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Caspar David Friedrichs Gemälde "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes": Der reale Ort hinter dem Gemälde lässt sich auf dem Caspar-David-Friedrich-Wanderweg in der Sächsischen Schweiz besuchen. Einer unserer Tipps für das Wochenende! Bildrechte: imago images/Everett Collection

Kulturelle AusflugszieleWohin am Wochenende? Tipps für Bad Schandau, Mühlhausen und Bernburg

11. April 2024, 15:30 Uhr

Sie haben am Wochenende noch nichts vor? Das sind unsere Tipps: Zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich gibt es einen Wanderweg zu Orten in der Sächsischen Schweiz, die den Maler inspiriert haben. In Mühlhausen macht die Wanderausstellung "ToleranzRäume" Halt – mit einem buntem Rahmenprogramm. Und in Bernburg gibt es ungewohnte Töne: eine Lesung in Mundart mit Musik.

von Judith Burger, MDR KULTUR

Von sehr netten, in Wien lebenden Menschen habe ich ein neues Wort gelernt, dass ich Ihnen zum Gebrauch vorschlagen möchte. Wenn man einigermaßen fertig ist, ausgepowert, überarbeitet – was auch immer – dann sagt man in Österreich: Ich bin "streichfähig". Etwa so: Heute noch ins Fitnessstudio? Och nö, ich bin echt streichfähig. Wenn Sie sich gerade genauso fühlen, dann fließen Sie bitte recht streichfähig ins und um das kommende Wochenende herum, als wäre es ein Brot. Und jetzt kommt der Aufstrich … äh, die Tipps.

Sächsische Schweiz: Auf den Spuren von Caspar David Friedrich

Manchmal gibt es Gemälde, in die möchte man nach längerem Beschauen hineinfallen, sich drin einmal ganz langmachen und in den gemalten Himmel gucken. Wie wäre es mit "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" von Caspar David Friedrich? Direkt ins Bild hinein funktioniert zwar nicht, aber Sie könnten an genau die Stelle gehen, die der Künstler 1819 verewigt hat.

Auf dem 15 Kilometer langen Wanderweg kommt man an einige reale Orte, die Caspar David Friedrich zu seinen Bildern inspirierten. Bildrechte: MDR/Grit Krause

Denn es gibt einen 15 Kilometer langen Wanderweg durch die Sächsische Schweiz, er beginnt und endet in Bad Schandau OT Krippen, wo Friedrich 1813 Ruhe suchte und fand. Elf Infotafeln mit Abbildungen säumen den Weg, der Friedrich zu Gemälden inspirierte – so können Sie gleich an Ort und Stelle Original und Kunstwerk überprüfen und erfahren zudem lauter Wissenswertes über die Verbindung des Malers zur Kaiserkorne oder zum Lilienstein.

Service-Informationen zum Wanderweg (zum Ausklappen)

Der Wanderweg beginnt in Bad Schandau, OT Krippen, und endet auch dort. Er streift folgende Punkte:
Krippen - Parkplatz - Elberadweg - Ziegelscheune - Mittelhangweg - Hirschgrund - gelber Strich - Schöna - Hauptstraße - Bahnhofstraße - roter Punkt - Kaiserkrone - roter Punkt - Grundweg - Zigeunergrund - Neue Siedlung - Forstamtweg - Wolfsberg - Zum Wolfsberg - Reinhardtsdorf - blauer Punkt - Am Viehbigt - Malerweg - Krippenberg - grüner Punkt - Püschelweg - Steinbruch - Krippen - Bächelweg - Parkplatz Krippen

Der Weg ist ausgeschildert. Die 15 Kilometer mit leichtem Schwierigkeitsgrad sind in ca. 4 Stunden zu schaffen.

Mühlhausen: Sich in Toleranz üben

In Mühlhausen steht vorübergehend ein Toleranzcontainer auf dem Obermarkt. Die darin befindliche Wanderausstellung wurde am Dienstag eröffnet und dreht sich um Fragen wie: Was KANN eine Gesellschaft aushalten? Was MUSS eine Gesellschaft aushalten? Wie können wir besser zusammenleben? Wenn jeder anders ist, ist man es vielleicht selber auch?

Fast ganz Mühlhausen beschäftigt sich vom 9. bis 22. April 2024 mit der Toleranz. Bildrechte: IMAGO / Funke Foto Services

"ToleranzRäume" wird flankiert von einem vielfältigen Rahmenprogramm: Da gibt es Sitztanz, eine Lesung mit Anja Tuckermanns Kinderbuch "Alle da", einen Demokratie-Escape-Room oder die Ausstellung mit Phil Hubbe in der Stadtbibliothek: Hubbe, an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, zeichnet Cartoons über das Leben mit Behinderungen.

Bernburg: Mundart-Lesung mit Musik

Ich stamme aus Halberstadt und dort grassiert ein alter Spruch: Mit baade Baane in aan Aamer und kaane Saafe, sone Schaaße. Ich übersetze: Mit beiden Beinen in einem Eimer und keine Seife, so eine Scheiße (ups!). Das sogenannte "klare A" dieser Gegend kann nicht jeder intonieren. Mit Dialekt und Mundart vermag man gleichzeitig Zugehörigkeit und Abgrenzung betonen.

Im wunderschönen Bernburg, berühmt für sein Schloss, findet am Samstag die Mundart-Lesung mit Musik statt. Bildrechte: IMAGO / Zoonar

Haben Sie Lust auf Mundart? Ist doch mal was anderes. Der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt lädt am Samstag zu einer Mundart-Lesung ein. Autor*innen lesen Geschichten in Mundart, die Gruppe "Tagelöhner" musiziert dazu und diskutiert werden darf auch. Ich könnte wetten, dass sich dort zum Beispiel noch ganz andere Begrifflichkeiten für den Zustand des "Streichfähig-Seins" erfragen lassen.

Weitere Informationen zur Lesung (zum Ausklappen)

Initiiert vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt

Wo:
Kulturstiftung Bernburg
Friedrichstraße 27
06406 Bernburg

Wann:
Samstag, 13. April, 14 Uhr

Der persönliche Tipp: "Blutbuch" lesen

2022 wurde der Roman "Blutbuch" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Ungläubig nahm ich damals zur Kenntnis, dass Kim de l'Horizon, der/die sich als non-binäre Person definiert, nach der Preisverleihung einen Sicherheitsdienst benötigte (der Toleranzcontainer lässt grüßen). Zufällig geriet mir das Buch letztens in die Hände: Schon nach der ersten Seite war ich völlig gefangen.

Kim de l'Horizon, in der Schweiz geboren, erzählt von Mutter ("Meer"), Großmutter ("Großmeer"), von Hexen, Frauen, seiner Kindheit, über die Entdeckung des Körpers und darüber, wie sich die Erzählerfigur erst befreit und dann zurückfindet. Ein Spaziergang ist dieses Buch nicht. Mich hat es ergriffen und schweratmend zurückgelassen.

Kim de l'Horizon erhielt 2022 den Deutschen Buchpreis für seinen außergewöhnlichen Roman "Blutbuch". Bildrechte: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Kim de l'Horizons Sprache ist wunderschön und manchmal auch brutal. Und weil besondere Wörter in diesem Newsletter eine Rolle spielen, verrate ich Ihnen noch eins aus diesem Roman: Kleine Kästchen heißen im Berndeutschen "Truckli". Die Großmeer hat viele davon – und alle sind leer. Als Kind hat die Erzählerfigur im Roman Angst, auch so ein leeres "Truckli" zu werden. Wird es zum Glück nicht. "Blutbuch" ist bei DuMont erschienen.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | Empfehlungen fürs Wochenende | 22. März 2024 | 07:40 Uhr