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Die Personalsituation in vielen Krankenhäusern ist angespannt. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

CoronavirusKrankenhäuser steuern wieder auf Überlastung zu

12. Oktober 2022, 12:36 Uhr

Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen steigt wieder, die Belegung in den Krankenhäusern nimmt zu. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt, denn es fehlt Personal – auch in Mitteldeutschland, wo aktuell vor allem Sachsen-Anhalt auffällt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt wegen einer deutlichen Zunahme der Zahl der Patienten mit Covid-19-Infektion vor einer schwierigen Zeit. Binnen einer Woche sei die Belegung um 50 Prozent gestiegen, sagte Vorstandschef Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die aktuelle Zahl von rund 19.000 positiv getesteten Patienten sei bereits jetzt so hoch wie auf dem Höhepunkt der diesjährigen Coronavirus-Sommerwelle.

Wir laufen flächendeckend und nicht nur in Süddeutschland auf extrem schwierige Wochen zu.

Gerald Gaß (Deutsche Krankenhausgesellschaft) | RND

Nach Angaben des DKG-Chefs machen Krankenhäusern vor allem hohe Personalausfälle zu schaffen, zudem der wegen wieder stärkerer Ausbreitung des Coronavirus erhöhte Aufwand für den Infektionsschutz. Er erwarte nicht, sagte Gaß, dass sich die Personalsituation durch den angepassten Covid-19-Impfstoff entspanne, da dieser "vor allem vor schweren Verläufen, nicht aber vor einer Infektion" schütze und Personalausfälle nicht verhindere.

Gaß sprach hier von einem "verheerenden Dreiklang" aus Personalausfällen durch Coronavirus-Infektionen und andere saisonale Atemwegserkrankungen, aus wachsendem wirtschaftlichem Druck und Bürokratie: "Alles zusammen wird dazu führen, dass Krankenhäuser Leistungen verschieben und Abteilung zeitweise abmelden." 

Wachsende Belastung der Intensivstationen

Die Zahl der Corona-Infektionen war zuletzt wieder deutlich gestiegen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen lag am Dienstag laut Robert-Koch-Institut bei 787,5. Auch die Zahl der Intensivpatienten in den Krankenhäusern hat bundesweit wieder deutlich zugenommen.

Das gilt auch für Sachsen und Thüringen und in einem auffälligen Ausmaß derzeit für Sachsen-Anhalt. Obwohl das Land bei den Infektionen insgesamt noch im bundesweiten Mittelfeld liegt, gehört es bei der Hospitalisierung mit Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland zu den Spitzenreitern. Noch genauere Angaben auch zu Sachsen und Thüringen gibt es hier.

Deutlich nach oben ging zuletzt auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Am Dienstag waren es laut DIVI-Intensivregister 1.660 bundesweit. Register-Chef Christian Karagiannidis sagte dem RND: "In einigen Regionen von Bayern, Hessen und in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen haben wir bereits Hotspots, wo es kaum freie Intensivbetten mehr gibt, weil das Personal häufig symptomatisch und auch länger ausfällt."

Deutschen vertrauen ihren Krankenhäusern

Unterdessen stellte die Deutschen Krankenhausgesellschaft am Mittwoch auch eine Studie zur Zufriedenheit mit der Krankenhaus-Versorgung vor, die demnach tendenziell auch vom Wohnort abhängt. "Der Spiegel" berichtete vorab, dass rund 86 Prozent der Befragten im Fall einer schweren Erkrankung im Urlaub in ein deutsches Krankenhaus gebracht werden wollen.

Gut 44 Prozent sagten demnach, sie seien zufrieden mit den deutschen Krankenhäusern, während rund 29 Prozent hier Verbesserungsbedarf sahen. Mit rund 51 Prozent war die Zufriedenheit in städtischen Regionen höher als in ländlichen, wo sich nur ein knappes Drittel zufrieden zeigte.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Krankenhaus-Landschaft zu reformieren. Eine von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eingesetzte Kommission erarbeitet derzeit Vorschläge dazu. 

dpa/AFP/KNA (ksc)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 12. Oktober 2022 | 09:00 Uhr