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Die Weinreben sind zwar grün – doch das ist noch lange kein Grund zur Freude für die Weinbauern in Mitteldeutschland. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Buzzi

Später FrostBauern erwarten dieses Jahr deutlich weniger und schlechteren Wein

29. Mai 2024, 07:06 Uhr

Die Weinlese in Mitteldeutschland wird in diesem Jahr wegen eines späten Frosts nicht ertragreich sein. Maximal 20 Prozent einer gewöhnlichen Ernte prognostiziert der Weinbauernverband Saale-Unstrut. Der Bund will die Weinbauern finanziell nicht unterstützen. Langfristige Lösungen gibt es, diese brauchen aber Zeit.

Der Frost vor einigen Wochen besorgt Weinbauern in Mitteldeutschland. Nie dagewesene Ausfälle – das war die Prognose nach Frost vor einigen Wochen. Felix Hößelbarth, Vorsitzender der Weinbauern Sachsen, formulierte es im Gespräch mit MDR AKTUELL Ende April so: "Ein Spätfrost, der wirklich flächendeckend im ganzen Anbaugebiet zugeschlagen hat, sagen die alten Winzer, haben sie so noch nicht erlebt."

Seine Kollegin bei den Weinbauern Saale-Unstrut, Anja Polomski, sagte Totalverluste voraus: "Das bedeutet natürlich eine Riesenkatastrophe. Also wir haben wirklich einen kompletten Totalausfall von 90 bis 100 Prozent."

Prognose: weniger und schlechterer Wein

Doch aktuell werden die Weinberge wieder grün, die Rebstöcke scheinen sich zu erholen. Waren die Einschätzungen der Weinbauern also zu düster? Nein, sagt der Präsident des Weinbauernverbands Saale-Unstrut, Hans Albrecht Zieger, MDR AKTUELL. Denn nur, weil der Wein gerade wieder austreibe, heiße das nicht, dass er noch Trauben tragen werde: "Das ist ein rein vegetatives Wachstum ohne Fruchtansatz."

Die Rebstöcke sind Zieger zufolge sozusagen im Überlebensmodus. Für die gesamte Anbaufläche im Gebiet Saale-Unstrut prognostiziert er nach wie vor: Maximal 20 Prozent einer gewöhnlichen Ernte werden möglich sein. Die Lage sei dramatisch. Denn es könne einzelne Weingüter geben, die nahezu einen Ertragsausfall hätten. "Wo man sich überlegen muss, ob man überhaupt noch eine Lese in dem Weinberg durchführt. Weil das, was man erntet, wahrscheinlich nicht ansatzweise die Kosten der Lese decken wird", sagt Zieger.

Selbst wenn der Frost nicht alle Fruchttriebe zerstört hat: Die späte Kälte vor einigen Wochen wird nicht nur Auswirkungen auf die Menge haben, sondern auch die Qualität des Weines, sagt Biologe Peter Nick, der am Karlsruher Institut für Technologie zu Kältestress bei Weinpflanzen forscht. Zwar habe die Natur einen Plan B, aber: "Natürlich sind die Erträge und auch vor allem die Qualität deutlich geringer." 2021 sei es ähnlich gewesen. "Das hat man dann gemerkt, dass ein Drittel weniger Qualitätswein produziert wurde in dem Jahr." Der späte Frost habe also über die Quantität hinaus Auswirkungen auf die Weinernte.

Keine finanzielle Unterstützung von Weinbauern vom Bund

Hilfen für die Winzer, wie sie Sachsen-Anhalts Agrarminister Sven Schulze von der Bundesregierung gefordert hat, hat der Bund bisher abgelehnt. Schulzes Kollege in Sachsen, Wolfram Günther, hat den Weinbauern im Freitstaat zumindest Landeshilfen in Aussicht gestellt. Wie hoch die ausfallen müssten, hängt von den konkreten Schäden ab, die immer noch erfasst werden.

Der Schaden wird auch davon beeinflusst, wie heiß oder trocken der Sommer ausfällt. Denn Hitze und Dürre werden wegen des Klimawandels häufiger und stressen die Weinreben zusätzlich. Um künftig nicht jährlich auf Notfallmaßnahmen oder gar Staatshilfen angewiesen zu sein, muss sich der Weinbau deshalb anpassen. Das stellen Weinbauer Zieger und Forscher Nick gleichermaßen fest.

Langfristige Lösung: widerstandsfähige Rebsorten

Nick forscht für eine langfristige Lösung an neuen oder vergessene Rebsorten. "Man kann durch die Auswahl der Reben sehr viel drehen", sagt er. Doch die Rebauswahl sei eine Entscheidung, die ein Weinbaubetrieb einmal im Leben mache. "Denn so ein Weinberg, wenn der angelegt ist, dann wird er ja 30 bis 40 Jahre betrieben", erklärt Nick.

Weinbaupräsident Zieger sagt, dass es dazu zudem die Offenheit der Konsumenten brauche. Denn neue Rebsorten seien weniger bekannt als Riesling, Grauburgunder und Co. und ließen sich daher schwieriger vermarkten. Mittelfristig bleiben den Weinbauern also wohl nur Notfallmaßnahmen und die Hoffnung auf weniger Spätfrost.

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 29. Mai 2024 | 06:55 Uhr