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Politik und LiebeErich Honecker und die Frauen

Stand: 02. Dezember 2021, 12:03 Uhr

Erich Honeckers Privatleben war in der DDR stets ein Tabu. Aus gutem Grund: Der linientreue Funktionär riskierte einiges für die Liebe. Zeitweise setzte er sogar seine politische Karriere für "ein hübsches junges Mädchen" aufs Spiel, das als Pionierleiterin begann und bis zur Volksbildungsministerin der DDR aufstieg.

Erich Honeckers Liebesleben erstaunt: Insgesamt dreimal war der spätere Staats- und Parteichef verheiratet. Eine Tatsache, die in der DDR fast wie ein Staatsgeheimnis gehütet wurde. Aus verschiedenen Gründen:

Die Gefängniswärterin: Charlotte Schanuel

Seine erste Frau, Charlotte Schanuel, lernte Honecker während seiner Inhaftierung in Nazideutschland kennen. 1935 war der überzeugte Kommunist und Untergrundkurier wegen Hochverrats zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Ab 1943 war er einem Arbeitskommando zugeteilt, dass in Berlin Bombenschäden reparieren musste, während dieser Zeit war Honecker zeitweilig in einem Frauengefängnis untergebracht. Dort traf er seine Zukünftige - eine Aufseherin. 1946 gaben sich die beiden das Ja-Wort. Aber bereits zwei Jahre später verstarb Charlotte Schanuel. Honecker musste sich wegen dieser Ehe später vor seinen Genossen rechtfertigen.

Die ältliche Genossin: Edith Baumann

Honecker war noch verheiratet, als er im Sommer 1947 auf einer Moskau-Reise ein Verhältnis mit der um drei Jahre älteren Edith Baumann begann. In einem Interview erzählte Honecker 1990: "Ich war damals sehr anlehnungsbedürftig. Wir haben oft zusammen gesessen, auch bei ihr zu Hause in Mühlenbeck. Außerdem konnte sie flott Schreibmaschine schreiben." Honecker war zu der Zeit Vorsitzender der neugegründeten FDJ, Edith Baumann seine Stellvertreterin. "Ich habe mich immer ein bisschen gewundert", erinnerte sich Politbüromitglied Gerhard Schürer, "weil politisch waren die natürlich ein erfahrenes Paar, aber so menschlich ... Honecker war ein junger hübscher Mann mit einer guten Figur, sie war eine ältlich wirkende Genossin."

Für Edith Baumann war Honecker die große Liebe. Im Dezember 1949 wurde sie schwanger und die beiden Funktionäre heirateten. "Die Moral und der Anstand der damaligen Zeit haben Honecker veranlasst, Edith Baumann zu heiraten", mutmaßt Klaus Herde, später ein enger Mitarbeiter von Honeckers dritter Frau Margot. "Für Honecker war es keine Liebesheirat, sondern das war 'Pflicht geht vor Kür'."

Das hübsche junge Mädchen: Margot Feist

Die Kür folgte noch in dem Monat, in dem Honecker Edith Baumann geheiratet hatte. Honecker fuhr als Mitglied einer DDR-Delegation nach Moskau, um Stalins 70. Geburtstag am 18. Dezember zu feiern. Mit dabei war auch Margot Feist.

Sie war damals 22 Jahre alt und Leiterin der Pionierorganisation "Ernst Thälmann", die jüngste Abgeordnete der Volkskammer der DDR. "Margot hat mich erstmal fasziniert, weil sie ein hübsches junges Mädchen war", erinnerte sich Honecker später an ihre erste Begegnung. "Zweitens hat mich fasziniert, dass sie auch sehr aktiv tätig war in der Partei." Erich Honecker versuchte, die Affäre mit der um 15 Jahre jüngeren Margot Feist zu verheimlichen. Aber das gelang ihm nur wenige Wochen, denn fast jeden Abend fuhr er nach Dienstschluss direkt in die Wohnung seiner Geliebten. Seine Frau Edith aber war keineswegs bereit, kampflos das Feld zu räumen. In ihrer Not schrieb sie sogar einen Brief an SED-Chef Walter Ulbricht: "Erich kommt nie vor 1:00 Uhr nachts nach Hause und phantasiert das wildeste Zeug ..." Sie forderte Ulbricht auf, ein Machtwort zu sprechen und die junge Nebenbuhlerin in die Provinz zu versetzen.

Eine Affäre gegen jede Regel

"Es wurde oft gesagt, dass sich Margot vor allem deshalb mit Erich eingelassen hatte, um auf diese Weise ihre Karriere zu fördern", weiß Autor Ed Stuhler, der auch eine differenzierte Biografie über Margot Honecker vorlegte. "Aber das ist Unsinn, denn zu dieser Zeit war es für beide ein großes Risiko, so ein Verhältnis einzugehen." Und in der Tat verstieß die Affäre gegen die offiziellen Moralvorstellungen der Partei. Offenbar war Honecker bereit, den Preis zu zahlen. In einem Brief schrieb er damals, dass er nie mehr von Margots Seite gehen wolle, notfalls würde er eben wieder als Dachdecker arbeiten. Das musste er nicht. Auch weil er im Staatspräsidenten Wilhelm Pieck einen mächtigen Fürsprecher hatte: Der "hatte einen sehr großen Anteil daran, dass das Ganze ohne Skandal abgelaufen ist", meint Gerhard Schürer. Walter Ulbricht dagegen, der die sozialistische Moral hochhielt, war zunächst entsetzt über Honeckers Liebesleben.

Das Politbüro interveniert

Im Sommer 1952 befasste sich sogar das Politbüro mit der "wilden Ehe" des Genossen Honecker und der Genossin Feist: In Tagesordnungspunkt 20 wurde den beiden allerdings ein gemeinsamer Urlaub in der Sowjetunion bewilligt. Man forderte zugleich eine zügige Klärung der Verhältnisse. Honecker wohnte damals noch immer mit seiner Frau Edith und der 1950 geborenen Tochter Erika in einer gemeinsamen Wohnung. Jetzt aber war Margot Feist hochschwanger.

Im Januar 1955 willigte Edith Baumann auf Betreiben Ulbrichts in die Scheidung ein. Kurz darauf heiratete Erich Honecker seine Geliebte. Seine Hochzeit machte Eindruck bei den Genossen - das ganze Treppenhaus soll mit Rosen überstreut gewesen sein. Drei Jahre später zog das Ehepaar in die Politbüro-Siedlung nach Wandlitz. In ihren Biografien gaben beide allerdings später als Hochzeitsdatum das Jahr 1953 an. Margot Honecker war, so ihr Biograf Ed Stuhler, die lange Zeit der wilden Ehe äußerst peinlich.

Edith Baumann schaffte es in den 1960er-Jahren bis zur Kandidatin des Politbüros der SED. Sie starb 1973 im Alter von 64 Jahren. Den Trauerzug führte Erich Honecker an.

Zitate aus: Die Honeckers privat, Film von Ed Stuhler und Thomas Grimm, MDR 2003; Honecker und die Frauen, exakt, MDR 2003