Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Die Stühle im Eltern-Kind-Zentrum Eckersbach könnten künftig leer bleiben. Für viele Projekte gibt es kommendes Jahr keine Finanzierung. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Kein Geld mehr daEisige Zeiten fürs Eltern-Kind-Zentrum "Kuschelkiste" Zwickau

30. November 2023, 10:32 Uhr

Der Stadtteil Zwickau-Eckersbach hat viele Probleme. In dem Plattenbaugebiet wohnen viele arme Menschen und Geflüchtete. Mit viel Fördergeld ist das Eltern-Kind-Zentrum entstanden, ein Freizeittreff und zugleich eine Anlaufstelle bei Problemen für alle Generationen und Kulturen. Doch viele dieser Angebote werden nun wegfallen, weil das Geld fehlt.

Viele Hilfs- und Freizeitangebote im Eltern-Kind-Zentrum der Integrativen AWO-Kindertagesstätte "Kuschelkiste" in Zwickau-Eckersbach werden wohl Ende des Jahres vorerst ersatzlos gestrichen. Die Finanzierung der Angebote nach bisherigem Stand ist nicht möglich, bedauerte der Kita-Leiter, Jens Kluge, im Gespräch mit MDR SACHSEN. Bislang wurden die Angebote durch das Landesprogramm Eltern-Kind-Zentren gefördert. Doch das lief Ende 2022 aus. Seitdem steht die Fortführung des Projekts in Zwickau-Eckersbach finanziell auf der Kippe. Schon dieses Jahr waren die Angebote nur mit Hilfe der Stadt Zwickau finanziell überbrückt worden, sagte Kluge.

Die Eltern-Kind-Angebote sollten eigentlich durch die Stadt Zwickau und den Landkreis Zwickau weiter bezahlt werden. Doch der Landkreis hat Kluge zufolge derzeit kein Geld für das Eltern-Kind-Zentrum übrig, weil andere Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis als wichtiger eingeschätzt wurden. Somit könne die Fachkraft für Präventionsarbeit nicht finanziert werden, die die Angebote im Eltern-Kind-Zentrum koordiniert, so Kluge.

In den vergangenen Jahren ist durch das Eltern-Kind-Zentrum (hinten rechts) eine wichtige Anlaufstelle für alle Generationen mit Gesprächsrunden und Selbsthilfekursen entstanden. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Hilfs- und Freizeitangebote brauchen Organisation

Aber diese sei dringend erforderlich: "Quartiersarbeit ist ohne Koordinierung nicht möglich", urteilte der Kita-Leiter. Angebote seien so nicht mehr realisierbar, beispielsweise der Baby- und Kleinkindertreff oder der Eltern-Kind-Nachmittag, die angeleitet und organisiert werden müssten. "Andere Angebote, wie die Ehrenamts- und Netzwerkgruppe, können sich künftig noch treffen. Aber es wird niemand mehr da sein, der das koordiniert", sagte Kluge.

Wenigstens einzelne Projekte retten

Die Stadt Zwickau wolle am Eltern-Kind-Zentrum in Eckersbach festhalten, habe Finanzbürgermeister Sebastian Lasch dem Kita-Leiter Kluge im Gespräch versichert. Doch die Stadt könne die Gesamtkosten von 75.000 Euro für 2024 kurzerhand nicht übernehmen, habe Lasch mitgeteilt. Kluge versuche nun in Zusammenarbeit mit der Stadt wenigstens einzelne Angebote für 2024 zu retten, etwa das Stadtteilfest. "Wir wollen das Jahr 2024 so gut es geht überbrücken. Wir freuen uns, dass die Stadt Zwickau mit uns zusammen weiter nach Lösungen sucht", betonte Kluge.

Kita-Leiter Jens Kluge hofft, möglichst viele Angebote im Eltern-Kind-Zentrum auch über dieses Jahr hinaus fortführen zu können. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Wir wollen das Jahr 2024 so gut es geht überbrücken. Aktuell arbeiten wir nach dem Prinzip Hoffnung.

Jens Kluge | Leiter der Integrativen AWO-Kita "Kuschelkiste" Zwickau-Eckersbach

Das Prinzip Hoffnung in der Sozialarbeit

Und auch darüber hinaus will Kluge das bisher Erreichte nicht aufgeben. Er hofft auf eine Weiterfinanzierung der Projekte im Jahr 2025. "Aktuell arbeiten wir nach dem Prinzip Hoffnung." Finanzielle Probleme dürften nicht im Wege stehen, bewährte Projekte fortzuführen, findet er. Der Stadtteil verliere sonst eine wichtige Anlaufstelle für viele Menschen: "Dann wächst hier einfach nur wieder Gras, was wir mähen müssen."

Mehr zum Thema