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HanfanbauAlbanien: Europas führender Cannabis-Produzent

10. März 2020, 13:26 Uhr

Albanien will der EU beitreten. Doch es gibt Hürden: Organisierte Kriminalität und Drogenhandel gelten als die größten Probleme des Landes. Insbesondere beim Cannabisanbau ist das Land europaweit führend.

Zu sozialistischen Zeiten galt Albanien als das am stärksten abgeschottete Land innerhalb des sozialistischen Lagers. Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1990 kam es zur schlagartigen Öffnung des Landes und in der Folge zu einer regelrechten Welle der Abwanderung: Bis 1996 verließen schätzungsweise 600.000 Albaner ihr Land und suchten in Westeuropa Zuflucht; 1998 folgten ihnen noch einmal mehr als 70.000 Menschen. Insgesamt leben heute mehr als 900.000 Albaner im Ausland.

Drogenanbau als Ausweg aus der Armut

Auch Ilir hat sein Glück zunächst in Griechenland versucht. Nachdem auch dort die Wirtschaftskrise ausgebrochen ist, kehrte er zurück und entschloss sich für den Anbau von Cannabis in den heimischen Bergen von Kruja. Diese Art von Landwirtschaft ist in Albanien zwar auch illegal, doch immerhin winken hier deutlich bessere Profite. Für zwei Kilogramm Marihuana bekommen die Bauern genau soviel wie für eine Tonne Weizen.

"Ich bin kein Krimineller, ich mache das aus Verzweiflung", sagt Ilir und zeigt seine kleine Cannabisplantage hinter dem Haus, die er vor zwei Jahren angelegt hat. Es gehe schlicht ums Überleben, sagt der 50-Jährige. Und damit ist er offenbar nicht allein. Nach Angaben albanischer Behörden gab es allein dieses Jahr über 1.250 Polizeieinsätze, bei denen mehr als 2,3 Millionen Cannabispflanzen zerstört wurden. Die 8.900 beteiligten Polizisten sollen darüber hinaus neun Tonnen Cannabis sichergestellt und 250 Händler und Produzenten festgenommen haben.   

Schwer zu kontrollierende Regionen

Ob diese beeindruckenden Zahlen zur einer nachhaltigen Veränderung führen werden? Albanien bietet gute Voraussetzungen als Cannabisproduzent für den europäischen Markt. Die entlegenen Bergregionen sind selbst aus der Luft schwer zu kontrollieren. Hinzu kommen die nach wie vor florierende Korruption und Vetternwirtschaft. Oft genug sitzen Polizei, Politik und die internationale Mafia in einem Boot. Auch das nahegelegene Italien ist auf dem Luft- oder Wasserweg schnell erreicht und bietet einen hervorragenden Absatzmarkt. Während ein albanischer Bauer für ein Kilogramm Marihuana etwa 300 Euro bekommt, ist im Nachbarland die gleiche Menge bereits das Zehnfache wert.

Das europäische Kolumbien

Wie sich die Summe dieser Faktoren auf die albanische Wirklichkeit auswirkt, konnte die Öffentlichkeit im Sommer 2014 beobachten. Nur sieben Tage bevor Albanien den Status des offiziellen EU-Beitrittskandidaten erhalten sollte, startete die albanische Polizei einen Großeinsatz gegen das Dorf Lazarat 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Tirana. Dieses war zu jenem Zeitpunkt bereits weit über die Landesgrenzen als die "europäische Hauptstadt des Cannabis" bekannt. Bis zu 900 Tonnen Rauschgift sollen die Bewohner jährlich geerntet haben. Eine Menge, die einem geschätzten Markwert von 4,5 Milliarden Euro entsprechen würde. Etwa so viel, wie ein Drittel des albanischen Bruttoinlandsprodukts. 

Nach Beginn der Operation hatte die Polizei zunächst zurückweichen müssen, weil die Dorfbewohner starken Widerstand geleistet hatte. Sie verteidigten ihre Marihuanafelder sogar mit Maschinenpistolen und Raketenwerfern. Erst zwei Tage später gelang es der Polizei, die Situation in Lazarat unter Kontrolle zu bringen. Zuvor waren die Sicherheitskräfte auf 800 Personen aufgestockt worden und gepanzerte Fahrzeuge angerückt.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV:MDR Aktuell | 22.03.2017 | 17:45 Uhr
MDR Aktuell | 03.03.2017 | 21:45 Uhr
LexiTV | 04.04.2016 | 15:00 Uhr