Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Unter dem Eingangsbogen begrüßen den Besucher schlesische Lichtzepter. Sie gab es bereits vor Pyramiden und Weihnachtsbaum. Bildrechte: Uwe Walter

Schlesische TraditionenLichtzepter leuchten wieder auf dem Schlesischen Christkindelmarkt zu Görlitz

von Uwe Walter, MDR SACHSEN

Stand: 02. Dezember 2022, 07:30 Uhr

Nach der Corona-Pause öffnet am Freitagnachmittag der Schlesische Christkindelmarkt zu Görlitz. In einer besonderen Atmosphäre wollen mehr als 100 Händler, Gastronomen und Schausteller ihre meist handgemachten Produkte anbieten. Sie kommen aus dem Dreiländereck und huldigen alten Traditionen. MDR SACHSEN war kurz Öffnung schon einmal auf dem Markt unterwegs.

In Görlitz liegen Glühweinduft und der Geruch von Bratwurst in der Luft. Bislang aber nur am Obermarkt an der Eisbahn. Dort geht es bereits seit einer Woche vorweihnachtlich zu. Auf der Eisfläche toben Kinder und Jugendliche. Ihre Eltern oder die Großeltern stehen an der Bande mit Keramikbechern in der Hand. Daraus dampfen heiße Getränke. Aus den Zelten nebenan mit der Schlittschuh-Ausleihe sind fröhliche Kinderstimmen zu hören.

Reges Treiben auf dem Görlitzer Christkindelmarkt

Zwischen Zelten und Eisbahn steht Gerd Weise vom Görlitzer Kulturservice: "Wir wollen lachende Kinder. Wir wollen in der Weihnachtszeit Licht in die Dunkelheit bringen. Und mit einer Eislaufbahn tun wir das. Wir freuen uns sehr, dass wir es in diesem Jahr wieder durchführen können."

Die Eislaufbahn hat sich zu einer beliebten Attraktion des Schlesischen Christkindelmarktes entwickelt. Aufgrund der Energiekrise ist die Bahn statt sieben Wochen nur fünf Wochen geöffnet. Bildrechte: Görlitzer Kulturservice

Während die Kinder über das Eis schlittern, herrscht wenige Meter weiter emsige Betriebsamkeit. Bereits am Freitagnachmittag soll der Schlesische Christkindelmarkt zu Görlitz eröffnet werden. Die großen Lichtzepter am Eingang stehen. Nur wenige Schritte weiter überprüfen Elektriker Leitungen und Anschlüsse, legen letzte Hand an mobile Verteilerkästen. Hammerschläge sind zu hören, Akkuschauber jaulen auf. Vollgepackte Transporter kriechen durch das Gewühl. Händler und Gastronomen bauen oder bestücken ihre Stände und sind deshalb kurz angebunden: "Wir kommen aus Cunewalde und haben leckere Quarkbällchen dabei", sagt einer und greift gleich wieder zum Akkuschrauber.

Leckereien: Von süß bis deftig

Nach zwei Jahren Pause, bedingt durch die Corona-Pandemie, sind mehr als 100 Händler, Gastronomen und Schausteller nach Görlitz gekommen. "Es war nicht einfach, die Händler zu gewinnen, denn das Geld wird meist westlich von Görlitz verdient", sagt Gerd Weise vom Kulturservice. Seine Geschäftsführerin Maria Schulz ist auch deshalb zufrieden und ergänzt: "Ich liebe die Atmosphäre hier in einem super Ambiente. Die Gastronomie mit der Schlesischen Bratwurst, aber natürlich auch die Händler mit ihren besonderen Produkten, die man nicht im Internet finden kann."

Schlesische Spezalitäten, sowohl herzhaft als auch süß, warten auf hungrige Käufer. Bildrechte: Kulturservice Görlitz

Viele Leckereien, darunter auch die niederschlesische Pfefferkuchen-Spezialität namens Liegnitzer Bomben, Mohnstriezel oder das Schlesisches Himmelreich kann man auf dem Christkindelmarkt verkosten.

Uralte Tradition - nach der politischen Wende wieder belebt

Der Christkindlmarkt zu Görlitz kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Er soll älter sein, als sein berühmter Namensvetter in Nürnberg, munkeln einheimische Hobbyforscher und verweisen auf ein Breslauer Archiv.

Nach der Christmette traten die Görlitzer aus ihrer Kirche und davor versuchten arme Mitbürger Selbstgemachtes anzubieten und um Geld zu verdienen. "Das waren Backwaren, Süßigkeiten, kleine Schnitzerein oder Spielkzeug", erzählt der ehemalige Marktleiter des Christkindelmarktes Gotthard Pissang. "Dieser kleine Handel wurde größer und größer und daraus entstand dann der Christkindelmarkt." Pissang war dabei, als der Christkindelmarkt in Görlitz nach 1990 wieder belebt wurde, um schlesische und christliche Tradionen wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

Der Christkindelmarkt in Görlitz setzt auf christliche und schlesische Traditionen. Bildrechte: Kulturservice Görlitz

Rückblick: Pfefferkuchenherzen und Losbuden

In der DDR-Zeit war der Weihnachtsmarkt eine Art Familientreff und vor allem auf Kinder ausgerichtet. "Wir hatten ja nur wenig durch die Mangelwirtschaft. Aber wir versuchten das Beste daraus zu machen", erzählt Babara Frühauf, die damals als Frau Holle auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs war. Auf dem Marienplatz waren lebensgroße Märchenfiguren aufgestellt und die Kinder mussten die Märchen erraten. Lagen sie richtig, gab es Süßigkeiten von Frau Holle. In der Altstadt war eine kleine Bühne aufgebaut. Dort gestalteten vor allem Schulklassen und Kindergruppen das Programm. Die bunten Losbuden mit dem Spielzeug und den vielen Plüschtieren waren damals einer der Anziehungspunkte auf dem Weihnachtsmarkt. Auch Pfefferkuchenherzen waren ein Renner. Nicht nur Kinder sondern auch viele Mädchen, beschenkt von ihrem stolzen Vater oder Verehrer, schlenderten mit einem kleinen oder großen Lebkuchenherz auf der Brust durch die Stadt.

Bildrechte: Kulturservice Görlitz

Handelsbeziehungen wiederbelebt: Von Sachsen nach Schlesien und Böhmen

Die Pfefferküchlerei hat auch in Schlesien eine lange Tradition. Bereits im 13. Jahrhundert sind ihre Handwerksinnungen erwähnt. Deshalb dürfen Pfefferküchler auch heute nicht auf dem Christkindelmarkt zu Görlitz fehlen. Zudem knüpft der Markt damit an historische Handelsbeziehungen im Dreiländereck - Schlesien - Sachsen - Böhmen - an. Präsentiert werden heutezutage Blaudruck aus der Oberlausitz, Leinen aus Kotlina Jeleniogórska (Hirschberger Tal), Woll- und Kürschnerprodukte aus der Region sowie Arbeiten von Seidenmalern. Hinzu kommt böhmisches sowie schlesisches Glas und handgemachtes Holzspielzeug aus dem Riesengebirge.

Ein Spielzeugmacher präsentiert mit seine Produkte auf dem Christkindelmarkt zu Görlitz. Bildrechte: Kulturservice Görlitz

International ist auch das kulinarische Angebot auf dem Christkindelmarkt. Wieder wird es an 17 Tagen 17 Essen geben, gekocht von Görlitzern unterschiedlicher Nationalität.

17 Tage - 17 Essen, das heißt siebzehn Mal internationale Küche zugunsten eines wohltätigen Zwechs auf dem Christkindelmarkt in Görlitz. Bildrechte: Görlitzer Kulturservice


Der Markt befriedigt alle Sinne, schwärmt Maria Schulz vom Kulturservice: "Das bedeutet bei uns jeden Tag Bühnenprogramm auf dem Untermarkt. Das Christkind kommt immer um 16 Uhr und dann gibt es Auftritte von professionellen Künstlern oder Hobbykünstlern, von Kindergruppen, Chören wie dem Posaunenchor oder der Musikschule."

Jeden Tag um 16 Uhr ist das Christkindel auf der Bühne in Görlitz zu erleben. Anschließend gibt es ein Programm mit profeesionellen oder Hobbykünstlern. Bildrechte: Kulturservice Görlitz

Neu ist in diesem Jahr beim Schlesischen Christkindelmarkt, dass der wunderschöne Renaissance-Innenhof des Rathauses "bespielt" wird, wie Mitorganisator Gerd Weise sagt. Görlitzer Christinnen und Christen gestalten dort jeden Tag die Weihnachtsgeschichte und machen sie für Kinder und Familien erlebbar.

Mehr als 100 Händler, Gastronomen und Schausteller bieten auf dem Markt ihre Waren feil. Bildrechte: Görlitzer Kulturservice

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 01. Dezember 2022 | 14:30 Uhr