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Wisente im Wiederansiedlungszentrum im Shahdag Nationalpark im Großen Kaukasus. Bildrechte: Rustam Maharramov

AuswilderungVon Chemnitz in den Kaukasus: Zwei Wisente ziehen um

von MDR SACHSEN

Stand: 25. November 2022, 13:43 Uhr

Zwei Wisentkühe aus dem Chemnitzer Tierpark wurden gemeinsam mit anderen Tieren dieser büffelnahen Wildrinder in den Nationalpark im Großen Kaukasus in Aserbaidschan ausgewildert. Das Projekt dient der Wiederansiedlung der Tierart in Europa.

Wiesente sind imposante Wildrinder und beliebte Zootiere, auch in Chemnitz. Bildrechte: colourbox

Zwei Wisente aus dem Chemnitzer Tierpark leben nun im Kaukasus. Am Montag kamen sie wohlbehalten in ihrem Eingewöhnungsgehege im Shahdag Nationalpark im Großen Kaukasus an, teilte die Pressestelle der Stadt Chemnitz mit.

Was sind Wisente?- Wisente (wissenschaftlich Bison bonasus), nächste Verwandte des nordamerikanischen Bisons, lebten einst fast überall im östlichen Europa. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Mensch sie in freier Wildbahn ausgerottet. Wiederangesiedelte Herden leben heute vor allem in Osteuropa - und in Deutschland im Rothaargebirge.

- Bullen messen von der Nasen- bis zur Schwanzspitze bis zu drei Meter und bringen mehr als 800 Kilogramm auf die Waage. Kühe sind kleiner und leichter.Geolino Tierlexikon

In den vergangenen Monaten waren die beiden zweijährigen Wisentkühe im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbandes EAZA in den Tierpark Berlin umgezogen. Doch nicht allein, laut dem Tierpark Berlin waren auch Wisente aus den Zoos Rostock, Bernburg, Berlin, Fota (Irland), Köln und Pilsen (Tschechische Republik) mit von der Partie. Insgesamt machten sich zehn Tiere auf die Reise.

Start der großen Reise in Deutschland: Die Wisente werden in Transportboxen mit einem Gabelstapler von einem LKW gehoben. Bildrechte: Tierpark Berlin

Nachdem sich die zehn Wisentkühe in Berlin einige Monate lang aneinander gewöhnt hatten, wurden sie in einer Frachtmaschine von Frankfurt/Hahn nach Baku in Aserbaidschan geflogen. Begleitet wurden die Tiere von Expertinnen und Experten der Naturschutzorganisation WWF und dem Tierpark Berlin.

Ankunft der Tiere in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Bildrechte: Rustam Maharramov

Am Zielort wächst die Herde langsam an

Ziel war der 130.508 Hektar große Shahdag Nationalpark im Großen Kaukasus, wo die Tiere am 23. November wohlbehalten in einem Eingewöhnungsgehege ankamen. "Hier treffen sie später auf insgesamt 31 weitere Tiere, die in den vergangenen vier Jahren bereits ihren Weg zurück nach Aserbaidschan gefunden haben", heißt es aus dem Zoo Berlin. Dazu gehören auch einige Kälber, die bereits im Nationalpark geboren wurden, sowie eine 2016 im Tierpark Chemnitz geborene und 2021 ausgewilderte Wisentkuh.

Vom Zoo in die Wildnis

Wisente sind imposante und beliebte Bewohner von Wildparks und Zoos. Im Tierpark Chemnitz werden sie seit den 1980er-Jahren gehalten und gezüchtet. Einige der in Sachsen geborenen Tiere leben wieder in freier Wildbahn.

Jagd bis zur Ausrottung: Rückzug aus Europa

Wisente waren früher in weiten Teilen Europas zu finden. Doch schrumpfende Lebensräume und Jagd führten bereits ab dem 11. Jahrhundert zum Rückgang der Wisent-Populationen. 1927 wurde dann der letzte Wisent im Kaukasus erschossen. Damit waren die majestätischen Wildrinder in ihrem natürlichen Lebensraum ausgerottet. Nur dank weniger Tiere in der Obhut zoologischer Einrichtungen konnte diese Tierart vor dem endgültigen Aussterben bewahrt werden, erklären Biologen in der Zeitschrift Geolino Tierlexikon.

Wisente und andere Wildrinder dienten Menschen von Anfang an als Nahrungsmittel - bis diese die Art fast ausrotteten. Bildrechte: imago images/imagebroker

Heute ziehen wieder Wisente durch europäische Wälder. Die Geschichte der Wisente gilt als eine der hoffnungsvollsten im modernen Artenschutz, doch noch immer sind laut Zoologen Maßnahmen nötig, um die Zukunft des Wisents längerfristig zu sichern.

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MDR (sho)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 25. November 2022 | 21:00 Uhr

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