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Windräder soweit das Auge reicht – doch sie kommen Sachsen-Anhalt sehr teuer. Bildrechte: imago images/Frank Sorge

Großer nachhaltiger StromproduzentErneuerbare Energien: Fluch und Segen für Sachsen-Anhalt

von Hanna Lohoff, MDR AKTUELL

Stand: 14. Juli 2022, 05:00 Uhr

Ministerpräsident Reiner Haseloff beklagt, dass die Energiepreise in Sachsen-Anhalt unter anderem auch wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien steigen – mehr als anderswo. Doch die Vorreiterrolle in Sachen nachaltig produziertem Strom habe auch Vorteile für das Land, sagen Fachleute.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte auf einer Pressekonferenz am Dienstag: "Wir bürgen uns mehr Lasten pro Einwohner auf für die Einhaltung der Klimaziele als die anderen Länder." Bedeuten mehr erneuerbare Energie in einem Land also automatisch auch höhere Strompreise?

Der Strompreis setzt sich zusammen aus Steuern und Umlagen, Kosten für den Stromeinkauf, Service und Vertrieb sowie aus den Kosten für die Nutzung der Netze. Und ebendiese sogenannten Netznutzungsentgelte sind der Knackpunkt. Denn sie unterscheiden sich je nach Region.

Einspeisung von nachhaltigem Strom teuer

Erik Gawel, Leiter der Abteilung Ökonomie am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, erklärt, wo Sachsen-Anhalt im Vergleich steht: "Da liegt Sachsen-Anhalt in der Tat im oberen Mittelfeld. Es gibt Regionen mit noch höheren Netzentgelten. Das hat mit der Knappheit der Netzleitung zu tun. Und da spielen sozusagen erneuerbare Energien oder die verstärkten Einspeisungen tatsächlich eine gewisse Rolle."

Wo viel erneuerbare Energie produziert werde, da werde auch viel in die Stromnetze eingespeist. Das wiederum treibe die Netzentgelte in die Höhe. In Sachsen-Anhalt liegen die Netznutzungsentgelte bei 8,5 bis 9,5 Cent pro Kilowattstunde. In Thüringen und Sachsen liegen sie bei 7,5 bis 8,5 Cent.

Hohe Investitionen für entsprechenden Netzausbau

Bei Haushaltskundinnen und -kunden machen die Netzentgelte etwa 22 Prozent des Strompreises aus. Der Geschäftsführer vom Bundesverband Erneuerbare Energien, Wolfram Axthelm, nennt noch einen weiteren Faktor, der zu höheren Netzentgelten führt: "Es ist nämlich das Phänomen, dass dort, wo wir einen starken Zubau der erneuerbaren Energien hatten in den vergangenen zehn bis 15 Jahren, die Netzbetreiber auch hohe Investitionen geleistet haben, um das Stromnetz sozusagen fit zu machen dafür. Und diese Kosten wurden regional umgelegt und dadurch sind die Länder, die besonders intensiv in die Erneuerbaren gegangen sind, gewissermaßen benachteiligt, weil ihre Netzumlagen steigen."

Land profitiert von Ausgleichszahlungen des Energie- und Klimafonds

Mehr Strom durch erneuerbare Energien und mehr Ausbau führt also zu höheren Netznutzungsentgelten. Erik Gawel vom UFZ in Leipzig betont aber, dass Haseloff zunächst einmal die positiven Effekte daran sehen müsse, dass in seinem Land so viel Strom aus Wind oder Sonne produziert wird, "denn wer viel erneuerbaren Strom einspeist, erhält hier auch viel aus der bisherigen EEG-Umlage oder jetzt aus den Ausgleichszahlungen des Energie- und Klimafonds. Das ist jetzt kein Vorteil für den stromverbrauchenden Haushalt, aber als Land Sachsen-Anhalt würde ich mich erstmal glücklich schätzen, wenn ich hier ganz vorne dabei bin und zum Klimaschutz beitrage und zur künftigen nachhaltigen Stromerzeugung."

Die erneuerbaren Energien seien für die Region ein wichtiger Faktor, betont der Geschäftsstellenleiter vom Landesverband Erneuerbare Energien Sachsen-Anhalt, Felix Langer: "Wenn man zuletzt sich die Ansiedlungspolitik der großen Firmen anguckt, die kommen, weil wir eben diesen Strom bereitstellen können, weil der hier vor Ort da ist und damit ist das einer der, wenn nicht sogar der größte Standortfaktor, den man haben kann. Und das hat Sachsen-Anhalt nötig. Das ist eigentlich sehr begrüßenswert, dass wir das haben."

Bis 2023 werden sich die regionalen Unterschiede bei den Netzentgelten übrigens verringern. Das hat die Bundesregierung schon 2018 beschlossen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 14. Juli 2022 | 06:00 Uhr