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Die Raffinerie in Leuna beliefert mehr als 1.300 Tankstellen in Ostdeutschland mit Kraftstoff. Derzeit hat sie das Problem, dass sie selbst zu wenig Erdöl geliefert bekommt. Bildrechte: imago/agefotostock

Probleme mit neuen LieferantenRaffinerie in Leuna fehlt Rohöl – Preisanstieg laut Wirtschaftsminister denkbar

29. Dezember 2022, 14:14 Uhr

Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, bezieht die Raffiniere in Leuna seit Ende 2022 kein russisches Öl mehr. Das Problem: Die neuen Lieferanten bringen bisher zu wenig Erdöl nach Leuna. Ein Einblick.

  • Problem: Die Raffinerie in Leuna bekommt derzeit zu wenig Erdöl geliefert.
  • Grund: Ab Ende 2022 bezieht sie wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine kein Öl mehr aus Russland. Die neuen Lieferanten liefern noch nicht ausreichend.
  • Ausblick: Ob ab 2023 die zugesicherten Mengen Öl geliefert werden, ist noch unklar. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Schulze rechnet zwar nicht mit einer Benzinknappheit, aber hält einen Preisanstieg für möglich.

Die Total-Energies Raffinerie in Leuna erhält aktuell weniger Öl als benötigt. Wie die Sprecherin des Unternehmens, Delphine Saucier, MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag mitteilte, lässt sich mit den vertraglich zugesicherten Rohölmengen die durchschnittliche Auslastung der Raffinerie in den letzten Jahren nicht erreichen. Ab Januar werde sich zeigen, ob das Logistiksystem von Danzig in Polen und Deutschland in der Lage sei, die Menge des benötigten Rohöls zu transportieren.

Leuna müsse sich aber diese Kapazitäten allerdings mit anderen Wettbewerbern teilen, so die Sprecherin. Für einen wirtschaftlichen Betrieb brauche die Raffinerie jedenfalls eine Infrastruktur, die es ermögliche, die Kapazitäten – so wie in der Vergangenheit – voll auszulasten. Zuerst hatte die Mitteldeutsche Zeitung (€) berichtet.

Wirtschaftsminister Schulze: "Situation nicht dramatisch"

Nach Aussage von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) ist die Situation bislang nicht dramatisch, müsse aber verbessert werden. Die Raffinerie könne nur funktionieren, wenn sie wirtschaftlich betrieben werde. Er plädiere dafür, dass der Bund die Bedeutung des Standortes anerkenne und mehr Unterstützung anbiete, bis die Öllieferungen wieder gesichert seien. In Zukunft müsse zudem sichergestellt werden, dass über den Weltmarkt zusätzliches Öl für Leuna zur Verfügung gestellt werde. Er gehe nicht davon aus, dass es zu einem Benzin-Engpass in Mitteldeutschland komme. Möglich sei aber ein Anstieg der Preise. Das müsse über die Bundesregierung reguliert werden.

Vor einigen Wochen erklärte Schulze dem MDR noch, dass der Raffinerie-Standort Leuna gut auf das Embargo gegen russisches Erdöl vorbereitet sei. Konkret hatte er erklärt, der Betreiber Total habe in den vergangenen Monaten erfolgreich daran gearbeitet, Leuna unabhängiger aufzustellen.

Kein russisches Öl: Leuna setzt auf Alternativen

Die Raffinerie hat – als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine – den Bezug von russischem Öl über die Druschba-Pipeline Ende 2022 eingestellt. Erdöl aus Norwegen und dem Nahen Osten wird nun per Schiff zum Hafen Danzig (Polen) transportiert und von dort über Pipelines nach Leuna geleitet. Auch die PCK-Raffinerie in Schwedt (Brandenburg) soll künftig einen Teil des Öls über Danzig erhalten.

Der Konzern macht keine Angaben, wie viel Öl in der Verarbeitung in Leuna fehlt. Die Raffinerie beliefert mehr als 1.300 Tankstellen in Ostdeutschland mit Kraftstoff. Bis zu zwölf Millionen Tonnen Rohöl können dort jährlich verarbeitet werden. Rund 700 Mitarbeiter arbeiten in der Anlage.

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MDR (Johanna Daher, Susanne Reh, Ronald Neuschulz)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Dezember 2022 | 14:00 Uhr

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