ist eine gute Alternative", sagt er. "Sie ist ähnlich vom Design. Sie hat einen flachen Boden und man hat keine Energiekosten." Der einzige Unterschied wäre, dass der Boden nicht mit Wasser geflutet und gefroren werde.

70 Zentimeter Höhenunterschied

Für den Aufbau der Bahn musste aber erst noch der knapp 70 Zentimeter große Höhenunterschied auf dem Johannisplatz ausgeglichen werden. "Wenn die Bahn nicht steht, sieht man das gar nicht", findet Engert. Das große Problem war, dass über den Sommer alle Schwerlastböden bereits vermietet waren. "Es waren nur noch Zeltböden zu kriegen." Engert behalf sich, indem er Paletten unter den hölzernen Zeltboden stapelte. Mit Hilfe von Sponsoren sei es gelungen, die mehr als 1.000 Paletten für die Rollschuhbahn zu besorgen.

Betreiber Andreas Engert zeigt, wie hoch der Palettenstapel unter der Rollschuhbahn ist. "Auf der anderen Seite des Platzes ist er noch höher", sagt er. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Der Zeltboden wurde mit besonderem blauen Plastik ausgelegt, um ein gutes Fahrgefühl zu haben. Von Weitem könnte man den Platz fast für einen großen Swimmingpool halten. "Es sind so kleine Platten. Das kennt man aus dem Garten, wenn man sich einen Weg baut", erklärt Engert. "Es ist ein ähnliches Prinzip, nur etwas weicher, damit man es beim Fallen nicht ganz so hart und spröde hat."

An der Bahn können Rollschuhe ausgeliehen werden. Die Besucher können aber auch eigene Rollschuhe, Inlineskates oder sogar Roller mitbringen. Nur Skateboards sind nicht erlaubt. Jeden Samstag gibt es zusätzlich zum normalen Rollschuhbetrieb eine Rollschuhdisko mit verschiedenen Mottos zu erleben.

Rollatoren als Fahrhilfe für Anfänger

Für Rollschuh-Fahranfänger hat sich Betreiber Andreas Engert noch etwas Besonderes ausgedacht: Da es auf der Eislaufbahn sogenannte Eislaushilfen gibt, wollte er etwas Vergleichbares auch auf der Rollschuhbahn anbieten. Lange habe er überlegt und wollte schon etxra etwas schweißen lassen. "Aber dann bin ich auf den Rollator gekommen, der ist perfekt", erzählt Engert. "Man kann sich mal kurz hinsetzen, man kann sich festhalten, er hat eine Bremse und er ist in der Höhe einstellbar." Auch bei Jugendlichen seien die Rollatoren beliebt, mit denen sie sich zum Teil gegenseitig auf der Bahn umherschieben.

"Es ist ein sehr wackliges Gefühl", beschreibt Bürgermeister Robert Volkmann seinen ersten Versuch auf der Rollschuhbahn. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Bürgermeister Robert Volkmann traut sich an diesem Tag zum ersten Mal auf die Rollschuhbahn. "Ich kann gar nicht Rollschuhlaufen", verrät er lachend. Der Rollator gibt ihm bei den ersten Schritten Sicherheit, dann hangelt sich der Bürgermeister lieber an der Bande entlang. Auch die Zwillinge der Familie Großer wissen die Rollatoren zu schätzen. Während Louis schon ganz alleine über die Bahn saust, kann sich Lotta langsam an das Rollschuhfahren herantasten und sich nicht nur an ihrer Mutter, sondern auch am Rollator gut festhalten.

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MDR (ali)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 20. Juli 2023 | 13:30 Uhr