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Amtsübernahme am FreitagChristian Hummert ist neuer Chef der Cyberagentur

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 01. Oktober 2021, 13:44 Uhr

Bei der Cyberagentur des Bundes in Halle hat nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag ein neuer Forschungsdirektor seine Arbeit aufgenommen. Dr. Christian Hummert kommt von der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) und hat bereits in Thüringen und Sachsen gearbeitet. Offiziell vorgestellt wurde er noch nicht. Seine größte Aufgabe wird es sein, innovative Projekte umzusetzen und sich dabei gegen die Ministerien durchzusetzen.

Christian Hummert ist neuer Chef der Cyberagentur. Bildrechte: Cyberagentur

Das ist der neue Chef der Cyberagentur

Unkonventionell – so wirkt der neue Chef der Cyberagentur Christian Hummert, wenn man seine Spuren im Internet verfolgt: Er ist 42 Jahre alt, in Lingen (Ems) geboren und hat sechs Kinder. Hummert hat in Ulm Informatik und Philosophie studiert und seinen Doktortitel an der Uni Jena mit einem Thema aus der Bioinformatik erlangt.

Er hat sechs Jahre lang für das LKA Thüringen als Sachverständiger für IT-Forensik gearbeitet und dort Datenträger ausgewertet oder Gutachten für Gerichtsverhandlungen geschrieben. Dabei hatte er auch mit Computern der NSU-Terrorgruppe zu tun und hat als Sachverständiger dazu bei einem Untersuchungsausschuss des Bundestages ausgesagt. Hummert wurde 2015 Professor für IT-Sicherheit und Digitale Forensik an der Hochschule Mittweida in Sachsen, hat dort Cybercrime und Cybersecurity unterrichtet und zu bösartiger Software geforscht.

Hier sagt Christian Hummert, wie er zu seinem neuen Job gekommen ist.

Ermittler, Wissenschaftler, Behörden-Direktor

Cyberagentur und Bundesverteidigungsministerium halten sich in der Personalie bedeckt. Aber Hummert und seine vielseitige Berufserfahrung passen gut zur Cyberagentur: Er ist offenbar breit interessiert und langjähriger IT-Forensiker.

Für die beiden Gesellschafter der Cyberagentur, das Bundesinnen- und -verteidigungsministerium, sind sicher Hummerts letzte Berufsjahre entscheidend gewesen: Seit 2018 hat er bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) gearbeitet und war dort Direktor des Bereichs Digitale Forensik, einem von vier Bereichen der Behörde. Sein offizieller Titel bei der ZITiS war "Geschäftsfeldleiter". Sein alter Arbeitgeber wird mitunter auch "Hackerbehörde" genannt.

In Hummerts Fachgebiet, der IT-Forensik, geht es vor allem darum, Daten, Netzwerke und Geräte zu analysieren, um zum Beispiel Straftaten oder IT-Angriffe aufzuklären. In der Arbeitgeberbroschüre der ZITiS hat Hummert IT-Forensik so beschrieben: "An echten Tatorten überwiegen heutzutage die digitalen Spuren. Smartphones, Tablets und Notebooks sind für Kriminelle nicht nur lohnende Ziele, sondern auch Mittel zur Durchführung von Straftaten." Auch Smartwatches könnten bei der Aufklärung von Verbrechen helfen, schreibt Hummert in einem Zeitungsbeitrag. (PDF, Seite 14)

Zukunftssicherung der Cyberagentur als größte Herausforderung

Die praktische forensische Arbeit hat Hummert in einem Interview als spannend beschrieben, er liebe es, mit Hardware zu arbeiten. Als ZITiS-Direktor hat er die aber vor allem an sein Team abgegeben: seine Aufgabe sei es gewesen, "dafür zu sorgen, dass alles reibungslos läuft, dass alle zufrieden sind". Ihm sei es wichtig gewesen, "meine Experten so weit wie möglich von der Verwaltung abzuschirmen, damit sie motiviert und zufrieden bleiben."

Diese Erfahrung wird ihm sicher auch bei den mehr als zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Cyberagentur in Halle nutzen, die im Sommer, nach nur einem Jahr, ihren hoch motivierten Gründungsdirektor verloren hatten und die bisher wohl allzu oft von Beamten und Beamtinnen in Innen- und Verteidigungsministerium ausgebremst wurden.

Hummert wird also wohl auf ein Team treffen, das schon viele Forschungsideen in der Schublade hat. Seine größte Herausforderung wird vermutlich sein, sie alle an den Start zu bringen, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und die Zukunft der Cyberagentur zu sichern. Denn im politischen Raum hört man mitunter auch die Spekulation, die Cyberagentur in Halle mit der Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig zusammenzulegen.

MDR/Marcel Roth

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. September 2021 | 07:30 Uhr

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