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Camping am See: Papa Nico mit Tochter Sovi und Hund Runa auf dem Alperstedter See. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Sommer am SeeParkprobleme, Müll, Partys: Wie der Campingplatz am Alperstedter See viele Problem löste

von Isabelle Fleck, MDR THÜRINGEN

Stand: 17. August 2022, 07:12 Uhr

Am Alperstedter See bei Erfurt eröffnete im Buga-Sommer 2021 ein Pop-up-Campingplatz. Dort, wo sich früher Müllberge häuften, machen jetzt Familien Urlaub. Was sich in einem Jahr auf dem Gelände getan hat.

Das Handy von Mandy Rukop klingelt schon wieder. Die nächsten Camper fragen, ob sie noch ganz spontan anreisen könnten. Mandy ist am Pop-up-Campingplatz "Thürkies" am Alperstedter See im besten Sinne das "Mädchen für alles" - rund um Organisation und Planung. Schnell schickt sie dem Ehepaar eine Buchungsbestätigung.

Mandy Rukop kümmert sich darum, dass die Camper am Alperstedter See einen guten Urlaub haben. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Am Nachmittag wollen sie anreisen. "Es klappt nicht immer, aber meistens kann ich die spontanen Gäste noch irgendwo unterbringen", sagt sie. Die 50 Parzellen mit Stromanschluss sind zwar ausgebucht, aber hinter der Rezeption oder am Ende des Platzes gibt es noch Stellflächen für den Urlaubs-Notfall. "Wir sind ziemlich ausgebucht bis zum Ende der Sommerferien. Eine Nacht zwischendurch ist aber schon noch frei. Nur eine ganze Woche am Stück kann ich niemandem mehr geben", so Mandy Rukop.

Sie hätte selbst nicht gedacht, dass der Campingplatz so gut angenommen werden würde. "Wir haben gute Rezensionen im Internet und Gäste, die immer wieder kommen. Viele sagen, ich habe das von meinem Bruder gehört oder meine Kollegin war da - es läuft viel über Mundpropaganda", erklärt Mandy Rukop. Und dann gibt es natürlich noch ein Riesenargument: direkte See-Anbindung.

Betreiber Christian Henning hat hier 60 Tonnen Sand aufgeschüttet, damit es sich so richtig nach Urlaub anfühlt. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Das sind auch die Gründe, warum Alex und Daniel mit Pamela und Manuel aus Süddeutschland angereist sind. Die vier kommen aus der Nähe des Allgäus und wollten im Urlaub mal was anderes sehen als Berge. Nöda sagte ihnen vor der Reise nichts, doch "wir haben viele Videos gesehen, auch dass der Platz neu ist. Es ist nah zum See - man muss keine zwei Kilometer laufen und wir suchten was Kleines ohne Animation", erklärt Alex.

Sie und ihre Freunde sind "Festivalcamper" - haben also Equipment, etwas Erfahrung - aber als Camping-Profis würden sie sich nicht bezeichnen. Sechs Stunden sind sie angereist, standen viel im Stau. Nun sitzen sie unter einem Pavillon. Alex und Daniel haben ihre Laptops "eingeschleust" - nun arbeiten sie "aufgeschobenes Zeug" ab. Allein das W-Lan fehlt, doch das Handynetz ist gut, loben sie.

Ob sie schon Ausflüge gemacht haben? Ja, die Gruppe hat sich Weimar angesehen - Erfurt steht auch noch auf der Sightseeing-Liste. Es sind noch zwei Tage Zeit, ehe es zurück in Richtung Allgäu geht. Genau solche Gäste wünschen sich die Betreiber. Gäste, die sich in der Region umgucken und Geld ausgeben.

Die Freunde aus dem Allgäu machen Urlaub und arbeiten nebenbei ein bisschen was Liegengebliebenes ab. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Touristische Nutzung - keine Dauercamper

"Der Alperstedter See hat in den vergangenen Jahren viele Probleme hervorgerufen", sagt Campingplatz-Betreiber Christian Henning. Die kleine Gemeinde Nöda kam nicht mehr hinterher: Parkproblem, Müllproblem, Partyproblem. "Genau das hat im Prinzip diesen schönen Ort zerstört", so Christian Henning. Deshalb habe es die gemeinsame Idee gegeben von Landkreis Sömmerda, Verwaltungsgemeinschaft und den Vereinen und Gastronomen, die schon am See angesiedelt waren, daran etwas zu ändern. Freizeit und Erholung - das sah schon ein Konzept aus den 1990er-Jahren für die Seenlandschaft vor, so Henning.

Christian Henning und Mandy Rukop schmeißen zusammen den Laden. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

"Wir wollten eine schnelle Lösung, die Behörden wollten eine schnelle Lösung und dann haben wir gesagt: Wir brauchen einen Parkplatz, damit die parkenden Autos vom Straßenrand verschwinden", erinnert sich Henning. Auf der (damals noch grünen) Wiese am See wurden Container aufgestellt - für Rezeption und Sanitär, Zäune errichtet, eine Strandbar und ganz wichtig: ein Parkplatz für 120 Autos.

Aus einer Ackerfläche wurde ein Parkplatz für 120 Autos. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Parksituation am Alperstedter See entspannt sich

Die Gemeinde hat eine ehemalige Ackerfläche zur Verfügung gestellt und nun parken die Autos hier. "Die Parksituation ist auf jeden Fall mega entspannt", sagt Henning. "Früher haben die Familien an der Straße ihre Stand-up-Paddleboards (SUP) aufgeblasen, daneben fuhren die Lkw vorbei, zwischen den Autos liefen die Kinder lang." Das war alles gefährlich. "Diese Bilder haben wir diesen Sommer zum Glück nicht mehr. Es hat sich inzwischen rumgesprochen, dass man hier unten parken kann", erzählen die Betreiber.

Die Parksituation hat sich entspannt. Es hat sich rumgesprochen, dass man hier unten parken kann.

Christian Henning

Doch was nutzt ein Parkplatz für Badegäste, wenn Baden verboten ist? So war es bisher. Nur daran gehalten hat sich niemand. Jetzt, mit dem Campingplatz, hat sich das geändert: "Das war ja eine Voraussetzung. Wir haben den Parkplatz geschaffen und wollten erlauben, dass man baden kann. Aber nicht nur die Camper - sondern auch die Anwohner und Tagesgäste. Wir wollten ja niemandem den See wegnehmen." Jetzt läuft alles in "geordneten Zuständen" - die DLRG hat einen Stützpunkt und bewacht zum Beispiel am Wochenende die Wassersportler und Schwimmer.

Blick auf den Campingplatz. Der Sommer ist heiß - das Gras deshalb nicht mehr grün. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Wer nicht campt, sondern nur ins Wasser will, zahlt zwei Euro, wenn die DLRG nicht da ist, und 3,50 Euro, wenn der Strand bewacht wird. "Daran mussten sich die Leute erst gewöhnen, dass es jetzt Eintritt kostet. Da gab es viele Diskussionen. Aber sie sehen, es gibt einen Mehrwert: Sie können auf Toilette gehen, wir räumen den Müll weg und wenn was passiert, werden sie auch gerettet", erzählt Mandy Rukop. Sie findet, "alles läuft geordneter ab".

Zum Aufklappen: Was ist ein Pop-up-Campingplatz?

Am Ufer des Alperstedter Sees ist ohne Bebauungsplan, aber in Abstimmung mit den Behörden, ein Campingplatz entstanden. Er "poppte" auf - soll aber nicht mehr verschwinden. Auch im Winter war geöffnet. Die Betreiber arbeiten nun an einer langfristigen Lösung mit Bebauungsplan, der dann statt Containern auch feste Häuser erlaubt. Damit wollen sie nach eigenen Angaben Planungssicherheit für die nächsten zehn, 20 Jahre - um dann auch auf dem Gelände große Bäume pflanzen und den Platz erweitern zu können.

Insgesamt hatten die Macher 250.000 Euro in den Platz investiert. Zuletzt wurden 60 Tonnen Sand am Strand aufgeschüttet und ein Holzsteg gebaut, damit die Wassersportler gut in den See kommen können. 2020 hatte der Alperstedter Bürgermeister Stefan Berth Baden, Campen und Grillen am See verboten. Auslöser war, dass Gäste immer mehr Müll zurückgelassen und auch vieles zerstört hatten. Mit dem privat betriebenen Campingplatz sollte es wieder geregelter zugehen.

Keine festen Häuser, sondern Sanitärcontainer - gerade wurden sie von einem Graffiti-Künstler besprüht. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Eintritt für den Alpertedter See

Am neuen Holzsteg blasen Stefanie, Sven und der zehnjährige Sebastian aus Erfurt gerade ihre SUPs und ein Kajak auf. Wenn sie einen ganzen Tag am See verbringen und nicht "nur mal schnell reinspringen" wollen, dann kommt die Familie aus Erfurt gerne zum Alperstedter See. "Es ist okay mit dem Eintritt", sagt Mutter Stefanie. "Man kann ja auch die Toiletten nutzen", die Atmosphäre beschreibt sie als "freundlich und nett". Ein paar Meter weiter pumpen zwei junge Frauen ihre Bretter auf. "Es ist ein richtiger Hype", sagt die Familie. "Doch es verläuft sich auf dem See", ist ihre Erfahrung. Sohn Sebastian mag, dass alles so groß ist. "Es gibt viele Inseln, an denen man alleine ist und seine Ruhe hat."

Gut ausgerüstet: Jeder hat ein Wassersportgerät dabei. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Urlaub verlängern in Thüringen

Während die Erfurter Familie noch fleißig pumpt, kommen Nico, Sovi und Hund Runa zum Steg. Auch sie haben ein SUP-Board dabei. Hütehund Runa kennt es, seit sie klein ist. Ganz ruhig setzt sie sich aufs Brett, die Familie paddelt los. Im Hintergrund kreuzen weitere Paddler. Doch wochentags sind es vergleichsweise wenige. Am Wochenende kommen schnell um die 40 Boards zusammen. Manche Familien reisen mit vier Brettern an, andere haben Kajaks und Kanus dabei.

SUP - der große Trend am Alperstedter See Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Solange Mann, Kind und Hund über den See paddeln, sitzt Mutter Jenniver am Camper. Die Familie aus Waltershausen kommt gerade aus dem "großen Urlaub" in Kroatien und Slowenien, erzählt sie. Zwei Wochen Camping liegen hinter der Familie. Zu Hause in Thüringen merkten sie, dass sie "noch nicht fertig sind mit Urlaub" und buchten spontan den Pop-up-Campingplatz.

"Die Preise sind hier sogar besser als im Ausland, es ist auch nicht so überlaufen", so Jenniver. Sie kennt den Platz von einem Wochenend-Trip mit Freundinnen und fand, dass sie und die Familie hier noch ein paar Tage "abspannen" und das "Urlaubsfeeling" noch etwas verlängern könnten.

Es ist nicht so überlaufen wie im Ausland.

Camping-Urlauberin Jenniver

Urlaub mit den Enkeln

Nicht weit entfernt steht das Wohnmobil von Oma Ragna und Opa Manfred. Sie machen das erste Mal Urlaub mit den Enkeln. Benjamin (7) und Daniel (6) wohnen sonst in der Nähe von Frankfurt/Main. Nun sitzen sie mit zwei neuen Freunden an einem Tisch vor dem Wohnmobil. Es läuft ein Hörspiel, die Oma schneidet einen Apfel in Stücke. Eigentlich wollten sie fünf Tage bleiben, haben aber nochmal verlängert.

Es läuft ein Hörspiel und die Oma schneidet Apfel - Urlaub mit den Großeltern auf dem Campingplatz. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Opa Manfred mag es besonders, dass es hier einen "Strand mit Sand" gibt. Seine Frau findet es "klein, familiär, übersichtlich und sicher". Wenn die Kinder mit den Fahrrädern ausfliegen, finden sie auf jeden Fall wieder zurück.

Kurz nach dem Gespräch gehen alle ans Wasser. Oma Ragna probiert ein SUP-Board aus und die Enkel bauen mit ihren neuen Freunden ein Tunnelsystem in den Sand, das geflutet wird. Die Großeltern jedenfalls denken schon an den nächsten Urlaub mit den Enkeln.

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. August 2022 | 19:00 Uhr

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