Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Die Absatzzahlen für Wärmepumpen in Deutschland sind seit Monaten rückläufig. Bildrechte: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

EnergiewendeWarum die Nachfrage nach Wärmepumpen drastisch gesunken ist

24. April 2024, 06:32 Uhr

In diesem Jahr werden in Deutschland voraussichtlich 100.000 Wärmepumpen weniger verbaut als noch im Vorjahr. Die Absatzzahlen sind seit Monaten rückläufig. Experten sehen den Hauptgrund für diese Entwicklung in der starken Verunsicherung vieler Verbraucher. Die hänge vor allem mit der misslungenen Kommunikation im Zusammenhang mit dem Gebäude-Energie-Gesetz sowie der in vielen Städten und Gemeinden noch lange nicht abgeschlossenen kommunalen Wärmeplanung zusammen.

Rund 300.000 Wärmepumpen hat die Branche noch im letzten Jahr verbaut, das war Rekord. In diesem Jahr jedoch dürften es maximal 200.000 werden. Immer weniger Kunden können sich offenbar mit dieser Heizmethode anfreunden.

Kurzarbeit beim größten Wärmepumpen-Anbieter in Deutschland

Deutschlands größter Wärmepumpen-Anbieter "Stiebel Eltron" spürt das deutlich. Rund 2.000 Mitarbeiter musste das Unternehmen aus Niedersachsen schon in Kurzarbeit schicken, erzählt Geschäftsführer Kai Schiefelbein: "Bis einschließlich März wurden gegenüber dem Vorjahr in Deutschland 52 Prozent weniger Wärmepumpen abgesetzt. Wir sind in weiten Teilen der Industrie, die mit Wärmepumpen zu tun hat, momentan in der Kurzarbeit. Es gibt auch Unternehmen, die schon Mitarbeiter abgebaut haben."

Mit Wärmepumpen mache das Unternehmen mit Abstand den größten Umsatz und habe deshalb viel neues Personal eingestellt, das nun zu großen Teilen in Kurzarbeit gehen muss, weil es nicht genügend Arbeit gebe, sagt Schiefelbein.

Kommunikationsproblem beim Gebäude-Energie-Gesetz

Der Geschäftsführer ist auch im Vorstand vom "Bundesverband Wärmepumpe". Hier laufen die Fäden der Branche zusammen und alle sehen vor allem einen Grund für die Absatzprobleme: "Am Ende ist es in Deutschland vor allem ein Kommunikationsproblem. Durch das Gebäude-Energie-Gesetz und die Turbulenzen um das Gesetz sowie die nachgelagert spät angelaufene Bundesförderung effizienter Gebäude ist halt eine Verunsicherung beim Verbraucher entstanden und auch eine negative Wahrnehmung, die eigentlich mit der Realität nicht sehr viel zu tun hat."

Die sei nämlich für Verbraucher attraktiv und günstig, sagt Schiefelbein. So gäbe es für Wärmepumpen eine staatliche Förderung von mindestens 30 Prozent. Weitere 20 Prozent könnten hinzukommen, wenn ein alter Heizkessel ausgetauscht wird. Außerdem gebe es für Kunden mit geringerem Einkommen noch Fördergelder obendrauf.

Warten auf die kommunale Wärmeplanung

Dass die Nachfrage trotzdem sinkt, habe auch mit einer weiteren politischen Entscheidung zu tun, sagt Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands "Sanitär Heizung Klima". Der weitere Grund sei "natürlich auch, dass die Fristen für die Wärmeplanung in den Kommunen gesetzt sind und da sind jetzt viele in der Wartestellung, was die Kommunen an Wärmeplanung an den Tag legen. Bei der kommunalen Wärmeplanung müssen alle Kommunen mit über 100.000 Einwohner ihre Planung bis 30. Juni 2026 abgeben, die unter 100.000 Einwohner bis 30. Juni 2028."

Viele Immobilienbesitzer warteten deshalb erst einmal ab, ob sich eine Wärmepumpe für sie überhaupt noch lohnt, sagt Hilpert. "Stellen Sie sich vor, sie planen, eine Wärmepumpe für Ihr Einfamilienhaus zu installieren und jetzt kann es sein, dass die Kommune eventuell andere Energieformen oder Erneuerbare Energien in Form von Fernwärme- oder Nahwärme-Versorgung zur Verfügung stellt, dann glauben die Menschen, sie hätten umsonst die Wärmepumpe eingebaut." Das verunsichere die Leute, sagt Hilpert.

Sein Verband fordert deshalb politische Maßnahmen für einen eigenen Wärmepumpen-Strompreis. Außerdem müssten Endverbraucher von Seiten der Bundesregierung besser aufgeklärt werden, welche Chancen sich tatsächlich mit einer Wärmepumpe verbinden.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 24. April 2024 | 06:06 Uhr