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Zum Start half auch Oberbürgermeister Andreas Bausewein im "Restaurant des Herzens" in Erfurt aus. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Mittagessen & Herzenswärme"Restaurant des Herzens" eröffnet - Künstler spenden 11.000 Euro

von Antje Kirsten, MDR THÜRINGEN

Stand: 06. Dezember 2022, 19:27 Uhr

Es ist eine der Erfurter Traditionen ab der Adventszeit: das "Restaurant des Herzens," wenn auch mit Essensausgabe statt Gemeinsamkeit im Saal. Doch die Organisatoren wollen wieder dorthin zurück - nach einer Sanierung.

Kurz vor 13 Uhr standen die ersten am Dienstag vor der Tür des Johannes-Lang-Hauses in der Allerheiligenstraße in Erfurt. Hier betreibt die Evangelische Stadtmission seit 30 Jahren in der Weihnachts- und Winterzeit ihr "Restaurant des Herzens". Die Idee vor 30 Jahren war es, armen Menschen ein warmes Mittagessen und Herzenswärme zu geben. Jene, die es sich nicht oder nur schwer leisten können, in ein Restaurant zu gehen, sollten hier so etwas ähnliches erleben.

Im Saal des alten Hauses wurden lange Tafeln aufgebaut, Stühle gerückt, Tischdeko arrangiert. Viele Ehrenamtliche bedienten die Gäste - eben wie in einem richtigen Restaurant. Es gab anschließend Kaffee und Kuchen und vor allem konnten die Menschen miteinander reden, der Einsamkeit entfliehen. Künstler oder Kindergartengruppen zauberten ein kleines Programm auf die Bühne und Mitarbeiter der Stadtmission halfen auch mal in Seelennöten, mit der einen oder anderen Adresse von Selbsthilfegruppen oder Sozialämtern.

Dann kam Corona und das "Restaurant" musste geschlossen bleiben, verschlossen wurde aber nicht das Herz. Und so fanden die Mitarbeiter Wege, um doch noch alle, die es brauchen, mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen.

Seit drei Jahren ist das "Restaurant des Herzens" zu einer "Essensausgabe mit Herz" geworden. Die Bedürftigen nehmen sich die warme Mahlzeit mit nach Hause. "Ich bin jedes Jahr hier und vermisse es schon sehr, dass wir nicht mehr im Saal sitzen und die kleinen Kulturprogramme erleben können", sagt Bettina Dörr. Das "Essen to go" habe aber auch einen Vorteil. Als Rentnerin sei sie körperlich nicht mehr so fit und kann sich so das Essen für mehrere Tage mit nach Hause nehmen. "Man kann schon einiges sparen", sagt sie.

Überraschungen bei Sanierung befürchtet

Das Restaurant aber soll es wieder geben. Daran halten alle fest. Die Geschäftsführerin der Evangelischen Stadtmission, Petra Hegt, weiß nur nicht, wann. Denn das Haus muss saniert werden und da es sich um einen alten historischen Bau handelt, kann es böse Überraschungen geben.

Preis für das Essen blieb konstant

An das Essen zum Mitnehmen haben sich aber alle erstmal gewöhnt und kommen mit Beuteln, Taschen, Körben. Das Essen kostet einen Obolus von einem Euro. Früher war es umsonst, später wurden 50 Cent verlangt.

Ein Euro - der Preis bleibt in diesem Jahr trotz Kostensteigerungen konstant. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

"Wir haben den Euro jetzt schon ein paar Jahre und den Preis auch in diesem Jahr nicht erhöht, obwohl wir ja deutlich mehr Kosten haben", sagt die Geschäftsführerin der Stadtmission, Petra Hegt. In diesem Jahr rechnet sie erstmals mit 100.000 Euro, die bis Ende Januar gebraucht werden. In den Jahren zuvor waren es etwa 80.000 Euro.

Spenden und Kunstaktion helfen "Restaurant des Herzens"

Das Restaurant finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Doch die Erfurter haben die Einrichtung in ihr Herz geschlossen. Viele Unternehmen spenden, Bäcker, Supermärkte geben Ware ab und mancher, der selbst nicht viel hat, bringt ein paar Schokoladenweihnachtsmänner für die Kinder oder ein paar Euro vorbei. In diesem Jahr haben Künstler die Aktion "Kunst tut Gutes" gestartet. Auf einer Auktion verkauften 14 Künstler und Künstlerinnen ihre Werke. Das brachte dem Restaurant eine Starthilfe von 11.000 Euro. "Wir haben uns riesig gefreut", sagt Petra Hegt.

150 bis 200 Menschen täglich kommen während der Öffnungszeit in Erfurter "Restaurant des Herzens". Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Das "Restaurant" werde gebraucht, weil es immer mehr Menschen gebe, die wenig Geld zur Verfügung hätten, sagt Hegt. Im Schnitt kämen pro Tag 150 bis 200 Bedürftige. In diesem Jahr rechnet Hegt mit mehr Gästen. "Die Energiekrise, die allgemeine Unsicherheit - das setzt vielen zu. Es gibt viele Gründe zu uns zu kommen, die Preissteigerungen, die Inflation, das wird viele dazu bringen, sich bei uns ein Essen zu holen. Dann bleibt vom Geld etwas übrig für andere Ausgaben. Das Beste wäre es, wenn wir nicht mehr gebraucht würden, denn immer wenn wir hier Sozialarbeit machen, steht dahinter ein Mensch in Not."

Im Vorjahr wurden rund 6.000 Essen ausgegeben. Aus Tradition gibt es am ersten Tag der Saison immer Bratwurst, Kartoffeln und Sauerkraut und am letzten Tag Sauerbraten mit Klößen.

MDR (csr)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 06. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

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