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Energiewende mit dem SüdostlinkOberirdisch oder unterirdisch? Debatte um Stromtrassen in Mitteldeutschland

24. Mai 2024, 08:58 Uhr

Die Windkraft spielt eine zentrale Rolle bei der Energiewende. Ein großer Teil der Energie kommt aus dem Norden. Über Stromtrassen wie den Südostlink, der auch durch Mitteldeutschland verlaufen soll, soll die Energie künftig abtransportiert werden. Eigentlich sollten aus Rücksicht auf die Anwohner die Leitungen unter der Erde verlegt werden. Doch nun fordern einige Politiker oberirdische Trassen.

Bis zu 4.000 Megawatt Strom sollen künftig über die Stromtrasse Südostlink von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis nach Landshut in Bayern fließen. Das entspricht einer Leistung von 1.400 voll ausgelasteten Windrädern. Der Südostlink soll quer durch Sachsen-Anhalt, den Osten Thüringens und einen kleinen Zipfel im sächsischen Vogtland verlaufen, bevor er in Bayern ankommt.

Ein Abschnitt der Trasse liegt im Thüringer Landkreis Greiz. Noch hätten die Bauarbeiten dort nicht begonnen und steckten im Planungsverfahren, sagt Martina Schweinsburg. Die Landrätin stimmt Vorschlägen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt für oberirdische Leitungen zu.

Eine unterirdische Verlegung der Leitungen ist für Schweinsburg eine Art Kompromissvorschlag. Denn wenn an der Leitung etwas repariert werden müsse, seien "Buddelarbeiten" nötig, unter Umständen mitten im Fruchtfolgejahr. "Für mich hat die unterirdische Verlegung mittel- und langfristig mehr Auswirkungen als die oberirdische Verlegung", sagt Schweinsburg. Sie befürchtet, dass so der Boden von betroffenen Äckern unbrauchbar für die Landwirtschaft wird.

Energieministerium: Beide Lösungen sinnvoll

Ganz anders sieht das Andreas Heller. Er ist Landrat im benachbarten Saale-Holzland-Kreis, ebenfalls in Thüringen. Schriftlich teilt er mit: "Wir haben zu Beginn des Projekts gemeinsam mit den Bauern, mit Bürgermeistern und Abgeordneten jahrelang darum gekämpft, dass die Trasse – wenn sie denn kommen muss – unterirdisch verlegt wird. Dafür haben sich auch zahlreiche Bürger eingesetzt. Dabei sollte es aus meiner Sicht auch bleiben." Erdkabel seien flächensparender. Oberirdische Leitungen würden mehr Gefahrenquellen bergen, etwa durch Blitzschlag, so der Landrat.

Laut Thüringer Energieministerium können beide Lösungen sinnvoll sein. Auf Anfrage von MDR AKTUELL teilt ein Ministeriumssprecher schriftlich mit: "Je nach Verhältnissen vor Ort sollte entschieden werden, ob Freileitung oder Erdkabel sinnvoller und wirtschaftlicher ist – da braucht es keinen einseitigen Vorrang für die eine oder andere Variante."

Die Planungen des Bundes für die Abschnitte in Thüringen seien aber bereits zu weit fortgeschritten, so der Sprecher weiter. Daher würde eine neue Debatte am Bauvorhaben Südostlink nichts mehr ändern.

Verbände sprechen sich für oberirdische Trassen aus

Neben Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann haben sich auch mehrere Verbände für oberirdische Trassen ausgesprochen. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck fordern der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Bauernverband, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Bundesverband der Verbraucherzentralen die aktuelle Planung zu überdenken. Die Verbände wollen, dass die Stromtrassen Nordwestlink, Südwestlink und Ostwestlink komplett oberirdisch gebaut werden.

Henning Herbst, Sprecher von Verbraucherzentrale Bundesverband sagt, dass davon gesprochen werde, dass dadurch auch 20 Milliarden Euro eingespart werden könnten. "Das hat natürlich auch eine Auswirkung auf den Strompreis und die Netzentgelte und würde sich dann auch sehr positiv für die Verbraucher und Verbraucherinnen auswirken", sagt Herbst.

Ob es tatsächlich dazu kommt, dass die Stromtrassen oberirdisch gebaut werden, ist noch offen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich bisher noch nicht festgelegt.

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 23. Mai 2024 | 06:05 Uhr

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