Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MusikSendungenServiceTeamKontakt
Sind E-Zigaretten eine "gesunde" Alternative? Bildrechte: dpa

Der Redakteur | 31.05.2023Ist die E-Zigarette eine "gesunde" Alternative?

01. Juni 2023, 09:04 Uhr

Wer mit dem Rauchen aufhören will, greift oft zu E-Zigaretten. Doch auch E-Zigaretten enthalten Nikotin und andere Schadstoffe. Können diese eine "gesündere" Alternative zu klassischen Zigaretten darstellen und ist es mit denen einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören?

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist schwer. So schwer, dass es viele nicht schaffen. Da ist der Umstieg auf die E-Zigarette doch schon ein Erfolg, oder? Oder eben nicht. Wir sparen uns die Sätze rund um die aufgedruckten Bilder auf den Zigarettenschachteln. Dass das Rauchen schädlich ist, sollte sich herumgesprochen haben. Dass Opa fast 100 geworden ist und der Altkanzler Schmidt auch, wird gern als Gegenbeweis angeführt oder zur Selbstberuhigung. Man kann es auch Selbstbetrug nennen.

Dr. Ulf Hengst, Facharzt für Innere Medizin in Gotha, räumt durchaus ein, dass nicht jeder Raucher alles bekommt, was an Erkrankungen im Angebot ist, aber leider weiß man das immer erst hinterher. Also: Ob man anfällig ist für die diversen Krebsarten, für Lungenschädigungen aller Art, Stichwort COPD, oder wie das Herz und die Blutgefäße reagieren, Stichwort Raucherbein.

Wir wissen, es gibt unterschiedlich gute Lungen. Das wissen wir nur vorher nicht.

Dr. Ulf Hengst | Pneumologe, Facharzt für Innere Medizin, Gotha

Zigarette gegen E-Zigarette - wer ist besser?

Die Annahme, E-Zigaretten sind weniger schlimm, mag für bestimmte verminderte Schadstoffmengen gelten im Vergleich zur Zigarette. Nur kommen leider auch diverse andere Schadstoffe hinzu, deren Auswirkungen noch gar nicht ausreichend erforscht sind.

Auch E-Zigaretten enthalten zahlreiche Schadstoffe. Bildrechte: imago images/Panthermedia

"E-Zigaretten enthalten Nitroamine, aromatische Kohlenwasserstoffe und andere Zusatzstoffe wie Aromastoffe, die selbst stark atemwegsschädigend sind", warnt Dr. Hengst. Das gilt vor allen Dingen für Menschen, die ihre Lungen schon über Jahre mit Zigaretten gequält haben.  

Wir sind eigentlich dafür gemacht, saubere Luft zu atmen und nicht irgendwelche suchterzeugenden Substanzen zu inhalieren.

Dr. Ulf Hengst | Pneumologe, Facharzt für Innere Medizin, Gotha

Zum Beispiel haben COPD-Patienten mit typischer Raucherbronchitis bereits geschädigte Atemwege, sodass quasi der Weg besonders "gut" bereitet ist für die schädigenden Stoffe aus der E-Zigarette. Zudem gibt es so viele Liquids, dass es schlicht unmöglich ist, eine Kategorisierung vorzunehmen nach dem Motto "mehr oder weniger schädlich". Manche Aromen sind als Lebensmittel oder in Kosmetika unbedenklich, was sie verdampft in den Atemwegen anrichten, weiß man schlicht noch nicht.  

Was die Aromen aus den E-Zigaretten in den Atemwegen anrichten, bleibt unklar. Bildrechte: dpa

Ich habe es probiert - das mit dem Aufhören klappt nicht!

Argumente, warum das Aufhören nicht funktionieren wird, lassen sich immer finden. Dabei würden gerne 80 Prozent der Raucher aufhören, sagt Lungenarzt Dr. Hengst. Und trotzdem halten es manche Betroffene für eine Stärke, ihre Schwäche einzugestehen. Weitermachen ist einfacher.

Man braucht ungefähr sechs Versuche, alleine mit dem Rauchen aufzuhören. Es bieten sich professionelle Programme an. 

Dr. Ulf Hengst | Pneumologe, Facharzt für Innere Medizin, Gotha

Viele Kassen bezahlen die Therapien. Es ist auch nicht so, dass man übertrieben viel Zeit investieren muss. Zum Start sind es zum Beispiel nur drei Kurse an Vormittagen innerhalb von zwei Wochen und eine überschaubare Nachbetreuung über ein Jahr.

Eine aktuelle AOK-Studie, an der Dr. Hengst auch mitgewirkt hat, zeigt, dass es 38 Prozent wirklich schaffen. Das ist leider nicht die Mehrheit, aber immer ein Versuch wert. Die Argumentation, dass die Sucht stärker ist, lässt Dr. Hengst so auch nicht stehen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Thema meistens durch, der Körper ist unser Freund, sagt Dr. Hengst. Er dankt es uns, wenn die Schadstoffzufuhr aufhört.

Geht’s mir ohne Zigarette besser?

"Sie haben sofort eine Verbesserung Ihrer gesundheitlichen Performance", macht Dr. Hengst den Betroffenen Mut. Die Heilungsprozesse setzen auch sofort mit dem Aufhören ein. Natürlich können irreversible Schädigungen - wie der Name schon sagt - nicht rückgängig gemacht werden, aber das Ausmaß kann verringert werden.

Dazu muss man wissen: Bis zum circa 20. Lebensjahr reift die Lunge, danach geht’s schon wieder abwärts. Das Organ altert zunehmend. Wer raucht, beschleunigt diesen Prozess. Wer mit dem Rauchen aufhört, stoppt zumindest diese Beschleunigung. Das ist es in jedem Falle wert.

Bereits eine Zigarette kann Schaden im Organismus anrichten. Bildrechte: IMAGO / epd

Ein Beispiel sind COPD-Patienten. Wenn diese glauben, dass "die eine Zigarette" quasi den Kohl nun auch nicht mehr fett macht, dann irren sie. Schon einzelne Zigaretten richten ordentlich Schaden an, weil sie die Selbstreinigungsprozesse stoppen. In unseren Atemwegen befinden sich Zellen, die kleine Härchen auf der Oberfläche haben. Diese Härchen schlagen wie ein Getreidefeld, das sich im Wind bewegt. Damit wird der Schleim kontinuierlich nach oben befördert und über die Speiseröhre unbemerkt entsorgt.

Die erste Zigarette lähmt die Härchen, mit der zweiten sterben sie ab. Was bleibt, ist das oft quälende morgendliche Abhusten. Das Gute: Nach ein paar Wochen wachsen die Härchen wieder nach - wenn man sie nur lässt. Und gerade COPD-Patienten, die nur noch wenige Meter laufen können, ohne außer Atem zu geraten, die sollten den Versuch machen und einfach mal auf diese eine Zigarette verzichten, die sie sich noch gönnen. Zum Aufhören ist es nie zu spät, sagt Dr. Hengst.

In aller Regel ist es so, dass sich die Lungenfunktion wieder bessert.

Dr. Ulf Hengst | Pneumologe, Facharzt für Innere Medizin, Gotha

 MDR (dvs,mw)

Mehr zum Thema Rauchen

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 31. Mai 2023 | 16:40 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen