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In dem Koffer finden sich Spiele, Fotos, Bücher und vieles mehr. Bildrechte: Uwe Kelm

Wissen schafft AkzeptanzVielfältige Lebensweisen: "Regenbogenkoffer" für Schulen in Saalfeld

08. September 2023, 18:21 Uhr

20 "Regenbogenkoffer" sind derzeit in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen unterwegs. Darin sind Materialien und Methoden gesammelt zum Umgang mit vielfältigen Lebens- und Liebesweisen. Es geht um Familie, um Rollenbilder und um Akzeptanz.

von Uwe Kelm, MDR THÜRINGEN

Zum ersten Mal sind am Donnerstag in Saalfeld Lehrer und Schulsozialarbeiter am "Regenbogenkoffer" geschult worden. Darin sind Materialien und - noch wichtiger - Methoden gesammelt zum Umgang mit vielfältigen Lebens- und Liebesweisen, wie Melanie Schönheit von der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung sagt.

20 "Regenbogenkoffer" sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen unterwegs. Bezahlt werden die Koffer von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Nur Pädagogen, die den eintägigen Kurs belegt haben, können einen "Regenbogenkoffer" ausleihen. Veranstaltet werden die Kurse seit 2017.

Zwei Schulungen im Jahr werden angeboten, in dieser Woche war es die erste im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Dabei sind die Methoden aus dem im Koffer enthaltenen Handbuch besprochen worden. Dazu müssen die Teilnehmer selbst ihre Standpunkte einschätzen und Grenzen definieren.

Durch Wissen Akzeptanz schaffen

Die Frage, wie eine "normale" Familie aussieht, ist schwer zu beantworten. Vater, Mutter und zwei Kinder? Oder vielleicht zwei Frauen? Sind Alleinerziehende und ihre Kinder auch eine Familie? Dazu kommt die Frage, was die Entwicklung der eigenen Person damit zu tun hat.

Was normal sei, das definiere jeder für sich, sagt Melanie Schönheit von der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung. "Die Kinder identifizieren sich ja über ihre Familie und schauen dann auch, was ist bei den anderen los in der Familie. Was ist normal und was ist nicht normal." Bei Kindern beginne dies im Grundschulalter. Deshalb sind die Methoden im "Regenbogenkoffer" auch nach Alter gestaffelt. Um Sexualität geht es erst bei den Jugendlichen.

Niemand soll ausgegrenzt werden

Es geht auch darum, keine Worte im falschen Zusammenhang als Schimpfworte zu benutzen. Die zwölf Pädagogen, die an der Schulung im Saalfelder Landratsamt teilnehmen, sind der Meinung, so etwas werde schnell und oft ohne Verstand nachgeplappert. Zum Beispiel jemanden als "Homo" oder als "Schwuchtel" zu beschimpfen. Später könnte ein negativ besetzter Begriff der Entwicklung der jungen Menschen schaden.

In anderen Schritten geht es um die eigene Entwicklung und darum, wie die Geschlechterrollen in der Gesellschaft verteilt sind. Und um die Frage, ob das so sein muss. Das wird in den fünften und in den sechsten Klassen besprochen.

Die Themen zur Geschlechtlichen Identifikation und Diversität stehen erst bei den Klassenstufen sieben und acht im Handbuch des Koffers. "Bei der Entwicklung ist es wichtig, sich selbst zu kennen und, wenn es sein muss, auch andere in ihre Grenzen zu weisen", sagt Stefanie Höchst von der Schwangerenberatung des DRK, die die sexuelle Aufklärung von Schülern übernimmt.

Was bedeutet der Begriff Geschlechtsidentität?Der Begriff der Geschlechtsidentität beschreibt das subjektive Empfinden eines Menschen, dem männlichen, weiblichen oder einem dritten Geschlecht anzugehören oder zwischen den Geschlechtern zu stehen. Er wird häufig synonym mit dem Begriff sexuelle Orientierung verwendet. Tatsächlich sind das aber verschiedene Dinge. Die Geschlechtsidentität ist Bestandteil des Selbstverständnisses einer Person, der nicht nur durch die sexuelle Beziehung zu einer anderen Person bestimmt ist.

Den Bogen weiter spannen

Nicht nur in der sexuellen Entwicklung, auch in der Kultur ist ein weiterer Blick gefragt, merkt Schulsozialarbeiterin Lisa Schöntal aus Rudolstadt an. Es gehe darum, andere zu respektieren - auch die Kultur und die Essensgewohnheiten. Wer dann weiter über Pronomen nachdenkt, könne ja für sich entscheiden, wie man leben möchte.

Die Kursleiterin geht davon aus, dass statistisch in jeder Schulklasse mindestens ein Kind sei, das später nicht in einer heterosexuellen Beziehung lande. Auch wenn sich Jugendliche in der Regel erst in höherem Alter, nach der Schule, outen.

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MDR (gh)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. September 2023 | 07:00 Uhr

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