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GesundheitCorona-Fallzahl gestiegen: Wie kritisch ist die Lage?

02. November 2023, 12:09 Uhr

Herbstzeit ist Erkältungszeit. Doch unter den Erkrankten mehren sich die positiven Corona-Fälle. Diese sind aktuellen Berichten des Robert Koch-Instituts zufolge wieder gestiegen. Ist die derzeitige Corona-Lage gefährlich? Und wie werden die Zahlen überhaupt erhoben, wenn Menschen sich gar nicht mehr regelmäßig testen?

Die Zahl der neuen Corona-Infektionen in Deutschland ist bis zum 22. Oktober erneut leicht gestiegen – auf insgesamt 13.128 Fälle. Das zeigt der aktuelle Wochenbericht des Robert Koch-Instituts.

Allerdings sei die Schwere der Erkrankungen deutlich harmloser als alles, was davor war, sagt der Medizinische Vorstand der Uniklinik Dresden, Michael Albrecht. Die Patienten mit Corona kämen eher wegen anderer Erkrankungen. "Wir haben Stand heute 17 Infizierte im Klinikum und drei auf der Intensivstation. Jetzt muss man aber immer unterscheiden. Das sind Patienten, die kommen wegen was anderem hier in die Klinik, und die haben eben einen positiven Abstrich-Befund."

Diese Menschen seien also nicht wegen Corona auf der Intensivstation. Es seien in der Regel Schwerkranke auch häufig mit Immunschädigungen, Immundefiziten.

Hospitalisierungsrate liegt deutlich unter den Zahlen von Frühjahr dieses Jahres

Auch die Uniklinik Magdeburg teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL schriftlich mit, in den vergangenen vier Wochen verzeichne man eine anhaltende Zunahme von Corona-Fällen. Doch liege die Hospitalisierungsrate immer noch deutlich unter den Zahlen von März/April dieses Jahres und stehe in keinem Vergleich zu den hohen Werten der ersten Pandemiejahre.

Aktuell stelle der Corona-bedingte Ausfall von Personal, das sich beispielsweise bei den eigenen Kindern infiziert hat, eine besondere Herausforderung dar.

RKI: Einschätzung der Situation durch unterschiedliche Datenquellen

Eine Frage bleibt jedoch: Wie kommen die gemeldeten Zahlen überhaupt zustande, wenn gar nicht mehr regelmäßig getestet wird? Dazu hat das Robert Koch-Institut MDR AKTUELL ebenfalls schriftlich geantwortet.

"Das RKI erhebt eine Vielzahl von Daten, auf allen wichtigen Ebenen: Bürger, Arztpraxen, Kliniken. Hin zu kommen spezifische Projekte, etwa die Abwassersurveillance, und die Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz. Das RKI hat bereits in der Pandemie immer darauf hingewiesen, dass die Einschätzung der Situation den Gesamt-Blick auf die unterschiedlichen Datenquellen erfordert und nicht nur die Auswertung einer einzigen Datenquelle."

Uniklinik Dresden geht von hoher Dunkelziffer aus

Abwassersurveillance heißt: Coronaviren vermehren sich auch im Verdauungstrakt und gelangen so ins Abwasser. Wissenschaftler können also im Abwasser die Viruskonzentration erkennen und Vorhersagen treffen.

Auch ein Projekt der Mainzer Unimedizin versucht aktuell, repräsentative Zahlen zu bekommen. Dafür testen sich etwa 10.000 Menschen über 25 Jahre jede Woche selbst.

Michael Albrecht von der Uniklinik Dresden merkt aber an, dass es in jedem Fall eine hohe Dunkelziffer gebe. "Die Zahlen können ja gar nicht mehr repräsentativ sein, weil heute ja erstens keine Testpflicht besteht. Und zweitens jeder, der eben eine grippeähnliche Symptomatik hat, ja nicht als Allererstes einen Corona-Test macht. Aber offensichtlich haben wir genug Immunität und Kreuzimmunität in der Bevölkerung, dass es eben ungefährlich bleibt."

Kekulé: Keine Entspannung für immunologisch geschwächte Menschen

So sieht es auch der Virologe Alexander Kekulé im Podcast "Kekulés Corona-Kompass" von MDR AKTUELL. "Die Menschen sind immunologisch in einer komplett anderen Situation als noch vor ein, zwei Jahren. Und es ist auch so, dass das Virus sich natürlich so verändert hat, dass es durch die Anpassung an den neuen Wirt, kann man sagen, harmloser geworden ist."

Das heiße aber nicht, dass man sich völlig entspannen kann. Nach wie vor gebe es vor allem ältere Menschen, die durchaus auch ins Krankenhaus kommen wegen einer Sars-Cov-2-Infektion und auch für immunologisch geschwächte Menschen sei es nach wie vor eine Gefahr, fügt Kekulé hinzu. Aber man könne es vielleicht so formulieren, sagt Kekulé: Corona sei inzwischen ein Atemwegserreger von vielen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | 30. Oktober 2023 | 06:06 Uhr