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Mirko Kürschner und seine Lebensgefährtin können schon wieder ein bisschen lachen. Die beschlagnahmten Kennzeichen hat ihr Audi wieder, eine Mängelliste aber auch. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Anzeige gegen PolizistEin Tuning-Treffen, eine Polizeikontrolle und ganz viel Ärger

09. August 2023, 18:00 Uhr

Mirko Kürschner war Anfang Juli mit seinem Audi bei einem Tuning-Treff auf dem Flugplatz Jahnsdorf, um auf dem abgeschlossenene Areal "mal eine Viertelmeile" zu fahren. Heim ging es per Abschleppwagen - die Polizei hatte seine Kennzeichen beschlagnahmt. Er fühlte sich ungerecht behandelt und zeigte den Beamten an - ein Drama in (bisher) drei Akten.

1. Akt: Die Kontrolle

Am Abend des 8. Juli ist Mirko Kürschner mit seinem Audi TT RS auf dem Heimweg vom Tuning-Treffen auf dem Flugplatz Jahnsdorf, als er von der Polizei kontrolliert wird. Zweieinhalb Stunden später steht er ohne Zulassung und Kennzeichen da - ein Fall für den Abschleppwagen. "Das Auto ist fast neu, alle Änderungen sind in Werkstätten erfolgt und in den Papieren eingetragen", sagt der Dachdeckermeister aus Limbach-Oberfrohna im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Die Kontrolle am 8. Juli durch die Polizei dauerte fast eineinhalb Stunden. Bildrechte: Mirko Kürschner

Trotzdem wird die Situation an diesem Abend nicht besser für ihn. Nach eingehender Kontrolle von Fahrwerk, Auspuff und Ansauganlage habe der Polizist die Kennzeichen einbehalten, sagt Kürschner. "Auf der Quittung war als Begründung 'nicht vorschriftsmäßiger Pkw' und 'Verkehrssicherheit / Umwelt wesentlich beeinträchtigt' zu lesen." Eine sogenannte Mängelliste habe er nicht erhalten.

Eine vom Hersteller Audi original eingebaute, steuerbare Auspuffklappe habe ebenfalls das Misstrauen der Polizei erregt, sagt Mirko Kürschner. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Ohne Kennzeichen und Papiere muss er das Auto per Abschleppwagen nach Hause schaffen. Kürschners Lebensgefährtin, auf die das Fahrzeug zugelassen ist, erstattet daraufhin über das Online-Portal der Polizei Anzeige gegen den Beamten.

2. Akt: Der Anruf

Am 13. Juli klingelt 18:47 Uhr das Telefon bei Kürschner. Am anderen Ende der Leitung ist der Polizeibeamte, der ihn kontrolliert hatte, und der nun mit ihm "privat und sachlich" über die Anzeige gegen ihn reden wolle. Als Kürschner das ablehnt und sagt, dass eine Zeugin mithört, droht der Beamte, das Fahrzeug gänzlich stillzulegen und legt auf.

So steht es im Strafantrag, den Kürschner nun bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz gestellt hat. Die Polizeidirektion Chemnitz bestätigt, dass dieser Anruf stattgefunden hat. Der Inhalt des Gesprächs sei Gegenstand der Ermittlungen, heißt es von dort.

Nun geht Kürschner auch an die Öffentlichkeit. "Nach dem Artikel in der "Freien Presse" haben mich plötzlich sehr viele Leute angeschrieben, die auch kontrolliert worden sind", sagt er. Darunter sei auch der Fahrer eines VW Golf I gewesen, der sechs Stunden lang kontrolliert worden sein soll.

Gleichzeitig betont er, dass er durchaus dafür sei, schwarze Schafe aus dem Verkehr zu ziehen. "Das hat die Polizei ja auch an diesem Abend zurecht getan. Wenn ein Fahrer betrunken oder mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, muss das auf jeden Fall Konsequenzen haben", sagt er.

3. Akt: Der Brief

Für Kürschner ist der Audi ein reines Hobby, das nun in der Garage steht. Beruflich fährt er einen großen Transporter, ist also nicht auf dieses Auto angewiesen. Trotzdem freut er sich, als er am 26. Juli Post von der Zulassungsbehörde des Landratsamtes bekommt. Dort kann er unkompliziert am nächsten Tag die Kennzeichen und Zulassung abholen.

Allerdings erhält er nun auch eine "Aufstellung festgestellter Mängel", also eine Mängelliste. Dort ist mehrfach von "vorsätzlicher Manipulation" am Fahrwerk und der Abgasanlage die Rede.

"Ich bin Dachdeckermeister. Ich schraube nicht einmal an meinem Fahrrad herum. An ein Auto würde ich mich erst recht nicht trauen", sagt er MDR SACHSEN dazu. "Die Umbauten sind alle in autorisierten Fachwerkstätten erfolgt und danach von der DEKRA abgenommen worden."

Ein abschließendes Urteil, ob Einbauten wie die neue Ansauganlage den Vorschriften entsprechen, muss nun erneut ein unabhängiger Prüfer fällen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Epilog

"Der Vorhang zu und alle Fragen offen" heißt es bei Bertolt Brecht. Im Fall Kürschner gegen die Polizei heißt das, dass er die Vorwürfe gegen den Polizeibeamten aufrecht erhält. Er sammelt weiterhin alle Unterlagen und Fotos, um sein ordnungsgemäßes Handeln zu dokumentieren.

Sein Fahrzeug muss er innerhalb einer Frist von 14 Tagen bei einer Prüforganisation vorstellen und mögliche Mängel abstellen. "Mir geht es nicht um das Auto", sagt er. "Wenn damit etwas nicht korrekt ist, lasse ich das selbstverständlich in Ordnung bringen. Mir geht es um das unangemessene Verhalten des Polizeibeamten." Das müsse er sich nicht gefallen lassen.

Die Polizei kündigt an, zu gegebener Zeit weitere Informationen zu veröffentlichen, weil zu einem laufenden Verfahren keine Auskunft erteilt werden könne. Ob es zu einem Gerichtsprozess kommen wird, ist ebenfalls offen.

Irgendwann will Mirko Kürschner wieder unbeschwert mit seinem Audi unterwegs sein. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

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MDR (tfr)

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