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In Städten heizt sich die Luft sehr schnell auf. Bildrechte: dpa

SommerKaum Pläne für Hitzeschutz in Mitteldeutschland

von Sophia Spyropoulos, MDR AKTUELL

Stand: 27. Juni 2022, 11:23 Uhr

In Berlin bereitet man sich auf die Sommerhitze mit neuen Hitzeschutzkonzepten vor. Akteure aus unterschiedlichen Bereichen haben daran gearbeitet und bilden zusammen das Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin. Auch in Mitteldeutschland wird die Forderung nach Hitzeschutzkonzepten lauter.

Was tun, wenn eine Hitzewelle anrollt? In Berlin gibt es dazu jetzt Handbücher, in denen Angestellte in Krankenhäusern, Arztpraxen, Stadtbezirken und Notarztdiensten Rat finden – aber auch Privatpersonen. Dabei gibt es verschiedene Maßnahmen für verschiedene Phasen: vor, während, nach dem Sommer und bei unterschiedlichen Hitzewarnstufen.

Am Plan mitgearbeitet hat auch die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. Deren Vorsitzender Martin Herrmann sagt: Das Wichtigste sei gewesen, dass Akteure aus dem Gesundheitswesen mit am Tisch saßen. Damit sei das Berliner Bündnis ein bundesweit einmaliges Netzwerk: "Das ist eines der Probleme, die wir gesehen haben: In den wenigen Städten in Deutschland, in denen es überhaupt Hitzeaktionspläne gibt, hat man die Gesundheitsakteure nicht wirklich beteiligt und es ist eine schlechte Idee, Hauptakteure gar nicht im Zentrum dabei zu haben", findet Herrmann.

Das Thema müsse nach oben auf die Agenda und zwar auf allen Ebenen: Länder, Kommunen, Akteure. Sie könnten sich theoretisch an dem Berliner Modell orientieren, meint Herrmann. Die Landesärztekammer Thüringen sieht das offenbar genauso. Sie forderte Ende Mai in einem Brief an die Gesundheitsministerin, "dass alle Einrichtungen des Gesundheitswesens und ihre Träger, die Kommunen und die Länder organisatorisch und strukturell Vorsorge gegenüber den Auswirkungen von Hitzewellen mit extremen Hitzebelastungen treffen sollen."

Unklare Verantwortlichkeiten für Hitzeschutz

Auf die Nachfrage, was man von dieser Anregung hält, schreibt das Gesundheitsministerium: Hitzeaktionspläne seien insbesondere auf kommunaler Ebene zu erarbeiten und umzusetzen. Und weiter: "Leider konnte die Thematik in den vergangenen Monaten aufgrund der Pandemie und des hohen Arbeitsaufkommens im Gesundheitsministerium nicht stringent weiterverfolgt werden. Inzwischen wurde der Austausch mit dem Thüringer Umweltministerium zum Thema wieder intensiviert."

Auch aus Sachsen und Sachsen-Anhalt heißt es: Hitzeschutzpläne seien Sache der Kommunen. Die Begründung fällt bei beiden gleich aus: "Da bei Erstellung von Hitzeaktionsplänen die lokalen Gegebenheiten zu berücksichtigen sind und Abstimmungen zwischen den verschiedenen lokalen Akteurinnen notwendig sind, ist die Erstellung von Hitzeaktionsplänen bei den Kommunen der besser geeignete Weg", erklärt das Sozialministerium Sachsen.

Forschungsprojekte in Erfurt und Dresden

Für Martin Herrmann zögen sich die Landesregierungen damit beim Thema Hitzeschutzpläne aus der Verantwortung: "Jede Klinik muss das haben und da hat das Land eine ganz große Verantwortung und es ist eigentlich ein Desaster, dass das bisher nicht wahrgenommen wird."

Immerhin: In einzelnen Städten in Mitteldeutschland tut sich etwas. In Erfurt und Dresden ging kürzlich ein Forschungsprojekt zum Hitzeschutz in die zweite Runde, das verschiedene Akteure vernetzen will. Auch in Leipzig hat sich der Stadtrat Mitte Juni vorgenommen, einen Hitzeaktionsplan mit möglichst vielen Beteiligten zu erarbeiten.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 27. Juni 2022 | 06:06 Uhr

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