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Der Energiedienstleister enviaM hat im letzten Jahr keine neue Ladesäule für E-Autos gebaut. Bildrechte: picture alliance / dpa | Jan Woitas

E-MobilitätIst der Ausbau von Ladesäulen ins Stocken geraten?

30. Juni 2023, 05:00 Uhr

15 Millionen Autos in Deutschland sollen in sieben Jahren elektrisch fahren. Doch die vielen Elektroautos müssen auch irgendwo geladen werden. Ein Hörer von MDR AKTUELL hat den Eindruck, dass der Ausbau der Ladesäulen nicht mehr vorangeht und fragt sich, ob der Netzbetreiber enviaM den Ausbau eingestellt hat.

Wer mit einem Elektroauto durch Ostdeutschland fährt und dann schnell Strom braucht, landet womöglich an einer Ladesäule von enviaM. Der Energiedienstleister ist zwar nicht der größte, aber ein großer Betreiber von Stromtankstellen – mit insgesamt 300 öffentlichen Ladepunkten.

Sprecherin Evelyn Zaruba bestätigt, dass vergangenes Jahr keine neuen Ladepunkte hinzugekommen seien. Der Ausbau werde aber wiederaufgenommen: "Was wir im letzten Jahr vor allem gemacht haben, ist, dass wir Kunden im Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur unterstützt haben. Wir haben Planungen und den Bau der Ladesäulen durch unseren Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom vorangetrieben. Es ist so, dass wir auch gerade Kooperationen prüfen, wie wir wieder neue Ladepunkte gemeinsam mit unseren Kommunen errichten können."

Insgesamt nimmt die Anzahl an Ladepunkten über alle Anbieter hinweg weiterhin zu. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur gab es im April in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt 6.704 öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 31 Prozent mehr. In ganz Deutschland stieg die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte sogar um 35 Prozent.

Dem Verband der Automobilindustrie ist das trotzdem zu wenig. Sprecherin Eva Siegfried fordert noch mehr: "Die Bundesregierung hat kürzlich selbst nochmal bestätigt im Masterplan Ladeinfrastruktur 2, dass sie eine Million Ladepunkte bis 2030 haben will. Aktuell sind es gerade einmal gut 80.000 Ladepunkte in Deutschland. Das heißt, das Delta ist groß zwischen aktuellem Stand und großem Ziel. Nicht einmal ein Zehntel ist da aktuell erreicht." Das aktuelle Ausbautempo müsste sich vervierfachen, damit das anvisierte Ziel von einer Million Ladepunkte erreicht werden könne, rechnet die Sprecherin.

Auch Stromnetze müssen ausgebaut werden

Patrick Plötz findet das Ausbautempo hingegen gar nicht so schlecht. Er arbeitet am Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung und sagt, entscheidend sei auch, mit welcher Leistung ein Ladepunkt einen Auto-Akku betanke. Mit mehr Schnellladesäulen brauche es weniger einfache Ladepunkte. Denn eine Schnellladesäule könne deutlich mehr Autofahrer pro Tag versorgen.

Wichtig sei, dass es in der Fläche ausreichend viele Langsam-Ladepunkte gebe und für Fernreisen viele Schnelllade-Punkte: "Beides entwickelt sich sehr gut. Ich finde das Ziel von einer Million jetzt nicht so zwingend. Ich glaube, der Ausbau ist immer noch gut und wir müssen einfach im Blick behalten, dass der Ausbau parallel mit leichtem Vorlauf zum Markthochlauf der Elektrofahrzeuge geschieht", findet Plötz. Er verweist darauf, dass viele E-Autofahrer ohnehin eine private Ladesäule haben – zumindest diejenigen mit Einfamilienhaus.

Für Mieter sieht es anders aus. Hier gab es in der Vergangenheit die Idee, an Straßenlaternen Ladepunkte anzubringen. Das Problem ist nur, vielfach stehen die Laternen auf Gehwegen: "Da scheint es nach unseren Analysen sinnvoller, dass die Leute nicht über Nacht am Gehweg laden, sondern da, wo sie sowieso sehr häufig hinfahren. Das ist zuallererst das Laden am Arbeitsplatz und dann das Laden in der Freizeit und beim Einkaufen. Viele Supermärkte und auch Einkaufszentren bieten inzwischen Schnelllademöglichkeiten an", sagt Plötz.

Um die Anzahl an Schnelllademöglichkeiten weiter zu erhöhen, sei aber noch eine andere Maßnahme nötig, resümiert Plötz. Die Stromnetze müssten weiter ausgebaut werden. Vor allem, weil Strom vermehrt nicht nur zum Fahren genutzt wird, sondern auch zum Heizen mit Wärmepumpe.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 30. Juni 2023 | 06:00 Uhr