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Bundesweit hat man das Potential alter Zugstrecken erkannt. Auch in Sachsen sollen einige Strecken reaktiviert werden. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Ausbau des ÖPNVAusstehende Gutachten: Reaktivierung alter Zugstrecken in Sachsen stockt

von Max Heeke, MDR AKTUELL

Stand: 04. August 2022, 05:00 Uhr

In Sachsen sollen stillgelegte Zugstrecken wieder reaktiviert werden. Jetzt ist das Vorhaben aber ins Stocken geraten. Es fehlen Analysen möglicher Strecken.

Wer mit dem Zug von Leipzig Richtung Osten in die nahegelegene Kleinstadt Brandis fahren will, für den endet die Zugfahrt wenige Kilometer vor dem Ziel: In Beucha, fünf Kilometer vor Brandis, ist Schluss. Reisende müssen von hier in den Bus umsteigen. Das war aber nicht immer so. Viele Brandiser haben noch lebhafte Erinnerungen an den Zug und wie dieser zum Beispiel die Kinder zur Schule nach Leipzig gefahren hat.

2006 fuhr der letzte Personenzug den Bahnhof in Brandis an. Das Bahnhofsgebäude ist längst nicht mehr im Besitz der Bahn und verfällt langsam. Die Strecke aber könnte bald wieder ans Netz gehen, hofft Arno Jesse, Bürgermeister von Brandis: "Meine Amtszeit läuft noch fünf Jahre, das könnte, auch wenn es sportlich ist, vielleicht sogar in dem Realisierungshorizont liegen."

Gute Chancen für Brandiser Zugstrecke

Grund für die Hoffnung in Brandis ist ein Gutachten des sächsischen Wirtschaftsministeriums aus dem vergangenen Jahr. Darin wurden die Chancen für die Aktivierung von insgesamt 21 Zugstrecken in Sachsen untersucht. Die Strecken von Beucha nach Brandis und von Brandis ins weiter östlich gelegene Trebsen kommen dabei besonders gut weg: Bis zu 1.000 Fahrgäste könnte diese 16 Kilometer lange Strecke täglich befördern, schätzen die Gutachter.

Die Investitionen seien vergleichsweise gering. Auch weil die Strecke bis nach Trebsen noch genutzt werde, erzählt Bürgermeister Jesse: "Für den Güterverkehr ist sie in Betrieb. Natürlich muss man für den Personennahverkehr das ein oder andere sanieren, insbesondere die Haltestellen." Da gehe es schon um Investitionen, aber das Gleisbett sei offensichtlich in Ordnung, wenn schwerer Güterverkehr regelmäßig die Strecke befährt.

Weitere Untersuchungsergebnisse in zweiter Jahreshälfte

Auch die Verbindungen von Döbeln nach Meißen oder von Ebersbach nach Löbau in der Oberlausitz werden in dem Gutachten als untersuchungswürdig bewertet. Für diesen Juni hatte Wirtschaftsminister Martin Dulig weitere Untersuchungsergebnisse für immerhin noch vier Strecken angekündigt. In einer schriftlichen Antwort des Ministeriums an MDR AKTUELL heißt es nun: "Die angesprochenen Potentialanalysen liegen wegen coronabedingter Personalengpässe des Gutachters noch nicht vor. Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte vorliegen werden."

Auch wolle das Ministerium keine konkreten Angaben dazu machen, wann die Zugstrecken wieder ans Netz gehen könnten. Laut dem sächsischen Koalitionsvertrag soll bis 2030 der Anteil der Wege, die mit dem öffentlichen Personennahverkehr zurückgelegt werden, deutlich erhöht werden. Dafür brauche es auch reaktivierte Zugstrecken.

In Brandis jedenfalls ist die Vorfreude auf eine wiederbelebte Bahnverbindung groß: "Wir sehen und spüren eine große Identifikation der Bürgerschaft, wenn sie in der Stadt herumgehen und die Menschen auf das Thema ansprechen. Dann merken Sie: Da ist viel Rückhalt, es hat auch viel mit Identität zu tun", erzählt Bürgermeister Jesse.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 04. August 2022 | 06:00 Uhr