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In Sachsen-Anhalt haben nur wenige Kommunen eigene Hitzeschutzkonzepte. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Trotz extremer TemperaturenHitzekonzepte sind in Sachsen-Anhalts Städten selten

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 11. Juli 2022, 07:49 Uhr

In Sachsen-Anhalt ist es nicht nur sehr trocken, sondern im Sommer oft auch sehr heiß. Bernburg etwa war in den vergangenen Jahren oft der heißeste Ort Deutschlands. Doch wie sind die Kommunen und Landkreise im Land auf extreme Hitze vorbereitet? Und was machen sie, um ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen? Die Vorkehrungen sind oft vage, gesonderte Hitzebeauftragte findet man kaum.

  • Bernburg sorgt immer wieder mit Rekordtemperaturen für Aufsehen. Ein eigenes Hitzekonzept hat die Stadt aber nicht.
  • Kommunen und Landkreise verweisen bei diesen Konzepten auf das Land – und umgekehrt.
  • In den größeren Städten im Land scheitert umfassender Hitzeschutz teilweise an den Ressourcen. Aber auch an fehlender Nachfrage.

Wenn es um Hitze und extreme Temperaturen in Sachsen-Anhalt geht, lohnt sich ein Blick nach Bernburg. Die Saalestadt war in den vergangenen Jahren mehrfach der heißeste Ort in Deutschland. Auch bei der jüngsten Hitzewelle im Juni wurden hier Rekordtemperaturen gemessen. Trotzdem sieht man die Situation dort eher entspannt. Die Stadt sei mit ihren vielen Parks sehr grün, heißt es aus dem Rathaus. Brunnen und natürlich die Saale würden für Erfrischung und Kühlung sorgen. Gesonderte Aktionspläne zum Hitzeschutz gebe es aber nicht.

Das örtliche Ameos-Klinikum erklärte auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, dass bei großer Hitze die Zahl an Patientinnen und Patienten, die mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus kommen, leicht ansteigt. Gerade bei älteren Menschen oder Menschen mit einem Infekt führe die erhöhte Belastung durch Hitze häufig zu Hitzeerschöpfung oder Austrocknung. Doch in den besonders heißen Jahren 2018 und 2019 habe es bei den Zahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen keinen signifikanten Unterschied zu anderen Jahren gegeben, erklärte die Klinik.

Bund, Land oder Kommunen – wer ist zuständig?

Was für Bernburg gilt, lässt sich auch in vielen anderen Kommunen und Landkreisen im Land feststellen. Spezielle Hitzebeauftragte findet man nur selten. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch konkrete Konzepte – etwa zu Schutzmaßnahmen bei besonders hohen Temperaturen – sind oftmals nicht vorhanden und bleiben Sache der Einrichtungen.

Die Städte verweisen mitunter auf übergeordnete Institutionen. So erklärte ein Sprecher des Landkreises Wittenberg, das Land habe dafür eine Koordinierungsstelle angekündigt. "Wenn die ihre Arbeit aufgenommen hat, dann gehen wir den Weg zusammen", hieß es. Ein eigenes Konzept habe der Landkreis bislang nicht.

Auf Landesebene weiß man von einer konkreten Ankündigung allerdings nichts. Im Jahr 2017 hatte das Bundesumweltministerium unter Mitarbeit der Länder zwar Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen vorgelegt und darin eine solche Stelle auf Landesebene empfohlen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten im Jahr 2020 dann aber beschlossen, dass Hitzeaktionspläne individuell unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten und Spezifika primär von den Kommunen und betroffenen Instituten erstellt werden sollen.

In diesem Jahr sollen im Rahmen eines Pilotprojekts mit freiwilligen Einrichtungen der stationären Altenpflege "Musterhitzepläne" als erfolgreiche Beispiele entwickelt werden, hieß es seitens des Gesundheitsministeriums. Das Umweltministerium bereitet eigenen Angaben zufolge zudem voraussichtlich für Anfang 2023 eine Richtlinie zur Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen vor. In dem Rahmen solle auch die Erstellung von Hitzeaktionsplänen unterstützt werden, erklärte ein Sprecher.

Wer sich in Kreisen um Hitzeschutz kümmert

Bei den Landkreisen ist das Thema teilweise in größeren Abteilungen angesiedelt. Im Jerichower Land werden Themen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel entstehen, vom Fachbereich Umwelt oder über das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement bearbeitet. Dort gebe es seit diesem Jahr einen Klimaschutzmanager. Um den Hitzeschutz für Schulen und Pflegeheime kümmerten sich die jeweiligen Träger eigenverantwortlich.

Auch im Landkreis Harz hätten verschiedene Ämter den Hitzeschutz im Blick. Alle Einrichtungen könnten sich mit Fragen aber an das Gesundheitsamt wenden, so ein Sprecher. Bei Sanierungen der Schulgebäude achte der Landkreis aber "selbstverständlich" auf den Wärme- und Hitzeschutz. Auch im Landkreis Stendal werde auf das Thema Hitzeschutz seitens der Gesundheitsaufsicht bei jedem Bau- und Umnutzungsverfahren von Räumlichkeiten hingewiesen, erklärte eine Sprecherin. Hitzeschutzkonzepte gebe es derzeit aber nicht.

Im Rahmen von routinemäßigen Hygienekontrollen überprüfe das Gesundheitsamt auch das Vorliegen von Hitzeplänen in Gemeinschaftseinrichtungen und berate dazu, hieß es seitens des Saalekreises. Dadurch sei bekannt, dass in verschiedenen Einrichtungen Schutzkonzepte vorlägen.

Keine Nachfrage, keine Ressourcen: Hitzeschutzkonzepte in Dessau-Roßlau, Halle und Magdeburg fehlen

In der Stadt Dessau-Roßlau gibt es weder ein spezielles Hitzeschutzkonzept noch einen gesonderten Hitzeschutzbeauftragten, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Stadtverwaltung in Halle erarbeitet derzeit einen sogenannten Hitzeaktionsplan. Gegenwärtig stehe der Fachbereich Gesundheit als beratende Institution für alle Hilfesuchenden und Anfragenden zur Verfügung, so ein Sprecher der Stadt. Eine Nachfrage nach Beratung habe bislang aber nicht bestanden. Einen Hitzeschutzbeauftragten gibt es auch in Halle nicht.

In der Landeshauptstadt Magdeburg gibt es bislang ein sogenanntes Klimaanpassungskonzept. Das bilde für das Handeln bei Hitze bereits die Grundlage, so eine Sprecherin. Ein allumfassendes Hitzeschutzkonzept zu entwickeln sei allerdings aus Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen nicht vorgesehen.

Sachsen-Anhalt ist keine Ausnahme

Auch mit Blick auf ganz Deutschland zeigt sich, dass bisher wenige Vorkehrungen zum Hitzeschutz getroffen wurden. Das verdeutlicht eine Recherche von Zeit Online. Die Wochenzeitung hat alle 400 Landkreise zum Thema befragt. Antworten kamen aus 299 Kreisen: 80 Prozent davon haben bislang kein Hitzeschutzkonzept bzw. keinen Hitzeaktionsplan entwickelt.

Tipps für den Umgang mit Hitze

Sachsen-Anhalts Kommunen appellieren an die Bevölkerung aufzupassen. Bei großer Hitze sollten etwa körperliche Aktivitäten oder unnötige Aufenthalte im Freien vermieden werden, die Menschen sollten viel trinken und auf die Signale des Körpers achtgeben, so etwa der Sprecher vom Landkreis Wittenberg. Auch die Gesundheitsämter und das Gesundheitsministerium geben auf den Internetseiten Tipps zum Umgang mit Hitze. Insbesondere bei älteren Menschen mit Pflegebedarf sei in einem besonderen Maße präventiv zu reagieren, heißt es auf der Homepage des Ministeriums.

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dpa, MDR (Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm:MDR Fakt ist! | 11. Juli 2022 | 20:30 Uhr

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