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Ausstellung zum 20. Todestag"Tübke und Italien": MdbK würdigt großen Leipziger Maler

06. März 2024, 15:05 Uhr

Das Museum der bildenden Künste (MdbK) in Leipzig würdigt den Maler Werner Tübke. Anlässlich seines 20. Todestags eröffnet das Haus eine neue Sonderausstellung, die sich der Auseinandersetzung des Malers mit Italien widmet. In den 70er-Jahren unternahm Werner Tübke drei Reisen dorthin. Auch durch die Verarbeitung des Gesehenen gelang ihm der internationale Durchbruch. Ulrike Thielmann hat die Sonderausstellung des MdbK für MDR KULTUR besucht.

Der Tod steht in der Gondel, um ihn herum das alte, prächtige Venedig. Wie ein Dämon trägt er schwarz-schillernde Flügel und eine rote Bischofsmitra. Eine beklemmende Kombination, zudem gesellschaftskritisch. Werner Tübke malte sie 1973 als "Tod in Venedig". Nun ist das Bild aus Weimar wieder in Leipziger Bildermuseum zu sehen – zusammen mit den besten und bekanntesten Italien-Bildern des Malers wie dem "Sizilianischen Großgrundbesitzer".

"Der Tod in Venedig" zählt zu den bekanntesten Gemälden des Leipziger Künstlers Werner Tübke. Bildrechte: VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Anlass ist die neue Tübke-Schau, die Frank Zöllner kuratiert hat. Zöllner ist in Leipzig Experte für Renaissance-Künstler wie da Vinci oder Michelangelo – und eben auch für den altmeisterlich agierenden, sozialistischen Realisten Tübke. Dieser sei letztlich eine Fortsetzung seiner Italienforschungen, sagte Zöllner MDR KULTUR. "Wenn man in Leipzig lebt und arbeitet, bietet sich das an. Außerdem hat der Maler ein technisches Niveau wie man es im 20. Jahrhundert selten findet."

Italiens Einfluss auf Tübkes Werk

Werner Tübke unternahm in den 1970er-Jahren mehrere Reisen nach Italien. Die Orte spiegeln sich in seinen Werken wieder – wie der Badeort der Römer. Bildrechte: VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Um Werner Tübkes Werk zu verstehen, muss um seine Begeisterung für die künstlerischen Strömungen Renaissance und Manierismus wissen. Von seinen rund 400 Gemälden sind 15 Prozent sicher von Italien beeinflusst, sagt Zöllner – indirekt dürften es weit mehr sein. Die manieristische Malweise mit ihren exotischen Farbkontrasten, exaltierten Posen sowie der überdefinierten Muskelrhetorik fesselte Tübke schon früh, sodass man ihn bereits vor seiner ersten Italienreise 1971 als Manieristen bezeichnen kann. Vieles hatte er in Illustrierten studiert oder am FFK-Strand, betont Frank Zöllner: "Es sind meistens Strandbilder, in denen er wie ein italienischer Manierist malt und zeichnet, bevor er nach Italien fährt. Und diese Bilder sind dann zum Teil auch in Italien ausgestellt worden. Er hat also seinen auf Zingst entwickelten Manierismus nach Italien geschafft und dort auch teilweise verkauft."

Florentiner Manieristen bevorzugt

Tübkes Hang zum Manierismus ging so weit, dass er sich ausdrücklich nur mit den Florentiner Manieristen identifizierte. Auf seiner Italienreise 1979 soll er beim Besuch in den Uffizien vor Bildern des Manieristen Pontormo kurzzeitig gedacht haben, sie stammten von ihm. Ein solches Bild aus den Uffizien, das "Martyrium der Zehntausend" von Pontormo zeigt die Ausstellung. "Tübke war ganz überrascht, dass in den Uffizien eine Tafel klebte, die besagte, dass das Gemälde nicht von ihm ist, sondern von einem Florentiner Manieristen des 16. Jahrhunderts. Die Geschichte ist mehrfach überliefert", erzählt Frank Zöllner.

Die Leipziger Ausstellung stellt Werner Tübkes Gemälde seinen italienischen Vorbildern wie dem Florentiner Maler Agnolo Bronzino gegenüber. Bildrechte: Gallerie degli Uffizi, Florenz

Beste und bekannteste Italien-Bilder des Malers

Um Werner Tübke in der Nachkriegsmoderne zu verorten, zeigt die Ausstellung auch klassische Italienansichten sowie ein Italien-Propaganda-Bild mit Volk und roter Fahne des Italieners Renato Guttuso. Auch Tübke musste in der DDR seinen politischen Auftrag erfüllen. Weil er keine Propagandakunst machen wollte, orientierte er sich an den alten Vorbildern und erschuf dennoch – etwa inmitten von Ritterrüstungen an Marionettenschnüren – gesellschaftskritische Aussagen, die nicht immer ganz auf Linie waren.

"Vielleicht, weil auch gerade der 'Sizilianische Großgrundbesitzer' die schöne Eigenschaft hat, dass er unsere Vorurteile bestätigt“, meint Fachmann Frank Zöllner. "Ein junger Mann mit einem dekadent wirkenden Hund: Ein typischer Repräsentant einer parasitären Klasse. Und das andere ist ja ein Landschaftsausblick in eine südliche Landschaft, die man in der DDR nicht sehen konnte.“

Der Leipziger Werner Tübke malte viele sizilianische Gesellschaftsporträts, häufig düster und mit morbider Symbolik. Bildrechte: VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Internationaler Durchbruch dank Emilio Bertonati

Immer wieder wird man in dieser sehenswerten Schau darüber nachdenken, wie sich Tübkes manieristische Malweise letztlich mit der sozialistischen Staatsmacht vertrug. Im Italien der 70er-Jahre jedenfalls war man begeistert. Und so zeigt die Ausstellung auch – im frisch restauriertem Rahmen – das Bildnis von Emilio Bertonati: eines Mannes mit stechendem Blick, Tübkes Galerist in Mailand, der 1971 mit einer Ausstellung ebenda für dessen internationalen Durchbruch sorgte.

Angaben zur Ausstellung"Tübke und Italien"
7. März bis 16. Juni 2024

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstr. 10, 04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Di, Do bis So von 10 bis 18 Uhr
Mi von 12 bis 20 Uhr
Feiertage von 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

Veranstaltungen (Auswahl):
6. März, 20 Uhr: Eröffnung der Ausstellung
17. März, 11 Uhr: Werkgespräch in der Ausstellung für nicht-sehende und sehende Menschen

Redaktionelle Bearbeitung: tmk

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 06. März 2024 | 07:40 Uhr

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