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Bei großen Online-Verkaufsplattformen richten auf Betrüger Fakeshoips ein. Bildrechte: IMAGO/Bihlmayerfotografie

CyberkriminalitätOnline-Shopping: Wie eine neue Betrugsmasche Opfer zu angeblichen Tätern macht

07. Februar 2024, 08:26 Uhr

Beim Online-Shopping kursiert eine neue Betrugsmasche, eine Variante des sogenannten Dreiecksbetrugs – und zwar auf Amazon und eBay. Betrüger kaufen mit Kundendaten Ware auf Rechnung, die Kunden erhalten Mahnungen.

In einem Shop auf eBay hat Britta Lindholm-Ahrens ein Bobbycar entdeckt – ein Geschenk für ihr Enkelkind, für 36,99 Euro. Sie bezahlt und wenige Tage später ist das Bobbycar bei ihr. Soweit, so normal. Doch einige Wochen später erhält sie ein Schreiben von der Firma Thalia: Eine letzte außergerichtliche Mahnung. "Ich hatte nie was bei Thalia bestellt", erzählt Lindholm-Ahrens, "da war ich mir sicher. Bei eBay ist mir gar nichts aufgefallen, es wirkte wirklich seriös, alles ganz normal."

Dreiecksbetrug im Internet: So funktioniert die Masche

Britta Lindholm-Ahrens ist, wie viele andere Menschen zurzeit auch, Opfer einer neuen Masche von Internetbetrügern geworden. Dabei gründet der Betrüger auf den Plattformen Amazon und eBay einen Fakeshop und bietet dort einen Artikel an. Der Käufer bezahlt ihn, wobei er natürlich auch seine Daten angibt, zum Beispiel seine Adresse. Diese Daten missbraucht der Betrüger. Er bestellt damit den Artikel in einem echten Onlineshop, und zwar auf Rechnung. Das Produkt lässt er an den Käufer liefern.

Die Rechnung zahlt der Betrüger im Nachhinein natürlich nicht, er behält das Geld des Käufers. Geschädigt ist der seriöse Onlineshop – im Fall von Britta Lindholm-Ahrens Thalia. Deshalb schickte Thalia Wochen später Mahnungen an die Kundin.

So verwischen die Betrüger ihre Spuren

Die Zwischenzeit nutzen die Täter, um ihre Spuren zu verwischen, erklärt Hans-Joachim Henschel vom Landeskriminalamt Niedersachsen. "Die Täter können tatsächlich von überall her sein: aus dem Inland, aus dem Ausland. Das können Einzeltäter sein oder auch mehrere Täter, die untereinander vernetzt arbeiten, sich aber privat gar nicht kennen. Sie nutzen Anonymisierungsdienste, fremde Konten und Kryptowährungen, um den Geldfluss zu verschleiern."

Betroffene sollten so schnell wie möglich Strafanzeige stellen

Das perfide an der Masche ist, dass hier die eigentlichen Opfer zu angeblichen Tätern gemacht werden. Nach Recherchen des Verbrauchermagazins "Markt" vom Norddeutschen Rundfunk tritt diese neue Form des Dreiecksbetrugs aktuell immer häufiger auf. Die Identität der Täter bleibt oft unklar.

Auch wenn es sich meist nur um kleine Beträge handelt: Unterm Strich scheint sich die Masche zu lohnen, so Hans-Joachim Henschel. "Da macht's tatsächlich die Masse, weil ich wirklich mit vielen kleinen Betrügereien und Fällen viel Geld ansammeln kann – und das über einen längeren Zeitraum."

Wer auf die Masche hereingefallen ist, dem rät die Polizei vor allem, möglichst schnell Strafanzeige zu stellen. Denn je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, die Täter zu kriegen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 05. Februar 2024 | 16:25 Uhr