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FrauenorganisationDer DFD - Geschichte eines Frauenbundes

Stand: 17. März 2017, 14:05 Uhr

8. März 1947 - im Berliner Admiralspalast stimmen 811 Frauen aus der sowjetisch besetzten Zone und 104 Frauen aus den westlichen Besatzungszonen als Gründungsmitglieder für den Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD). Er ist die Folge der im Oktober 1945 gegründeten antifaschistischen Frauenausschüsse. Zum Festakt des Deutschen Frauenkongresses für den Frieden wird die Organisation gegründet. Die Vereinigung zu einem einheitlichen Bund folgt auf Anordnung aus der sowjetischen Besatzungszone. Dabei rückt auch die eigentliche Idee, antifaschistisch, demokratisch, unabhängig und ohne parteilichen Überbau zu agieren, mit der Gründung der DDR 1949 in den Hintergrund. Nach sowjetischem Vorbild soll der DFD zur Massenorganisation geformt werden. Kleinere unabhängige Frauenausschüsse oder –verbände haben keine Chance, neben dem übermächtigen Frauenbund zu bestehen. Als Teil der Nationalen Front hat der DFD zudem Sitze in der Volkskammer.

Das eigentliche Ziel ist nicht die Gleichberechtigung...

1947 wird Elli Schmidt die erste Vorsitzende. Abgelöst wird sie sechs Jahre später von der damals 33-jährigen Ilse Thiele, die bis 1989 an der Spitze der Organisation steht. Thiele prägt maßgeblich die Rolle, die der Frauenbund in den kommenden Jahrzehnten einnimmt. Vordergründig geht es um die Gleichberechtigung der Frau, um gleiche Löhne für gleiche Arbeit.

So wirkt der Bund unter anderem an der Ausarbeitung des von der Volkskammer am 27. September 1950 verabschiedeten "Gesetzes zum Schutz von Mutter und Kind und über die Rechte der Frau" mit. Ab 1952 ist der DFD auch in den Bezirks- und Kreistagen vertreten. Die Mitglieder treffen sich meist vierteljährlich zu Veranstaltungen, bei denen über Kinderpflege, Haushaltstipps und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf referiert wird.

Hintergründig zieht jedoch die SED die Fäden. Forderungen nach Gleichberechtigung und Frieden werden vorangestellt, um das eigentliche Ziel, der Mangelwirtschaft in der DDR entgegenzuwirken und die Produktion der Betriebe zu steigern, zu erreichen. Dazu ist die Arbeitskraft der Frauen nötig.

Der Spagat zwischen Ideal und Wirklichkeit

Häufig scheitert das sozialistische Ideal jedoch an der Realität. Einige Frauen sind überfordert: voll erwerbstätig zu sein, gesellschaftlich und politisch aktiv und abends dann noch Haus-, Ehefrau und Mutter. All diese Rollen unter einen Hut zu bringen, ist die gesellschaftliche Prämisse, für deren Umsetzung der DFD arbeitet.

Ortsgruppe DFD 1982 Bildrechte: imago/photo2000

Nach dem ersten Frauenkongress im Juni 1964 richtet sich der DFD verstärkt an die Frauen, die einerseits in das politisierte Leben integriert und andererseits für eine berufliche Tätigkeit gewonnen werden sollen.  In der DDR leben zu der Zeit ca. acht Millionen Frauen, davon sind in den Hochzeiten nur etwa 1,4 Millionen Frauen Mitglied im DFD. Daher muss vor allem auf Kreisebene die Werbetrommel gerührt werden, um mehr Mitglieder zu gewinnen.

Die DFD-Vorsitzende Ilse Thiele verkündet auf dem ersten Frauenkongress 1964 bereits den Abschluss der SED-Gleichberechtigungspolitik:

Mit Recht können wir also sagen: Wir Frauen haben unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat mit geschaffen, wir gestalten das Leben seiner Bürger mit, wir haben ihn mit in unsere Hände genommen. Bei uns haben die Köchinnen gelernt, den Staat zu regieren!

Ilse Thiel

Die Ideologie der Staatspartei war also immer das Fundament, auf dem der DFD aufgebaut wurde.

Beratung, wie frau (theoretisch) alles unter einen Hut bekommt

Seit 1971 schafft der DFD in den Bezirks- und Kreisstädten sogenannte "Beratungszentren für Haushalt und Familie", um berufstätige Mütter und junge Menschen auf Ehe und Familie vorzubereiten. Zwar nimmt der DFD sich also der Alltagsprobleme, wie Wohnungssuche, Gewalt gegen Kinder und Frauen, hohe Scheidungsraten engagiert an. Er sorgt aber selten dafür, dass deren Ursachen und Ausmaße thematisiert werden. Denn dann hätten auch die Ursachen benannt werden müssen und auch was eigentlich mit "Gleichberechtigung" gemeint ist, wenn nur Frauen neben dem Beruf selbstverständlich auch Haushalt und Familie als Aufgabe zugeschrieben werden.

Und nach der Schicht die zweite Schicht: Haushalt, Einkauf Wäsche. Bildrechte: dpa

Die Generation Ilse Thieles macht das Gros der Mitglieder im DFD aus. In den 1970er- und 1980er-Jahren steigen die Mitgliederzahlen nicht mehr an. Die jüngeren Frauen leben einerseits ihre "Gleichberechtigung" bereits von innen heraus - die Kinder-Betreuungsstrukturen zwingen Frauen nicht zu einer Entscheidung für oder gegen die Berufstätigkeit, wenn sie Kinder bekommen wollen. Sie haben schließlich auch nach der Wende gegenüber Frauen aus der BRD zumindest einen strukturellen Gleichstellungsvorsprung in Bezug auf Weiter- und Fortbildung. Andererseits gibt es kein Bedürfnis mehr nach einer politisch gesteuerten Organisation, die ihnen ihre Rolle vorschreibt.

Keine unabhängige Politik der Frauen

Der Beitrag des Frauenbunds der DDR zur Gleichberechtigung ist also immer aus zwei Perspektiven zu betrachten. Einerseits hat die Politik der SED tatsächlich dazu beigetragen, dass eine Gleichberechtigung in Bezug auf das Berufsleben erreicht worden ist. Auch gerade auf Kreisebene hatten die Frauen noch mehr Gestaltungsspielräume, was die einzelnen Themen ihrer Veranstaltungen betraf.

Die erlangte Gleichberechtigung muss jedoch immer auch als Mittel zum Zweck der SED-Politik betrachtet werden – nämlich die Steigerung der Produktion und die Umsetzung des sozialistischen Ideals.  

Der ideologische Überbau ist schließlich auch jener Kritikpunkt, der von einer Parole bei den Demonstrationen 1989 im Gedächtnis bleibt: "Schluss mit dem DFD – Dienstbar, Folgsam, Dumpf".

Und der Demokratische Frauenbund heute?

Heute existiert der Bund immer noch als Demokratischer Frauenbund e.V. (dfb). In vielen ostdeutschen Städten ist der dfb heute Träger verschiedenster sozialer Angebote für Frauen in allen Lebenslagen. Die Angebote reichen dabei von sozialpsychologischen Beratungsstellen für Schwangere, vom Kieztreffpunkt über Mehrgenerationenhäuser bis zu Kinderbetreuungen, Jugendtreff und Ferienspielen.