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Margot Käßmann kritisiert das BGH-Urteil zum Wittenberger "Judensau"-Relief. Bildrechte: IMAGO / photo2000 / epd

Schmähplastik aus WittenbergTheologin Käßmann kritisiert BGH-Urteil: "Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft"

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 19. Juni 2022, 16:59 Uhr

Nachdem der Bundesgerichtshof geurteilt hat, dass das "Judensau"-Relief an der Wittenberger Kirche bleiben darf, äußert Margot Käßmann Kritik. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sagt, die Plastik beleidige auch heutige Juden.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Wittenberger "Judensau" als "falsche Entscheidung" bezeichnet. Das Gericht hatte am vergangenen Dienstag entschieden, dass die judenfeindliche Schmähplastik weiter an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg bleiben darf. "Ich finde die Entscheidung falsch", schreibt Käßmann in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Anfangs habe sie auch gedacht, eine entsprechende Bodenplatte erkläre die Skulptur doch als historisch. "Aber die 'Judensau' beleidigt schlicht auch heute Jüdinnen und Juden", schreibt die frühere Landesbischöfin von Hannover und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische Kirche habe erst vor wenigen Jahren begonnen, ihre antijudaistischen Züge aufzuarbeiten. "Martin Luther hat in Wittenberg gegen Juden gehetzt", formuliert Käßmann. Und weiter:

Die 'Judensau' ist eine Hassbotschaft. Und Hassbotschaften gehören nicht in den öffentlichen Raum.

Margot Käßmann, frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Das Urteil des Bundesgerichtshofs

Der Bundesgerichtshof hatte die Klage gegen das vorinstanzliche Urteil des Oberlandesgerichtes Naumburg zurückgewiesen. Der Kläger, Mitglied einer jüdischen Gemeinde, hatte die Abnahme des Sandsteinreliefs aus dem 13. Jahrhundert verlangt, weil er dadurch das Judentum und sich selbst diffamiert sieht.

Der Vorsitzende Richter Stephan Seiters sagte zur Begründung, der Kläger könne nicht die Entfernung verlangen, weil es an einer "gegenwärtigen Rechtsverletzung" fehle. Isoliert betrachtet verhöhne und verunglimpfe das Relief das Judentum als Ganzes, räumte das Gericht aber ein.

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epd, MDR (Johanna Daher)

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