Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltLeben
Zapfen - und ohne zu bezahlen wegfahren. Diese Straftat kommt in Leipzig und im angrenzenden Landkreis Leipzig am häufigsten in Sachsen vor. Die Zahl von Diebstählen und Betrugsfällen beim Tanken hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum laut Landeskriminalamt um rund ein Drittel zugenommen. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

KriminalitätSpritklau an Tankstellen in Sachsen nimmt zu

von MDR SACHSEN

Stand: 01. Oktober 2022, 18:15 Uhr

Zapfen und dann schnell weg von der Tankstelle - laut sächsischem Landeskriminalamt hat dieses Problem in Sachsen im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Obwohl Tankstellenpächtern kaum ein Schaden durch den Spritklau entsteht, rüsten die auf und überwachen die Zapfsäulen mit mehr Videotechnik. Schwerpunkt in Sachsen im vergangenen Jahr: Leipzig und das Umland.

Auf dieser Seite:

Kraftstoffdiebstahl und -betrug haben in Sachsen in diesem Jahr deutlich zugenommen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurden bis Ende August 1.772 Fälle registriert - fast ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum, als es noch 1.364 Fälle waren.

Die Preise für Benzin und Diesel sind an den Zapfsäulen jenseits der 2-Euro-Marke angekommen. Das animiert Betrüger und Diebe, ohne bezahlen zu tanken oder woanders Sprit abzuzapfen. Bildrechte: dpa

Betrug an Tankstellen häufigste Straftat

Am häufigsten wurde demnach an Tankstellen getankt, ohne zu bezahlen. Dabei verwendeten die Tankbetrüger laut LKA häufig gestohlene oder gefälschte Kennzeichen. In gut 100 Fällen wurden die Tanks anderer Fahrzeuge angezapft, zum Beispiel von Baumaschinen. Tankstellen reagieren nach Angaben ihres Interessenverbandes mit einer verbesserten Video-Überwachung auf den zunehmenden Tankbetrug.

Leipzig und Leipziger Umland führen Tankbetrugs-Statistik an

Den Angaben des Landeskriminalamtes zufolge stehen Stadt und Landkreis Leipzig mit je 412 Fällen im vergangenen Jahr beim Tankbetrug in Sachsen an der Spitze - gefolgt vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 243 Fällen. Insgesamt 2.275 Fälle von Betrug und Diebstahl wurden im Jahr 2021 vom LKA registriert.

Polizeibekannte Fälle von Tankdiebstahl und -betrug

September: Unbekannter tankt in Zittau Diesel ohne Bezahlung

Laut Polizeibericht füllte etwa Anfang September ein Unbekannter an einer Tankstelle in Zittau Diesel in ein silberfarbenes Auto und fuhr davon, ohne die fälligen rund 130 Euro zu bezahlen. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Kennzeichen des Wagens gestohlen waren.

August: Unbekannter tankt in Olbernhau Sprit - Kennzeichen gefälscht

Wenige Wochen zuvor im August betankte ein Unbekannter in Olbernhau im Erzgebirge sein Auto mit gut 52 Liter Super E10 im Wert von rund 90 Euro und fuhr ebenfalls davon. Auch in diesem Fall waren die Kennzeichen falsch.

Frühjahr: Serie von Tankbetrugs-Fällen in Ostsachsen

Bereits im Frühjahr hatte die Polizei in Ostsachsen wegen einer Serie von Tankbetrugs-Fällen ermittelt. So hatte die Autobahnpolizei allein im April 13 Fälle von Tankbetrug an der Raststätte Oberlausitz an der A4 registriert, bei denen Kriminelle ohne zu bezahlen mehr als 510 Liter Kraftstoff abgezapft haben sollen. Der Schaden soll mehr als 1.100 Euro betragen haben.

August/September: Tankdiebstahl im Landkreis Bauten und In Mittelsachsen

Daneben wird auch aus anderen Fahrzeugen oder auf Baustellen Kraftstoff gestohlen. In Schmölln-Putzkau etwa öffneten Unbekannte Ende August in der Kiesgrube die Kraftstofftanks von drei Arbeitsmaschinen und stahlen etwa 700 Liter Diesel im Wert von 1.500 Euro.

Mitte September stahlen Unbekannte in Frankenberg (Mittelsachsen) rund 500 Liter Diesel im Wert von etwa 1.200 Euro aus dem Tank eines Lasters. Dazu bohrten die Täter den Tank des Fahrzeuges auf und verursachten allein damit einen Schaden von rund 6.500 Euro.

Nach der Devise "Tankdeckel auf und woanders abzapfen" handelten Täter in Schmölln-Putzkau und Frankenberg. Dabei entstand ein Gesamtschaden von 8.000 Euro. Bildrechte: dpa

Pächter von Tankstellen haben Aufwand, jedoch kaum Schaden

"Grundsätzlich gilt, dass sämtlicher Sprit im Besitz der Mineralölgesellschaften bleibt, bis der Endkunde bezahlt hat", stellte der Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV), Herbert W. Rabl, klar. "Unsere Mitglieder, die Pächter der Tankstellen, sind lediglich Handelsvertreter und erhalten eine Provision, die im Schnitt nur etwa ein Cent je verkauftem Liter Sprit beträgt, egal wie hoch der Preis ist. Wenn Sprit geklaut wird, wird de facto die Mineralölgesellschaft bestohlen. Die Pächter haben keinen Schaden, müssen das jedoch melden."

Der Schaden für Tankstellenpächter ist beim Tankbetrug relativ gering. Die Mineralölgesellschaft werde de facto bestohlen, so ein Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Videoüberwachung verbessert - Schäden durch Tankbetrug nicht beziffert

"Aktuell hören wir angesichts der hohen Spritpreise von leicht erhöhten Diebstahlquoten, die jedoch von sehr niedrigem Niveau kommen", sagte Rabl. Die Überwachung mit Video sei verbessert worden. Deshalb sei Tankbetrug trotz gestiegener Preise selten. Wie hoch der Schaden ist, der den Mineralölkonzernen durch den Tankbetrug entsteht, ist nicht bekannt. Unternehmen wie Total oder Shell halten sich bedeckt.

MDR (stt,swi)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Nachrichten | 01. Oktober 2022 | 14:00 Uhr